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Laparoskopische OP-Technik: Kleine Schnitte – große Wirkung

03.03.2011
Wie die laparoskopische OP-Technik am Uniklinikum Rostock neue Maßstäbe setzt

In der Abteilung Gefäßchirurgie des Uniklinikums Rostock ist vermutlich eine Weltpremiere gelungen. Hier operierte Oberarzt Privatdozent Dr. Carsten Bünger eine Nierenarterienverengung, die bei einem 27-jährigen Studenten einen hohen Blutdruck verursachte, laparoskopisch. Also durch kleine Schnitte in die Bauchhöhle.

Üblicherweise wird sonst bei dieser Operation ein großer Schnitt im Bauchraum nötig. „Ich habe mir überlegt, dass man im Interesse des jungen Patienten das Problem auch minimalinvasiv, sprich mit kleinsten Schnitten, beseitigen kann“, sagte Dr. Bünger. Dabei überträgt eine Miniaturkamera das Bild aus dem Bauchraum des Patienten auf einen Monitor. So kann sich der Operateur optimal orientieren und die kleinen endoskopischen Instrumente präzise steuern.

Diese spezielle Chirurgie an der Bauchschlagader ist wenig verbreitet und wird nur in einzelnen Zentren praktiziert. „Es bedarf schon einer gewissen Phantasie des Arztes, wie die laparoskopische Technik dabei angewandt wird“, sagte Dr. Bünger, der unter Kollegen auch Skeptiker hatte. Doch er war sicher, dass es klappt. „Wenn ich auf diese Weise keinen Erfolg gehabt hätte, wäre eine offene Operation, wie sonst üblich, immer noch möglich gewesen“. Dr. Bünger hatte mit dem Patienten genau besprochen, wie er operieren wollte. Er war einverstanden und sehr froh, als er aus der Narkose erwachte und keinen großen Schnitt hatte.

Weniger Schmerzen, schnellere Belastbarkeit und Eingliederung in den Studien- oder Arbeitsprozess sind die Vorzüge. Auch der kosmetische Aspekt spielt natürlich eine Rolle. Der 27-jährige Patient erfreut sich inzwischen bester Gesundheit. Er braucht keine blutdrucksenkenden Tabletten mehr nehmen, hat mehr Lebensqualität. „Ich bin beeindruckt, dass nur winzige, kaum zu erkennende Narben geblieben sind“, sagte der Student. „Schmerzen habe ich nach der Operation fast nicht gehabt“.

Wer schon in jungen Jahren an hohem Blutdruck leidet, bei dem kommt es frühzeitig zu Verkalkungen. Dr. Bünger, der das Fachgebiet der Gefäßchirurgie vor über zwei Jahren vom heutigen Universitäts-Rektor Prof. Dr. Wolfgang Schareck übernommen hat, liebt die handwerklichen Herausforderungen seines Berufes im Klinikalltag. Das bringt für Patienten große Vorteile. So mussten bis letztes Jahr Patienten, bei denen im Übergangsbereich von Brust- und Bauchschlagader gefährliche Erweiterungen diagnostiziert wurden, in andere Zentren von Mecklenburg-Vorpommern überwiesen und dort operiert werden. „Das machen wir jetzt selbst“, so Dr. Bünger, der in der nächsten Woche eine Weiterbildung für niedergelassene Ärzte zur differenzierten Therapie der Bauchschlagader anbietet.

„Die OP-Technik hat Bünger sich bei Professor Michael Jacobs im Europäischen Gefäßzentrum Aachen-Maastricht angeeignet. Bei dieser Operation wird der Patient durch den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine geschützt, mit deren Hilfe sämtliche wichtigen Organe während der kritischen Phase mit körpereigenem Blut versorgt werden. Bünger setzt dabei auf interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Herzchirurgen, Anästhesisten, Intensivmedizinern und Kardiotechnikern.

„Gefäßerkrankungen nehmen vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung zu“, sagte Dr. Bünger, so auch die Erweiterung der Bauchschlagader (Aorta) unterhalb der Nierengefäße. „Je größer eine Aorta wird, umso größer wird der Druck, der auf den Gefäßwänden lastet. Wenn die Ader platzt, besteht akute Lebensgefahr.

Am besten ist es, wenn die Erkrankung vorher erkannt wird. Dann gibt es sehr gute Behandlungsverfahren“, so Bünger.

In der Rostocker Uni-Chirurgie wird in solchen Fällen zunehmend die Kathetertechnik angewandt. Dabei wird ein Kathetersystem über die Leistenarterien eingebracht. Durch eine für den Patienten ausgemessene so genannte Stent-Prothese werden die erweiterten Arterien ausgeschaltet. Bei diesem Verfahren arbeiten Chirurgen und Radiologen eng zusammen. Sollte diese Technik nicht anwendbar sein, verbleibt die operative Ausschaltung der Erweiterung als sehr gute Alternative, im Übrigen eine Technik, die sich über 50 Jahre bewährt hat. „Das heißt aber nicht, dass wir dabei noch große Schnitte machen müssen“, sagte Dr. Bünger, „denn mit der Schlüsselloch-Chirurgie können wir inzwischen auch minimal-invasiv bei der Operation vorgehen“.

Diese Operationstechnik eignete Bünger sich bei dem Düsseldorfer Spezialisten Prof. Dr. Ralf Kolvenbach an. Der setzt auf OP-Methoden, die mit nur kleinen Schnitten oder sogar ganz ohne Schnitte auskommen. Die Zeit, in der große Schnitte einen großartigen Chirurgen ausmachten, seien vorbei, so Bünger. In der Gefäßchirurgie des Uni-Klinikums Rostock wird die minimal-invasive laparoskopische Gefäßoperation generell bevorzugt.

„Jede Operation ist für einen Patienten ein Trauma“, weiß Bünger. „Man braucht Wochen, um sich zu erholen. Die Lebensqualität ist vorübergehend eingeschränkt.“ Bei der laparoskopischen Gefäßoperation ist der Patient deutlich schneller mobil im Vergleich zur offenen Operation, und der Patient hat weniger Schmerzen. „Mit der neuen Technik kommt es außerdem zu weniger Verwachsungen im Bauchraum“, nennt Bünger einen weiteren Vorteil für Patienten.

Kontakt:
Universität Rostock
Medizinische Fakultät
Dr. med. Carsten Bünger
Telefon: +49 (0)381 494 6294
eMail: carsten.bünger@med.uni-rostock.de
Presse+Kommunikation
Dr. Ulrich Vetter
Telefon: +49 (0)381 498 1013
eMail: ulrich.vetter@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

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