Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kunstherz-Systeme: Auf dem Weg zum Dauereinsatz

07.12.2009
Moderne Kunstherzsysteme dienen sowohl der akuten Lebensrettung als auch zur Langzeit-Überbrückung. Auf ihrem vierten Gipfeltreffen tauschten sich 350 Kunstherzexperten aus Europa und den USA über mechanische Kreislaufunterstützungssysteme und Kunstherzen vom 2. bis 5. Dezember 2009 in Paris aus.

Die Veranstaltung fand auf Einladung und unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Jan Gummert, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie im HDZ NRW, Bad Oeynhausen (Ruhr-Universität Bochum) und Prof. Dr. Alain Pavie, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie La Pitié Salpêtrière, Paris (Universität Pierre et Marie Curie) statt.

Aktuell wird weltweit eine Vielzahl mechanischer Kreislaufunterstützungssysteme verschiedener Hersteller eingesetzt. Je nach den speziellen Anforderungen der Patienten und der Art der vorliegenden Herzerkrankung unterscheiden sich diese Systeme in Form, Größe, Gewicht und Antriebsart. Neben pulsatilen Pumpen kommen vermehrt Rotationspumpen zum Einsatz, die einen kontinuierlichen Blutfluss erzeugen. Da die neuen Pumpen kleiner, mit niedrigerem Energieverbrauch und nahezu verschleißfrei arbeiten, werden sie zunehmend als Langzeit-Überbrückung über mehrere Jahre eingesetzt.

Fast vier Jahre lebte ein 63-jähriger Patient des Herz- und Diabeteszentrums NRW mit einem solchen System namens DuraHeart, bis er vor wenigen Wochen in Bad Oeynhausen erfolgreich transplantiert wurde. Das DuraHeart (Hersteller: Terumo) hat sich besonders bei Patienten, die unter einer nicht mehr heilbaren und ausgeprägten Pumpschwäche der Herzkammern, sogenannter terminaler Herzinsuffizienz, leiden, bewährt. Über 120 Mal kam die Rotationspumpe bisher weltweit zum Einsatz.

Auf das immer größer werdende Problem der schweren chronischen Herzschwäche in der Bevölkerung von Industriestaaten ging Tagungspräsident Prof. Dr. Jan Gummert ein. Den Transplantationskandidaten stehe nach wie vor eine schwindende Zahl von Spenderorganen gegenüber. "Der Bedarf an Kunstherzsystemen wird weiter steigen, da unsere Patienten immer älter werden und sich hinsichtlich der bedenklichen Situation der herrschenden Organspendeknappheit keine Änderung abzeichnet", betonte Gummert. Das HDZ NRW ist mit über 60 durchgeführten Transplantationen pro Jahr das größte Herztransplantationszentrum in Deutschland. Mit über 140 Kunstherzimplantationen jährlich verfügt es über eines der bedeutendsten Kunstherzprogramme weltweit. Zeitgleich werden über 112 Kunstherzpatienten des HDZ NRW zu Hause oder in der Klinik von speziell ausgebildeten Koordinatoren betreut.

Zur neuen Generation der Unterstützungssysteme zählt auch das HeartWare-System zur Linksherzunterstützung, das in Paris vorgestellt wurde. Dieses miniaturisierte System erlaubt verkürzte Operationszeiten, es ist vollständig implantierbar und kann beide Herzkammern langfristig unterstützen. "Langzeiterfahrungen mit dieser neuen Geräte-Generation fehlen noch, doch man kann von einer Mindestbetriebsdauer von fünf bis zehn Jahren ausgehen", erläuterte Gummert.

Große Hoffnungen ruhen auf der Kunstherzforschung, die sich neben der Entwicklung von kleineren und komfortableren Systemen zunehmend auf ein vollständig implantierbares Kunstherz richtet, das extern ohne eine mit Infektionsrisiken verbundene Kabelverbindung angetrieben wird. "Ein solches System würde einen großen Fortschritt im Hinblick auf die Lebensqualität unserer Patienten bedeuten." Das HDZ NRW ist an der Projektentwicklung mit Unterstützung des Landesministeriums und in Kooperation mit dem Helmholtz Institut der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) beteiligt. Im Laufe der nächsten Jahre, so Gummert, rechne man mit ersten Ergebnissen.

Anna Reiss | idw
Weitere Informationen:
http://www.hdz-nrw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Fit im Alter durch Hirnstimulation und Training
19.04.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht CTCelect – die Projekt(erfolgs)geschichte wird fortgeschrieben
06.04.2017 | Fraunhofer ICT-IMM

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten