Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Krebsdiagnostik per Massenspektrometer

07.12.2011
DFG finanziert der Universität Jena neue Technik zur Charakterisierung von Tumoren

Anzeige

Wer sich einer Sache sicher sein will, der will sie „mit eigenen Augen sehen“, „sich ein Bild machen“ oder sie „in Augenschein nehmen“. Denn: Bilder liefern unmittelbare Erkenntnisse. Das gilt auch für die modernen Lebenswissenschaften. Immer leistungsfähigere Mikroskope gewähren heute detaillierte Einblicke in zentrale Lebensprozesse. Viele grundlegende Entdeckungen verdankt die Wissenschaft den bildgebenden Verfahren. Eine neue vielversprechende analytische Methode in diesem Bereich ist die bildgebende Massenspektrometrie.


An der Friedrich-Schiller-Universität Jena wird dieses Verfahren künftig entscheidend weiterentwickelt: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert jetzt einem fachübergreifenden Konsortium aus dem Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie sowie Kliniken und Instituten des Universitätsklinikums unter dem Dach des „Jena Center for Soft Matter“ (JCSM) eine neue Massenspektrometrie-Anlage und einen speziellen Inkjet-Drucker im Wert von über 600.000 Euro. Diese werden ihren Platz im Neubau des Zentrums für Angewandte Forschung der Universität am Max-Wien-Platz finden.

Ziel der Jenaer Wissenschaftler ist es, die bildgebende Massenspektrometrie zur Charakterisierung von Tumorzellen und ihrer Umgebung zu etablieren. „Für ein solches Vorhaben braucht es einen starken interdisziplinären Verbund“, ist Prof. Dr. Ulrich S. Schubert, Direktor des JCSM überzeugt. „Deshalb bündeln wir Jenaer Kompetenzen von der Grundlagenforschung bis hin zur klinischen Anwendung“, unterstreicht Schubert.

Vor allem zwei Krebsarten stehen im Fokus des Wissenschaftlerteams: Tumore im Kopf- und Halsbereich, wie Krebs der Mundhöhle oder des Rachens, und Tumore der Leberzellen. „Zu verschiedenen Tumorarten gibt es am Jenaer Universitätsklinikum umfangreiche Sammlungen von Gewebeproben, an denen wir die Methodik testen und optimieren können“, erläutert Prof. Dr. Ferdinand von Eggeling vom Institut für Humangenetik. So werden an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde unter der Leitung von Klinikdirektor Prof. Dr. Orlando Guntinas-Lichius seit 2009 im Rahmen von klinischen Studien Gewebeschnitte von Tumoren der Mundhöhle und des Rachenraumes gesammelt und untersucht. An Proben aus verschiedenen Lebertumoren konnte das Team um Prof. Dr. Andreas Stallmach aus der Klinik für Innere Medizin II die bildgebende Massenspektrometrie bereits mit Erfolg testen und aufgrund der Muster sicher zwischen „gutartig“ und „bösartig“ auch bei sehr kleinen Veränderungen unterscheiden.

Für die bildgebende Massenspektrometrie wird das zu untersuchende Gewebe in hauchdünne Scheiben geschnitten und anschließend mit einer Matrix beschichtet. Das Besondere an dem in Jena betriebenen Verfahren ist der Einsatz eines Inkjet-Druckers, der die Matrix zielgerichtet mit hoher Auflösung aufbringen kann. Dabei können verschiedene Matrices (wie unterschiedliche Farben in einem gewöhnlichen Tintenstrahldrucker) exakt platziert werden, die selektiv für verschiedene lebenswichtige Substanzen sind. Im Massenspektrometer trifft dann ein UV-Laser auf die Probe. „Das Matrixmaterial verdampft dadurch schlagartig und reißt die Moleküle aus der Probe mit“, erläutert Dr. Anna Crecelius das Prinzip. „Dabei werden die Molekülbruchstücke ionisiert und in einem elektrischen Feld beschleunigt.“ Je nach Größe und Ladung lassen sich so die einzelnen Bestandteile voneinander trennen, sagt die Chemikerin aus Prof. Schuberts Team, die die Arbeiten am neuen Massenspektrometer betreuen wird.

„Der große Vorteil dieser Technologie ist, dass mit ihr auch bisher unbekannte Strukturen erkannt und abgebildet werden können“, schätzt Prof. von Eggeling ein. Zwar lassen sich auch mit bisher gängigen Verfahren die Zusammensetzung und Verteilung von Eiweißmolekülen in Tumorgeweben darstellen. „Dazu ist es aber notwendig, die Eiweiße, die ich nachweisen will, schon vorher zu kennen“, so von Eggeling. Die Massenspektrometrie sei dagegen ein echtes „Entdeckungswerkzeug“. „Wir erhalten damit Informationen über tausende auch unbekannte Eiweiße mit einer einzigen Messung.“ Daraus lassen sich in Zukunft neue Biomarker für die Diagnostik und Therapie verschiedener Tumore identifizieren, erwartet Prof. von Eggeling. Davon könnten langfristig viele Krebspatienten profitieren.

Kontakt:
Prof. Dr. Ulrich S. Schubert, Dr. Anna Crecelius
Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie
Jena Center for Soft Matter (JCSM) der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Humboldtstraße 10, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948200, 03641 / 948238
E-Mail: Ulrich.Schubert[at]uni-jena.de, Anna.Crecelius[at]uni-jena.de

Prof. Dr. Ferdinand von Eggeling
Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Jena
Leutragraben 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 935526
E-Mail: Ferdinand.vonEggeling[at]mti.uni-jena.de

Prof. Dr. Orlando Guntinas-Lichius
Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Jena
Lessingstraße 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 935127
E-Mail: Orlando.Guntinas[at]med.uni-jena.de

Prof. Dr. Andreas Stallmach
Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie
Klinik für Innere Medizin II, Universitätsklinikum Jena
Erlanger Allee 101, 07747 Jena
Tel.: 03641 / 9324221
E-Mail: Andreas.Stallmach[at]med.uni-jena.de

Ute Schönfelder | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-jena.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neue Computertomographie für Röntgeninspektionssystem der Einstiegsklasse zur Qualitätskontrolle in der Elektronikfertigung
23.05.2012 | GE Sensing & Inspection Technologies GmbH

nachricht New microscope uses rainbow of light to image the flow of individual blood cells
22.05.2012 | Optical Society of America

Alle Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit


Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.

Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.

„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...

Im Focus: Widerspenstiges Quasiteilchen erzeugt


Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.

Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.

Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...

Im Focus: Licht lässt Partikel wachsen - Forscher entdecken neuen Mechanismus in der Atmosphäre


Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.

Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.

Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...

Im Focus: Abschreckung: Tabak signalisiert angreifenden Zikaden Verteidigungsbereitschaft


Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen

Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...

Im Focus: Erbgutkopie reist im Protein-Koffer


Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.

Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.

Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Energieversorger vor dem Umbruch

24.05.2012 | Studien Analysen

Stem-cell-growing surface enables bone repair

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit

24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft und Öffentlichkeit

24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp