Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebs: "Angelrute" bringt Gehirntumoren den Tod

17.02.2014
Glioblastome ohne OP entfernt und an zugänglicheren Ort gebracht

Fischen nach Krebszellen - so könnte man das Verfahren beschreiben, das Wissenschaftler an der Emory University School of Medicine entwickelt haben.


Gehirn-Scan: Tumore werden ausgetrickst
Foto: pixelio.de, Rieke

Eine winzige Rute holt im Gehirn Tumorzellen ein und führt sie aus dem Gehirn hinaus zum Absterben. Glioblastome gelten als die am häufigsten auftretende und aggressivste Art von Gehirnkrebs bei Erwachsenen. Die Erkrankung ist tödlich und nur sehr schwer zu operieren. Verantwortlich dafür sind die Größe der Tumore und ihre unzugängliche Lage.

Sechs Millimeter langer "Kescher"

Das Team um Ravi Bellamkonda entwickelte nicht noch wirksamere Medikamente, um die Krebszellen im Gehirn abzutöten, sondern überlegte sich, ob die Tumore nicht an einen zugänglicheren Ort bewegt werden könnten. Glioblastomzellen bewegen sich im Gehirn und binden sich an Nerven und Blutgefäße. Um ihren Weg zu verändern, wurde eine Rute aus Polymeren entwickelt, die rund sechs Millimeter lang ist.

Im Inneren der Rute wurde eine dünne, rund zehn Mikrometer dicke Folie angebracht, die die Form von Nerven und Blutgefäßen nachahmt. Laut dem Wissenschaftler scheinen die Zellen diese Form zu mögen. Aus diesem Grund sind keine weiteren Chemikalien oder Proteine erforderlich. Am oberen Ende der Rute ist ein Tropfen Gel angebracht, der ein Medikament enthält, das die Zellen der Glioblastome abtötet.

Tumorzellen halten die Rute für Nerven oder Blutgefäße, binden sich an sie und werden am Ende abgetötet. Laut Bellamkonda kommt der Tumor so zu den Medikamenten und nicht umgekehrt. Um das Verfahren zu testen, implantierten die Forscher menschliche Glioblastomzellen in die Gehirne von Ratten. Sie setzten die Rute in den Tumor ein. Das Gel befand sich dabei etwas über der Oberfläche des Schädels. Nach 15 Tagen hatte sich der Großteil der Tumorzellen entlang der Rute weiter bewegt und ihr Ende gefunden.

Auf sämtliche Krebsarten anwendbar

Laut dem Wissenschaftler verkleinerte sich der Tumor, der nicht nur die Rute nach oben gelangte um fast 90 Prozent. "Wir haben sehr genau überprüft, dass wir dem Tumor nicht nur eine andere Möglichkeit des Wachstums gegeben haben. Es hat sich aber gezeigt, dass wir den Tumor von einem Ort an den anderen bewegen konnten."

Das Verfahren kann einen Patienten nicht vollständig von Krebs befreien. Bellamkonda geht jedoch davon aus, dass ein inoperabler Tumor damit in einen Bereich bewegt werden kann, der näher an der Oberfläche des Gehirns liegt, wo er entfernt werden kann. Es ist auch denkbar, dass der Tumor auf eine Größe schrumpft, die keinen Schaden mehr anrichtet.

Wie Nature Materials http://nature.com/nmat berichtet, sind die ins Gehirn eingeführten Ruten so winzig, dass sie zu keinen Störungen führen sollten. Das Team hat das Verfahren im Labor auch an isolierten Brustkrebszellen und Prostatakrebs getestet. Die Wissenschaftler hoffen einem NewScientist-Bericht nach darauf, dass es auch bei vielen anderen Arten von langsam wachsenden Tumoren eingesetzt werden kann.

Video: http://www.youtube.com/watch?v=7zf7RflYZrk

Michaela Monschein | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://med.emory.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt
16.01.2017 | Universitätsklinikum Tübingen

nachricht Fernüberwachung bei Herzschwäche kann Klinikaufenthalt ersparen
09.01.2017 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ALMA beginnt Beobachtung der Sonne

18.01.2017 | Physik Astronomie

Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

18.01.2017 | Architektur Bauwesen

Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern

18.01.2017 | Geowissenschaften