Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Knorpelzellen mit kleinen Schnitten transplantiert

16.11.2010
Orthopäden der Universitätsmedizin Mannheim transplantieren nachgezüchtete Knorpelzellen minimal-invasiv in erkranktes Hüftgelenk

Das Wort ist ein echter Zungenbrecher – aber dahinter verbirgt sich eine großartige Zukunftsperspektive bei der Behandlung von Gelenkschmerzen: Chondrozyten-Transplantation.

Unter Chondrozyten verstehen die Ärzte Knorpelzellen. Orthopäden der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) haben jetzt erstmals nachgezüchtete Knorpelzellen minimal-invasiv in ein Hüftgelenk transplantiert.

Eigentlich hatte sich der Patient, ein 26-jähriger Medizinstudent, gelernter Rettungsassistent und Hobby-Eishockeyspieler, wegen einer anderen Erkrankung einer Operation an der Hüfte unterzogen: Als er es nach einer Nachtschicht im Rettungsdienst vor Schmerzen kaum noch in den dritten Stock seiner Wohnung schaffte, operierten die Orthopäden eine gar nicht so seltene Fehlstellung, bei der ein Oberschenkelknochen an den Hüftknochen stößt.

Dies geschieht insbesondere in Belastungssituationen. Geschulte Operateure können diese Fehlstellung beheben, indem sie den Knochen genau dort etwas vertiefen, wo er an den Hüftknochen zu stoßen droht.

Festgestellt wurde dabei aber ein weiterer Gelenkdefekt: Der Knorpel im Hüftgelenk hatte sich abgelöst und war stark beschädigt. Nun kann die moderne Medizin heute Knorpelgewebe entnehmen und künstlich vermehren – also nachzüchten. Beim Kniegelenk geschieht dies bereits häufig, aber auch bei der Hüfte wurde dieses Verfahren in Mannheim schon fünfmal angewandt. Doch die Transplantation „zurück“ in den Körper ist üblicherweise mit einer recht großen offenen, mehrstündigen Operation verbunden.

Ein OP-Team um Dr. Stefan Fickert, Oberarzt im Orthopädisch-Unfallchirurgischen Zentrum, hat solch einen Eingriff nun arthroskopisch vorgenommen, also minimal-invasiv mit Hilfe sehr schlanker medizintechnischer Geräte. Dazu gehört auch ein so genannter Applikator, den man sich als einen dünnen, biegsamen Stift vorstellen kann. Über ihn wird die Trägersubstanz mit den außerhalb des Körpers vermehrten Zellen eingebracht. „Wir Mannheimer dürften wohl die ersten sein, die den Eingriff mit dieser Technologie an einem Hüftgelenk vorgenommen haben“, zeigt sich der Gelenkspezialist Fickert nach dem erfolgreichen Verlauf der Operation zufrieden.

Die Operationszeit reduzierte sich dadurch erheblich auf knapp über eine Stunde – und damit auf nicht einmal die Hälfte der sonst zu veranschlagenden Zeit. Zudem mussten dafür keine Muskeln durchtrennt werden, auch dies ist sonst unvermeidlich. Und so konnte sich der 26-Jährige noch am Operationstag vorsichtig mit Gehstützen fortbewegen und nach gerade mal vier Tagen aus dem Klinikum entlassen werden. Zwei Monate liegt das zurück, seinem Medizinstudium und seinen Freizeitaktivitäten kann sich der junge Mann nun wieder beschwerdefrei widmen.

Klaus Wingen | idw
Weitere Informationen:
http://www.umm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Fraunhofer IGB wirkt bei Gestaltung des europäischen Fahrplans für Organ-on-a-Chip-Technologie mit
14.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

nachricht Entwicklung modernster Navigationssysteme für die Gefäßchirurgie
06.11.2017 | Universität zu Lübeck

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie