Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovatives Kontrollsystem soll Blutwäsche auf Herz und Nieren prüfen

17.01.2014
Keime können bei der „Blutwäsche“ zur lebensgefährlichen Lungenentzündung oder Blutvergiftung führen.

Jetzt will eine Kooperation von Wissenschaftlern und Unternehmern ein Verfahren entwickeln, das die mikrobielle Analyse von Flüssigkeitslösungen in Dialysemaschinen deutlich vereinfacht, Nierenpatienten besser schützt und Kosten reduziert.

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) fördert das FuE-Projekt mit ZIM-Geldern in Höhe von 805.000 Euro. Sie decken einen Teil der Gesamtkosten von zirka 1,2 Millionen Euro, die die Technologieförderung Münster GmbH (TFM) veranschlagt hat.

Zum Hintergrund des Vorhabens, das den Titel „Mikrobiologische Online-Überwachung von Prozesswasser in Dialyse-Kreisläufen“ trägt: Bei der Dialyse – die bei chronischem Nierenversagen die wichtigste Ersatztherapie darstellt – filtert eine Flüssigkeit die Stoffwechselabfallprodukte aus dem Blut und ersetzt damit das lebenswichtige Organ.

In der Praxis werden die wasserleitenden Systeme regelmäßig desinfiziert, um die Keimzahl niedrig zu halten und eine Bildung von Biofilm zu verhindern. Zumal nach ISO 23500 die Reinigungsmaßnahmen durch regelmäßige Messungen validiert werden müssen. „Bisher sind auf dem Markt keine Vorrichtungen bekannt, die die Anzahl und Art der Keime direkt in Dialysewassersystemen überwachen – zeitnah oder kontinuierlich“, erklärt Projektinitiator Martin Gründkemeyer, der die fünf Partner für seine Idee gewinnen konnte und den Projektantrag unterstützte.

Im Gegensatz zur konzipierten Schnellanalyse sei es bislang übliche Praxis, so Gründkemeyer, dem Dialysesystem Flüssigkeitslösung zu entnehmen, diese ins Labor zu schicken und einer klassischen, mikrobiologischen Prüfung zu unterziehen. Verunreinigt oder frei von Keimen? Die Latenzzeit zur Klärung der Frage, also die Zeit zwischen Probenahme und Mitteilung des Untersuchungsergebnisses, kann bis zu einer Woche dauern.

Das geht weitaus effizienter, sind die am Projekt „Dialyseguard“ beteiligten Akteure überzeugt. An der Umsetzung des neuen Verfahrens arbeiten das Unternehmen Quantum Analysis mit Sitz im Nano-Bioanalytik-Zentrum Münster, das mikrobiologische Labor Dr. Michael Lohmeyer aus dem Technologiehof Münster und der Fachbereich Chemieingenieurwesen von der Fachhochschule Münster zusammen.

Weiterhin bringen das INano Institut an der Hochschule Niederrhein aus Krefeld und die Bundesanstalt für Materialforschung aus Berlin ihre Kompetenzen in die Forschung und Entwicklung ein. Die Idee, das Vorkommen und die Bestimmung von schädlichen Mikroorganismen direkt im Dialysesystem zu messen und vor Ort binnen Minuten ein sicheres Ergebnis zu erhalten, soll in den nächsten drei Jahren umgesetzt werden.

Der Fokus liegt auf der Untersuchung wasserführender Systeme in der Nierenersatztherapie, basierend auf nanoskaligen Schichtsilikaten und innovativen Fluoreszenzmarkierungen, gekoppelt an passgenauen Antikörpern. Zu diesem Markierungssystem wird die notwendige Hardware in Form eines optischen Detektionssystems entwickelt.

Diese Nachweistechnologie ermöglicht die Erfassung relevanter Keime im Dialysewasser, zumal sich durch ein nachgelagertes Verfahren, basierend auf dem Einsatz spezifischer Fluoreszenzfarbstoffe, tote und lebende Bakterien unterscheiden und somit die Überlebensfähigkeit dieser Bakterien auch in Abhängigkeit von Desinfektionsverfahren bestimmt werden kann.

Gründkemeyer: „Das innovative Kontrollsystem soll die Blutwäsche auf Herz und Nieren prüfen. Kontaminationen werden schneller erkannt und das bessere Verständnis der Kontaminationsprozesse, resultierend aus der kontinuierlichen Beprobung, führt zu höheren Qualitätsstandards.“

Martin Rühle | idw
Weitere Informationen:
http://www.centech.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Filterschutz fürs Gehirn: Weniger Schlaganfälle bei Herzklappenersatz-OP
17.08.2017 | Universitätsklinikum Ulm

nachricht Cochlea-Implantat: Viele Formen funktionieren
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie