Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit innovativen Medizintextilien dem Geheimnis vom langen beschwerdefreien Leben auf der Spur

02.03.2012
Innovative Textilien für Medizin und Gesundheit waren das Thema der Bundespressekonferenz des Forschungskuratoriums Textil (FKT) mit anschließendem Parlamentarischen Abend in Berlin.

Prof. Stefan Jockenhövel, Brückenprofessor am Institut für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen University und AME Institut für Angewandte Medizintechnik, unterstützte hierbei Dr. Klaus Jansen, den Geschäftsführer des Forschungskuratoriums Textil, neben weiteren Kandidaten.


Tubuläre Gewirkstruktur aus PLLA – Einsatz als Scaffoldstruktur. Foto: RWTH Aachen

Prof. Jockenhövel forscht aktuell an der Entwicklung lebendiger Gefäß- und Herzklappenprothesen sowie vitaler Stentprothesen. Durch eine hochporöse, biologisch abbaubare Textilstruktur wird eine körpereigene Prothese gezüchtet, die Engstellen oder Verschlüsse überbrückt, auch wenn die Gefäßdurchmesser sehr klein sind. Mithilfe dieser Prothesen können Gefäßverengungen und Verengungen der Luft- und Speiseröhre behandelt werden. Erste Studien beweisen, dass die vitale Gefäßprothese den gegenüber aktuell in den Kliniken eingesetzten synthetischen Prothesen überlegen ist. Diese neue Entwicklung kann zukünftig Patienten mit kritischen Gefäßverschlüssen helfen, denn die textilbewehrten Bypassgefäße bleiben dauerhafter zugänglich. Die Patienten sind also länger beschwerdefrei.

‚Tissue Engineering & Textile Implants‘ ist das Thema, das sich Prof. Jockenhövel für seine Professur auf die Fahnen geschrieben hat. Dies Strategiethema birgt eines der großen medizinischen Hoffnungen der Zukunft in sich: dass nämlich körpereigene Zellen – auf einer textilen Matrix aufgebaut – Implantate generieren, die zukünftig nicht mehr vom Körper abgestoßen werden.

Dies ist die bisher große Gefahr bei bestehenden künstlichen, nicht-textilen Implantaten – und eine nicht zu verachtenden Gefahr auch bei sogenannten ‚Spender-Implantaten‘. Denn der Körper erkennt Fremdes und ‚stößt es ab‘ – als Schutzmaßnahme, um seinen eigenen Mechanismus ‚am Laufen zu halten‘. Bei einer Infektion ist dieses Verhalten (über-)lebenswichtig. Nicht jedoch bei einem dringend benötigten künstlichen oder Spender-Implantat, das als Fremdkörper erkannt und abgestoßen werden kann.

Daher ist es ein gerade zu genialer Gedanke, körpereigene Zellen zu verwenden und so auf einer textilen Struktur anzusiedeln, dass ein Fremdkörpergefühl nicht auftritt.

Um diese so einfache wie hochkomplexe Materie zu steuern, bedarf es fundierter Kenntnisse aus Medizin, Biologie und Textil. Das preisgekrönte EU-Projekt ‚Biosys‘ ist ein Beispiel für die erfolgreiche Kooperation, die seit über 10 Jahren zwischen dem AME, dem ITA und der zum ITA gehörenden Vertriebsgesellschaft 3T besteht. Im Biosys-Projekt wurde zum ersten Mal eine textilbewehrte körpereigene Gefäßprothese entwickelt, die die Qualität von Bypass-Operationen zur Behandlung von Arterienverkalkung verbessert. ‚Mit unserem Wissen um Medizin und Textilien sind wir dem Geheimnis vom langen beschwerdefreien Leben dicht auf der Spur‘, freut sich Prof. Jockenhövel.

Informationen zum ITA
Das Institut für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen University gehört zu den Top 5-Instituten der Fakultät für Maschinenwesen der RWTH Aachen University. Die Kernkompetenzen des Instituts liegen in der Entwicklung von Textilmaschinen und –komponenten, neuen Werkstoffen, neuen Verfahren zur Herstellung von Textilien, neuen textilen Strukturen und neuen Produkten (z. B. Faser-verbundwerkstoffen, Medizintextilien).

Für Industrieunternehmen bietet das ITA direkte Forschung im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungs-Projektes oder Rahmenvertrages; Forschung im Rahmen von öffentlich geförderten Projekten (Land, Bund, EU); Weiterbildung und Seminare zu textilen Themen inhouse oder beim ITA; Kreativworkshops zur Ideenfindung sowie Patent- und Literaturrecherchen.

Unsere Forschungsdienstleistungen werden in Zusammenarbeit mit der zu uns gehörenden Firma 3T TextilTechnologieTransfer GmbH angeboten und bearbeitet.

Im Rahmen des Studienangebotes bildet das ITA folgende Bereiche aus: Maschinenbau Fachrichtung Textiltechnik, Wirtschaftsingenieurwesen Fachrichtung Textiltechnik und Berufsschullehrer der Sekundarstufe II. Darüber hinaus besteht die Gelegenheit zur Promotion zum Dr.-Ing. Weitere Informationen finden Sie unter www.ita.rwth-aachen.de.

Informationen zum AME:
Das Institut für Angewandte Medizintechnik (AME) verfolgt ein zukunftsorientiertes Medizin & Technik-Profil, das sich durch die Verbindung der „klassischen“ Medizintechnik mit den Naturwissenschaften, insbesondere den Biowissenschaften auszeichnet.

Die RWTH Aachen University bietet hierfür mit ihren technischen Fakultäten, der naturwissenschaftlichen Fakultät und dem unmittelbar benachbarten Universitätsklinikum mit der Medizinischen Fakultät hervorragende Voraussetzungen. So arbeiten am AME Mediziner, Ingenieure, Biologen, Physiker, Informatiker und Chemiker in über 60 F&E-Projekten zusammen. Zahlreiche, interdisziplinär betreute Dissertationen resultieren hieraus.

Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten umfassen Modellierung, Konstruktion, Prototypenbau, experimentelle Validierung und präklinische Testung von Medizinprodukten, bis hin zur technischen Begleitung innovativer Verfahren und Produkte in der Klinik.

Das Institut ist Teil der fakultätsübergreifenden „Arbeitsgemeinschaft Helmholtz-Institut für Biomedizinische Technik“ der RWTH Aachen. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte www.ame.hia.rwth-aachen.de

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.ame.hia.rwth-aachen.de
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Gefäßprothesen aus dem Bioreaktor
19.02.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Neue Studienergebnisse zur Tiefenhyperthermie-Behandlung
15.02.2018 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer 3D Portrayal Service Standard veröffentlicht

20.02.2018 | Informationstechnologie

Die GFOS stellt auf der HMI aus: Mit gfos.MES in Richtung Industrie 4.0

20.02.2018 | HANNOVER MESSE

ZUKUNFT PERSONAL SÜD & NORD: Workforce Management - der Mensch im Mittelpunkt der zukünftigen Arbeitswelt

20.02.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics