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Die Häufigkeit der dauernden Inkontinenz nach einer radikalen Prostataoperation schwankt stark. Zunächst wird allen Patienten geraten, selbstständig Beckenbodengymnastik zu betreiben, um möglichst früh den Harnfluss selbst steuern zu können. Führen diese und andere Behandlungen nach maximal einem Jahr nicht zum Erfolg, ist die Implantation eines künstlichen Sphinkters der letzte Ausweg. Dieser ersetzt den natürlichen Schließmuskel der Harnröhre und lässt sich vom Patienten bedienen. Dr. Jochen Kilian, Dr. Alexander von Bargen und Priv.-Doz. Dr. Wolf-Hartmut Meyer-Moldenhauer vom Urologischen Zentrums Hamburg an der Asklepios Klinik Harburg sehen in diesem Verfahren den erfolgversprechendsten Weg, verglichen mit alternativen Verfahren wie Einspritzen von Silikon als Ersatz für den natürlichen Schließmuskel oder Stammzelltherapie. Da alle Eingriffe im Falle ihres Versagens durch Vernarbungen den Einsatz eines künstlichen Sphinkters beeinträchtigen, müsse das erste eingesetzte Operationsverfahren das Beste sein, so das Resultat ihrer Beobachtungen.
Von Juni 2001 bis Dezember 2007 wurden an der Asklepios Klinik Harburg bei 269 Patienten künstliche Sphinkter implantiert. Im Rahmen einer Dissertation wurden die Patienten systematisch befragt. 180 von ihnen konnten schließlich in die Auswertung einbezogen werden. Nach der Implantation benötigten 86 Prozent keine bis maximal zwei Inkontinenzvorlagen am Tag. Die Zufriedenheit nach dieser Operation lag bei insgesamt 94,7 Prozent und damit nach Ansicht der Mediziner erstaunlich hoch. Die Lebensqualität hatte sich durch die Implantation des Sphinkters nach eigener Einschätzung bei 169 von 180 Patienten verbessert. Patienten, die einmal wieder kontinent waren, empfanden eine derartige Verbesserung ihrer Lebensqualität, dass sie bei einem auftretenden Defekt des Sphinkters möglichst rasch ein neues Implantat erhalten wollten. Bis Mai 2010 wurden über 120 weitere Operationen mit dem künstlichen Sphinkter in der Asklepios Klinik Harburg durchgeführt.
Hintergrund
Künstliche Sphinkter wurden erstmals 1972 implantiert und seither stetig weiter entwickelt. Das heute verwendete Modell besteht aus drei miteinander verbundenen Komponenten: einer Manschette, die um die Harnröhre gelegt wird, einem druckregulierenden Ballon und einer Pumpe, die im Hodensack untergebracht ist. Innerhalb dieses Kreislaufs befindet sich eine Flüssigkeit. Die Pumpe lässt sich von außen per Hand bedienen, so dass dann die Flüssigkeit aus der Manschette in den Ausgleichballon fließt und damit die Harnröhre freigegeben wird. Nach deren Entleerung füllt sich die Manschette zeitverzögert selbst wieder und dichtet die Harnröhre ab. Die sorgfältige Abklärung aller Voraussetzungen vor der Operation sichert beste Ergebnisse. Das Ausmaß und der Grad der Inkontinenz werden dafür mit einem Inkontinenzprotokoll und speziellen Tests erfasst. Der Patient wird für eine Vorbehandlung mit Antibiotika am Tag vor der Operation im Krankenhaus aufgenommen, nach der Operation werden die Antibiotika über fünf Tage verabreicht, um eine mögliche Infektion durch das Implantat auszuschließen. Nach sechs Wochen ist das Implantat eingeheilt. Erst dann wird es aktiviert, indem Flüssigkeit von außen in den Ausgleichsballon gespritzt wird, um den Druck zwischen den Komponenten aufzubauen. Danach wird die Bedienung eingeübt.
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Jens Oliver Bonnet | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.medtropole.de
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