Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Implantate helfen bei Glaukom

11.05.2010
Eine Neuentwicklung für Glaukom-Patienten (Grüner Star) kann die Notwendigkeit von Augentropfen reduzieren. Die Augenklinik des Universitätsklinikums Rostock beteiligt sich an einer Studie, die die Wirksamkeit der so genannten PRESVIEWTM Scleral Spacing Procedure bestätigen soll.

Der Sehnerv funktioniert wie ein Kabel, welches Bilder vom Auge zum Gehirn sendet. Wenn ein zu hoher Augeninnendruck vorliegt, werden die Sehnervenfasern geschädigt. Die Folge ist ein unwiederbringlicher Verlust des Gesichtsfeldes und der Sehschärfe. Diese Erkrankung wird Glaukom oder Grüner Star genannt.

Die Erkrankung wird häufig erst erkannt, wenn sie bereits weit fortgeschritten ist und der Sehnerv unwiederbringlich geschädigt ist.

Bislang kann das Glaukom nicht geheilt werden. Augentropfen oder eine Operation können jedoch eine weitere Sehverschlechterung verlangsamen oder sogar aufhalten. Die adäquate Behandlung hängt von der Art des Glaukoms und anderen Faktoren ab.

Das „chronische Offenwinkelglaukom" ist die häufigste Glaukomform. Die fortschreitende Erkrankung bietet weder Frühwarnzeichen noch verursacht diese auch bei längerem Verlauf unmittelbare Beschwerden. Wird das Glaukom nicht erkannt und behandelt, kommt es aber zu einer fortschreitenden Schädigung.

Abhängig von der Glaukomform und des Stadiums besteht die Behandlung aus verschreibungspflichtigen Augentropfen, Lasereingriffen und/oder chirurgischer Intervention, um den Augeninnendruck zu senken und somit einer weiteren Schädigung des Sehnervs vorzubeugen. Die regelmäßige Anwendung der Augentropfen zu bestimmten Uhrzeiten ist häufig keine einfache Aufgabe, insbesondere für ältere Menschen. Viele Augentropfen sind unangenehm, weil sie brennen oder das Auge sich gereizt anfühlt. Nicht zuletzt deshalb verwenden viele Patienten die ihnen verschriebenen Tropfen nicht täglich.

Während dieser ausgelassenen Tage steigt jedoch der Augendruck wieder an und der Sehnerv kann Schaden nehmen. Nicht selten müssen über die Jahre der Behandlung hinweg verschiedene Augentropfen angewendet werden, die auch unangenehme Nebenwirkungen auf andere Körperfunktionen haben. Aus diesen Gründen, versuchen Ärzte seit langem andere als medikamentöse Möglichkeiten der Glaukom- Behandlung zu finden.

Neues Verfahren der Glaukombehandlung

Wissenschaftler und Ärzte der Refocus Group, einer amerikanischen Firma für Medizinprodukte, haben eine neuartige Technik entwickelt, von der erwartet wird, dass sie bei Patienten mit Offenwinkelglaukom den Augendruck effektiv senken kann. Die entwickelte PRESVIEW Scleral Spacing Procedure (SSP) beinhaltet die Verwendung winziger Kunststoff-Implantate, die an verdeckter Stelle eingesetzt werden. Die Implantate helfen dem Auge, einen normalen Druck aufrecht zu erhalten, indem sie den natürlichen Abfluss der Augenflüssigkeit verbessern. Da die Implantate von außen in die Sklera (das Weiße am Auge) eingesetzt werden, können die Implantate auch wieder entfernt werden, wenn es gewünscht ist.

Die Anwendung der SSP Implantate steht der weiteren Verwendung von Augentropfen oder der späteren Durchführung einer weiteren Glaukom-Operation nicht im Wege.

In einer klinischen Studie in Kanada wurden im Jahr 2000 Glaukom-Patienten mit den SSP-Implantaten versorgt, und es zeigte sich, dass der Augendruck durch diese Technik signifikant gesenkt werden konnte. Während vor der SSP-Operation alle Patienten Augentropfen verwenden mussten, benötigten acht Jahre nach der Operation über 50 Prozent der Patienten keinerlei Tropfen mehr. Seit 2009 gibt es in Europa, klinische SSP-Studien um die Wirksamkeit der Scleral Spacing Procedure zu untersuchen

Teilnehmer für Studie gesucht

Die Augenklinik des Universitätsklinikums Rostock führt diese Studie ebenfalls durch. Aktuell hat die Rekrutierungsphase für Patienten, die teilnehmen möchten, begonnen. Patienten, die in die Studie eingeschlossen werden, werden über einen Zeitraum von zwei Jahren nachbeobachtet.

Teilnehmen kann, wer

• ein Glaukom (Grüner Star) hat und nicht mehr als drei verschiedene
Augentropfen verwendet.
• mit beiden Augen noch gut sehen kann
• älter als 40 Jahre ist
• die Glaukom-Augentropfen erst seit weniger als zehn Jahren
verwendet.
Wer diese Voraussetzungen erfüllt, kann sich unter der Telefonnummer
0381/4948501 anmelden. Diejenigen, die infrage kommen, werden zu einem Informationsgespräch in die Augenklinik des Rostocker Klinikums eingeladen.

Weitere Informationen auf der Website http://www.refocus-group.com .

Prof. Dr. med. R.F. Guthoff
Universität Rostock
Medizinische Fakultät
Augenklinik
Doberaner Str. 140
18055 Rostock
Tel. +49/381/4948501
Fax. +49/381/4948502
rudolf.guthoff@med.uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de
http://www.refocus-group.com

Weitere Berichte zu: Augendruck Augeninnendruck Augenklinik Augentropfen Glaukom Glaukomform Implantat SSP Scleral Sehnerv Tropfen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen
24.04.2018 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

nachricht Deutschlandweit erstes Gerät für hoch fokussierten Ultraschall bei Tremor und Parkinson
11.04.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht

25.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Erkheimer Ökohaus-Pionier eröffnet neues Musterhaus „Heimat 4.0“

25.04.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

25.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics