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„Hirnschrittmacher“ bei Patienten mit schwerstem Schmerzsyndrom eingesetzt

10.12.2013
Erfolgreiche Premiere in der Neurochirurgie am Universitätsklinikum Jena / Patient selbst kann Elektrostimulator einschalten und ausschalten

Medizinpremiere in Thüringen: Neurochirurgen der Universitätsklinik Jena (UKJ) setzten nun erstmals in Mitteldeutschland einen sogenannten „Hirnschrittmacher“ bei einem Patienten mit schwerstem Schmerzsyndrom ein.

Der Patient aus Thüringen hatte sich bei einem zurückliegenden Unfall vor über fünf Jahren umfangreiche Knochenbrüche im Gesicht zugezogen und litt seitdem unter extremen chronischen Schmerzen. Der Eingriff dauerte rund vier Stunden.

An die Operationen nach dem Unfall schloss sich seinerzeit eine intensive und umfassende Schmerztherapie an: Trotzdem blieb das Schmerzsyndrom im Gesicht des Mannes erhalten und schritt immer weiter fort. Durch den Einsatz des Hirnschrittmachers konnten die Schmerzen nun deutlich gelindert werden.

Bei diesem Verfahren, der „Tiefen Hirnstimulation“, werden die gestörten Gehirnareale durch elektrische Stimulation je nach Erkrankung gehemmt oder angeregt. Dazu werden operativ Elektroden in die erkrankte Hirnregion implantiert sowie ein dazugehöriger individuell programmierbarer Impulsgeber unter das Schlüsselbein eingesetzt.

„Bereits über 50 Patienten haben hier am UKJ durch die Zusammenarbeit der neurologischen und der neurochirurgischen Klinik einen Hirnschrittmacher erhalten. Bislang wurde diese extrem komplizierte Operation hauptsächlich bei Patienten mit Parkinsonerkrankung oder auch Tremor (Zittern) oder Dystonie (überschießende Bewegungsstörung) eingesetzt“, erklärt Prof. Dr. Rolf Kalff, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am UKJ. Die Erfahrung dieser Eingriffe war u.a. jetzt die Basis, um die gewonnenen Erkenntnisse der Tiefen Hirnstimulation nun auch für dieses Krankheitsbild zu nutzen.

Patient selbst kann Elektrostimulator einschalten und ausschalten

UKJ-Neurochirurg Dr. Rupert Reichart schildert den Eingriff: „In der vierstündigen Operation wurden zwei Stimulationselektroden in zwei Areale des Mittelhirns, die einen entscheidenden Einfluss auf die körpereigene Schmerzunterdrückung haben, implantiert. Zunächst wurden die Stimulationskabel mit einer Verlängerung nach außen geleitet, so dass eine fast vierwöchige Testphase mit einem externen Stimulationsgeber erfolgen konnte. Zum Schluss dieser Testperiode war die Schmerzsymptomatik zwar noch nicht vollständig verschwunden, konnte jedoch schon wesentlich gelindert werden.“ Daher implantierten die Neurochirurgen des UKJ nun einen dauerhaften Simulator unter die Haut. Dieser arbeitet jetzt kontinuierlich. Das Besondere: Der Stimulator kann auch vom Patienten nach Bedarf ein- bzw. ausgeschaltet werden.

Die Thüringer Neurochirurgen schließen nicht aus, dass die Einsatzfelder für Hirnschrittmacher in Zukunft weiter ausgedehnt werden: „Es gibt erste vielversprechende Daten, dass neben Menschen mit chronischen Schmerzen und Bewegungsstörungen vor allem auch psychiatrisch erkrankte Patienten, etwa mit Zwangsstörungen, durch eine Tiefe Hirnstimulation erfolgreich behandelt werden können. Im Gegensatz zu früher haben diese Operationen heute ein sehr geringes Risiko. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Implantation der Stimulationssonden vollständig rückgängig gemacht werden kann“, so Dr. Reichart. Daher könne das Verfahren gerade bei Patienten mit einem hohen Leidensdruck von wachsender Bedeutung werden.

Kontakt

Dr. med. Rupert Reichart, M.Sc.
Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie
Neurochirurgische Schmerzsprechstunde
rupert.reichart@med.uni-jena.de
www.neurochirurgie.uniklinikum-jena.de

Stefan Dreising | idw
Weitere Informationen:
http://www.neurochirurgie.uniklinikum-jena.de

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