Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hirndruck mittels Sehnerv-Ultraschall messen

24.09.2012
Lebensgefährlichen Schäden im Gehirn vorbeugen
Hirndruck mittels Sehnerv-Ultraschall messen

Nach Kopfverletzungen aber auch bei einer Reihe von anderen Hirnerkrankungen kann der Hirndruck ansteigen und zu lebensgefährlichen Komplikationen führen. Eine exakte Messung erfolgt in der Regel mit einer Hirndrucksonde im Schädel.

Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) weist darauf hin, dass die Ultraschalluntersuchung des Sehnervs zur Bestimmung des Hirndrucks beitragen kann. In Fällen, in denen die Anlage einer Hirndrucksonde nicht möglich ist, sei die Opticus-Sonografie eine gute Option, betonen die Experten der DEGUM.

Schätzungsweise 270 000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland ein Schädel-Hirn-Trauma. Ist das Gehirn verletzt, steigt – ähnlich wie bei anderen Verletzungen – der Wassergehalt im Gewebe. „Wenn der Druck im Gehirn zunimmt, kann es zu einer Durchblutungsstörung und somit zu einem Sauerstoff- und Nährstoffmangel im Gehirn kommen“, erklärt Professor Dr. med. Christof Klötzsch, Leiter der DEGUM Sektion Neurologie.
Bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma sei die Überwachung des Gehirndrucks – wie auch bei vielen anderen Erkrankungen des Gehirns – entscheidend. „Dadurch lassen sich bleibende Schäden oftmals abwenden“, so der Chefarzt der Abteilung Akutneurologie der Kliniken Schmieder Allensbach und der Neurologischen Abteilung des Hegau-Klinikum Singen.

In der Regel messen Neurochirurgen den Druck im Gehirn mit Sonden, die sie in die Schädelhöhle einführen. Dieses Verfahren ist jedoch nicht immer verfügbar und kann zum Beispiel bei Patienten mit Blutgerinnungsstörungen nicht angewendet werden. Ob ein erhöhter Hirndruck vorliegt, kann in vielen Fällen eine Sonographie des „Nervus opticus“, also des Sehnervs, beantworten. „In einer Metaanalyse von sechs Studien, in der die Daten von insgesamt 231 Patienten mit Schädelhirntrauma und intrakraniellen Blutungen ausgewertet wurden, zeigte die Technik eine Empfindlichkeit von 90 und eine Spezifität von 85 Prozent“, berichtet Dr. med. Jochen Bäuerle von der Neurologischen Universitätsklinik Freiburg in einer Übersichtsarbeit im Fachmagazin „Perspectives in Medicine“.
Wie das Gehirn ist der Sehnerv von einer Flüssigkeit, dem Liquor, umgeben. Bei einem erhöhten Hirndruck weicht die Flüssigkeit in Richtung Sehnerv aus. Der Liquorraum um den Sehnerv, die sogenannte Sehnervenscheide, dehnt sich aus. Die Sehnervenscheide stellt somit ein „Fenster“ zu den Druckverhältnissen im Schädel dar. „Normalerweise ist die Sehnervenscheide an der Messstelle zwischen fünf und sechs Millimeter weit. Bei erhöhtem intrakraniellem Druck nimmt die Weite der Sehnervenscheide zu“, erläutert Bäuerle.

Bei der Untersuchung wird der Schallkopf bei geschlossenem Auge seitlich aufgesetzt. Für die Patienten ist die Untersuchung ungefährlich und kann mehrfach wiederholt werden. Die Methode eignet sich deshalb auch gut für Verlaufskontrollen. „Bei einer Entlastung oder einem Anstieg des Drucks werden Veränderungen rasch sichtbar“, so Bäuerle. Außerdem kann das kostengünstige Verfahren am Patientenbett durchgeführt werden. In Kanada wird derzeit in der so genannten MOONSTRIP-Studie untersucht, ob durch regelmäßige Untersuchungen der Sehnervenscheide nach Schädel-Hirn-Verletzungen aufwendige computertomografische Kontrolluntersuchungen vermieden werden können.

Doch das Anwendungsspektrum der Opticus-Sonografie geht über die Diagnostik beim Schädelhirntrauma hinaus. Auch bei Patienten mit Hirnhautentzündungen, Hirnblutungen und -tumoren muss der Druck stetig gemessen werden. „Wir können das Verfahren auch bei Patienten mit Pseudotumor cerebri einsetzen“, meint Bäuerle. Diese Patienten leiden unter Kopfschmerzen, weil ihr Hirndruck ohne erkennbare Ursache erhöht ist. Die Behandlung besteht in regelmäßigen Lumbalpunktionen zur Entnahme von Hirnwasser. Und auch bei Menschen, die an einem verminderten Hirndruck erkrankt sind, weil unbemerkt Hirnwasser durch ein Leck der Hirnhaut austritt, sei der Einsatz denkbar.

Christof Klötzsch ist überzeugt, dass die Opticus-Sonografie in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. „Bei Patienten, bei denen eine Schädelöffnung kontraindiziert ist oder in Situationen, in denen kein Neurochirurg verfügbar ist, liefert das Verfahren wichtige Informationen“, so der DEGUM-Experte.

Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint mehr als 9000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen 1 bis 3.

Im Internet:

Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin
http://www.degum.de

MOONSTRIP-Studie
http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT00783809

Literatur:
Jochen Bäuerle, Max Nedelmann
B-mode sonography of the optic nerve in neurological disorders with altered intracranial pressure
Perspectives in Medicine 2012; 1: 404-407.

J. U. Harrer, J. Eyding, M. Ritter, U. Schminke, G. Schulte-Altedorneburg, M. Köhrmann, M. Nedelmann, F. Schlachetzki
Neurosonografie in der neurologischen Notfall- und Intensivmedizin: Monitoring des erhöhten intrakraniellen Druckes, Hirntoddiagnostik und Untersuchung der zerebralen Autoregulation - Teil 2
Ultraschall in der Medizin 2012; 33(4): 320-336, Thieme Verlag Stuttgart

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Pressestelle
Irina Lorenz-Meyer
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-642 / -552
Fax: 0711 8931-984
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.degum.de
http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT00783809

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Ein Quantensprung in der Herzdiagnostik
22.09.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

nachricht Bypass – Lebensbrücke für das Herz; keine Angst vor der Herz-Operation
21.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Im Spannungsfeld von Biologie und Modellierung

26.09.2017 | Veranstaltungen

Archaeopteryx, Klimawandel und Zugvögel: Deutsche Ornithologen-Gesellschaft tagt an der Uni Halle

26.09.2017 | Veranstaltungen

Unsere Arbeitswelt von morgen – Polarisierendes Thema beim 7. Unternehmertag der HNEE

26.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Europas erste Testumgebung für selbstfahrende Züge entsteht im Burgenland

26.09.2017 | Verkehr Logistik

Nerven steuern die Bakterienbesiedlung des Körpers

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit künstlicher Intelligenz zum chemischen Fingerabdruck

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie