Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

HDZ NRW nimmt als erste Einrichtung in Deutschland den automatisierten Betrieb seines Zyklotrons auf

15.09.2008
Patientenversorgung mit Radionukliden in Ostwestfalen-Lippe optimiert
- Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, deutschlandweit Vorreiter -

Als erste Einrichtung in Deutschland nahm das Institut für Radiologie, Nuklearmedizin und molekulare Bildgebung unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Burchert im Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen jetzt den automatisierten Betrieb seines Zyklotrons auf.

Ab sofort geht das Gerät nun täglich automatisch um 2.00 Uhr nachts in Betrieb, um mittels Teilchenbeschleunigung sogenannte Radionuklide zu produzieren, die für die Diagnose bei Patienten mit Herzerkrankungen, Tumorerkrankungen und zukünftig auch neurologischen Erkrankungen benötigt werden. "Seit Ende 2007 produzieren wir das radiopharmazeutische Mittel FDG-HDZ in großen Mengen nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch für Krankenhäuser und radiologische Praxen in den Großräumen Hamburg, Hannover, Braunschweig und im Ruhrgebiet," erläutert Prof. Burchert. "Durch die jetzt genehmigte Software-Erweiterung sind längere Bestrahlungszeiten möglich, so dass wir der steigenden Nachfrage nach FDG nachkommen können."

Voraussetzung für den erstmals automatisierten Betrieb des Zyklotrons war eine Genehmigungsänderung, die von der Bezirksregierung Detmold unter erweiterten Sicherheitsauflagen in kurzer Zeit erteilt wurde. Die Steigerung der Nuklidproduktion für die Region Ostwestfalen-Lippe wird voraussichtlich

30 Prozent betragen.

Wie wichtig diese regionale Unabhängigkeit ist, zeigen aktuelle Meldungen: durch Ausfall mehrerer Herstellungsreaktoren wird in den nächsten Wochen ein weltweiter signifikanter Lieferrückgang von Radionukliden erwartet.

"Die Produktionsausweitung hilft, die Versorgung der Patienten in Ostwestfalen-Lippe sicherzustellen" so Dr. Martin Brinkmann, Strahlenschützer bei der Bezirksregierung Detmold. Der befürchtete Engpass bei der Patientenversorgung kann so voraussichtlich abgemildert werden.

"Durch die regionale Versorgung werden lange Anfahrtswege vermieden und so das Risiko radioaktiver Kontaminationen beim Straßentransport minimiert. Gleichzeitig kommen die Stoffe schnell den Patienten zugute. Bei langen Transportwegen zerfällt bereits ein beträchtlicher Teil der kurzlebigen Nuklide ungenutzt", so die Behördenvertreter.

Hintergrundinformation:
Das Zyklotron ist ein Teilchenbeschleuniger, der mit Hilfe eines Magnetfeldes schnell zerfallende Positronenstrahler, sogenannte Radiopharmaka, mit kurzer Halbwertszeit erzeugt, die für moderne bildgebende Diagnoseverfahren wie den Positronen-Emissions-Tomographen (PET) benötigt werden, um Stoffwechselaktivitäten im Körper sichtbar zu machen.

Seit 1994 wird im Herz- und Diabeteszentrum NRW ein Zyklotron zur Erzeugung von FDG (= Fluor Desoxy Glucose), eines kurzlebigen, radioaktiven Stoffes betrieben, der im Zusammenhang mit dem PET zur Ausübung der Heilkunde verwendet wird. So wird FDG zum Beispiel zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Herzmuskels eingesetzt. Da vitales Herzmuskelgewebe durch einen Zuckerverbrauch gekennzeichnet ist, lassen sich diese Bereiche so bildlich darstellen.

Auf Grund des erhöhten Bedarfs in der Region, u.a. für die neuen PETs im Krankenhaus Paderborn und dem Klinikum Minden, beantragte das Herz- und Diabeteszentrum NRW eine Erweiterung der bisherigen Genehmigung zur Erzeugung von Radiopharmaka.

Diese Erweiterung der Genehmigung bezieht sich auf eine Automatisierung der Startsequenz des Zyklotrons Cycone 18/9 bei der Herstellung des Nuklids F-18 (HWZ 109 Min.) im Nachtbetrieb, ohne Anwesenheit des Zyklotronpersonals.

Eine solche Automatisierung der Startsequenz wird zur Zeit europaweit nur in Leuven (Belgien) und Zürich angewendet, so dass hiermit diese Automatisierung erstmalig in Deutschland genehmigt wurde.

Das Zyklotron wird in einem geschlossenen Bunker betrieben. Wenn es zu einer Störung kommen sollte, wird das Zyklotron automatisch abgeschaltet. Radioaktivität kann nicht aus dem Bunker herausgelangen. Auf Grund der kurzen Halbwertszeit (10 bis 100 Minuten) ist die Radioaktivität in einigen Stunden völlig abgeklungen.

Die sicherheitstechnischen und organisatorischen Voraussetzungen sind mit Sachverständigen des Landesinstitutes für Gesundheit und Arbeit abgestimmt und durch einen weiteren Sachverständigen geprüft worden.

Für die PET-Betreiber im Regierungsbezirk wird durch die Herstellung dieser Radiopharmaka die Versorgung mit den radioaktiven Arzneimitteln gesichert. Durch die kurze Halbwertszeit gilt, dass bei kurzen Transportwegen zu regionalen Zentren weniger Radioaktivität produziert werden muss.

Anna Reiss | idw
Weitere Informationen:
http://www.hdz-nrw.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Fraunhofer IGB wirkt bei Gestaltung des europäischen Fahrplans für Organ-on-a-Chip-Technologie mit
14.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

nachricht Entwicklung modernster Navigationssysteme für die Gefäßchirurgie
06.11.2017 | Universität zu Lübeck

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt

21.11.2017 | Studien Analysen

Wafer zu Chip: Röntgenblick für weniger Ausschuss

21.11.2017 | Informationstechnologie

Nanopartikel helfen bei Malariadiagnose – neuer Schnelltest in der Entwicklung

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie