Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hannovers innovative Implantat-Forscher erhalten 53,8 Millionen Euro

07.07.2010
Niedersächsisches Zentrum für Biomedizintechnik baut Forschungskomplex

Großer Erfolg für das Forschungsland Niedersachsen: Das Niedersächsische Zentrum für Biomedizintechnik/Implantatforschung (NZ-BMT) wird im Medical Park in Hannover einen Forschungskomplex für 53,8 Millionen Euro errichten. Der Wissenschaftsrat in Bonn hat jetzt dem Verbund aus Medizinischer Hochschule Hannover (MHH), Leibniz Universität Hannover (LUH), Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) und Laser Zentrum Hannover grünes Licht für die Finanzierung der Hälfte des Betrags aus Bundesmitteln gegeben.

Das Land Niedersachsen wird die andere Hälfte finanzieren. Die Verbundpartner bündeln im NZ-BMT ihre Forschungskompetenzen im Bereich der Biomedizintechnik.

Ressourcen bündeln und Synergien schaffen, um innovative Implantate zu entwickeln – das ist das Ziel des NZ-BMT. „In dem Neubau können die Forscher aus den 20 Instituten, die an acht Standorten über die Region Hannover verteilt sind, erstmals gemeinsam unter einem Dach arbeiten“, sagt MHH-Präsident Professor Dr. Dieter Bitter-Suermann. „Das wird der Implantatforschung einen neuen Schub geben.“ Dem stimmt auch der Präsident der Leibniz Universität, Professor Dr. Erich Barke, zu: „In diesem neuen Zentrum wird die herausragende Expertise der Ingenieur- und Materialwissenschaftler auf die ebenfalls exzellente Expertise der Lebenswissenschaftler treffen. Gemeinsam und an einem Ort können wir unsere vorhandenen Stärken noch besser nutzen und neue Entwicklungen kooperativ voran bringen.“

Mit dem Bau des neuen Gebäudes mit einer Forschungsfläche von knapp 7000 Quadratmetern soll Anfang 2011 begonnen werden. „2013 wollen wir einziehen“, betont der Vorstandssprecher des NZ-BMT, Dr. Manfred Elff. 295 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden im NZ-BMT forschen, darunter 78 Ingenieure und Physiker. „Die Biomedizintechnik ist ein Forschungsbereich, der nicht zuletzt durch die demografische Entwicklung laufend an Bedeutung gewinnt, sie ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Vor diesem Hintergrund ist es eine glückliche und einzigartige Konstellation in Hannover, die dank intensiver Kooperation von Natur- und Ingenieurwissenschaften mit ausgewiesener Spitzenmedizin ein international anerkanntes Exzellenzprofil im Bereich der Implantatforschung aufweist“, sagt Dr. Elff. „In dem neuen Zentrum können wir beispielsweise Experimente durchführen, die derzeit nicht möglich sind.“ So hat das Laser Zentrum Hannover ein Faser-Endoskop für Multiphotonenmikroskopie entwickelt, das in einem OP zum Einsatz kommen könnte, derzeit aber nur im Laser Zentrum verfügbar ist. Dadurch sind Gewebedifferenzierungen ohne Einfärbung und ohne invasive Probenentnahme möglich.

Das NZ-BMT entwickelt biologische, biohybride und biofunktionalisierte Implantate, mit denen ausgefallene Organfunktionen ersetzt oder wiederhergestellt werden sollen. Ziel ist eine optimale biologische Funktion bei möglichst lebenslanger Haltbarkeit. Bei den bisherigen Implantaten können Lockerungen prothetischer Materialien wie bei Hüft- oder Zahnprothesen, Funktionsverluste an Kontaktoberflächen, elektrische oder elektronische Defekte wie etwa bei Herzschrittmachern oder Cochlear-Implantaten sowie Infektionen risikoreiche und kostenintensive chirurgische und medikamentöse Eingriffe nötig machen. „Aufgabe des NZ-BMT wird neben der Entwicklung neuer Implantate sein, bisherige Technologien in biologischen und technischen Funktionen zu optimieren, bei gleichzeitiger Senkung der Prozesskosten und Steigerung der Lebensqualität des Patienten“, erläutert Dr. Elff.

Das neue transdisziplinäre Zentrum kann dabei auf die Expertisen der drei hannoverschen Hochschulen zurückgreifen. Die Leibniz Universität Hannover glänzt mit ihren Ingenieur- und Materialwissenschaften und dem ausgegründeten Laser Zentrum Hannover. „Wir bringen sehr gerne unsere Kompetenz im Bereich der Materialwissenschaften, der Chemie und mit dem Laser Zentrum der Biophotonik im NZ-BMT ein. Dabei werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Leibniz Universität auch für alle Partner nutzbare Serviceeinheiten wie das Bioimaging und die biotechnologische Wirkstoffherstellung betreuen“, betont LUH-Präsident Professor Dr. Barke. Das Laser Zentrum Hannover (LZH) bringt sein weltweit anerkanntes Renommee ein. „Unser Schwerpunkt liegt auf dem Gebiet der Biomaterialentwicklung, der Biokompatibilität, der Werkstoffkunde und der Gewebe-Bildgebung und -bearbeitung mit Laserstrahlung“, erläutert Professor Dr. Heinz Haferkamp, Vorstand LZH.

Die TiHo beteiligt sich mit biologischen Prüf-Modellen für die neuen, im Zentrum entwickelten Verfahren, die für die Humanmedizin relevant sind. „Beim Tier laufen die Heilungsprozesse deutlich schneller ab als beim Menschen, was für den Forschungs- und Entwicklungsfortschritt wesentlich ist“, erläutert der Präsident der TiHo, Dr. Gerhard Greif. „Von Vorteil ist, dass die Erkrankungen nicht erst induziert werden müssen, sondern bereits bei den Patienten vorliegen, die zur Behandlung in unsere Klinik für Kleintiere kommen.“

„Die MHH hat einen klaren Forschungsschwerpunkt in den Bereichen Biomedizintechnik, regenerative Medizin und Immunologie/Infektiologie“, erläutert MHH-Präsident Professor Dr. Dieter Bitter-Suermann. „Zwei Sonderforschungsbereiche, in deren Fokus die Entwicklung von biokompatiblen Implantaten steht, und das Exzellenzcluster REBIRTH zu regenerativer Medizin belegen die hervorragende Expertise und Zusammenarbeit auf diesem Gebiet.“ Mit CrossBIT, dem Verbundzentrum für Biokompatibilität und Implantatimmunologie in der Medizintechnik, und VIANNA, dem Verbund-Institut für Audio-Neurotechnologie und Nanobiomaterialien, sind die ersten beiden Bausteine des NZ-BMT bereits am Start. Sie werden in den Neubau integriert.

Die Forschungsvorhaben des neuen Zentrums sind in vier Schwerpunkten zusammengefasst, hinzu kommen zwei Core Facility Center:

• Tissue Engineering
• Biohybride, Biokompatibilität und Biodegradation
• Biofunktionalität und Funktionalisierung
• Implantatassoziierte Infektionen
• Biomaterialentwicklung
• Biomaterialtestung
Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Manfred Elff, Telefon (0511) 532-8962.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Auf die richtige Verbindung kommt es an: Tiefe Hirnstimulation bei Parkinsonpatienten individuell anpassen
22.06.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Forschungsprojekt BabyLux: Neues Messinstrument schützt Frühgeborene vor Gehirnschädigungen
12.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie