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Grünes Laserlicht verdampft Prostatagewebe / Hilfe bei Störungen der Blasenentleerung

29.04.2014

Jeder zweite Mann über 50 leidet an gutartiger Prostatavergrößerung / UKJ-Urologie an internationaler Studie beteiligt / Viele Behandlungsoptionen

Sie trifft schon Männer ab Mitte 30 und ab 50 Jahren ist bereits jeder zweite Mann betroffen. Sie ist nicht bösartig, schränkt aber trotzdem die Lebensqualität der betroffenen Männer stark ein: Die gutartige Prostatavergrößerung.


Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm, Direktor der Klinik für Urologie am UKJ.

Foto: UKJ/Szabo

Eine der Folgen: Häufiger Harndrang. Auch nachts müssen die Betroffenen alle paar Stunden auf das Klo. Durchschlafen? Fehlanzeige. Neue, schonende Verfahren wie etwa eine Laser-Verdampfung des Gewebes können helfen und die Risiken einer herkömmlichen Operation reduzieren.

Prof. Dr. Marc-Oliver Grimm, Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Jena (UKJ), war an einer der ersten großen internationalen Studien zu dem neuen Laserverfahren beteiligt. Seit knapp einem Jahr setzt das Thüringer Uniklinikum den „Green light Laser“ der neuesten Generation ein. Ein langer Krankenhausaufenthalt ist dazu nicht nötig. Der Laser ist jedoch nicht die einzige Behandlungsoption für betroffene Männer.

Prof. Grimm erklärt, was bei einer gutartigen Prostatavergrößerung genau passiert: „Direkt unter der Blase beginnt die Harnröhre. Sie wird von der Prostata, auch bekannt als Vorsteherdrüse, umschlossen. Im Laufe des Alterungsprozesses kann sich die Prostata vergrößern: Das zusätzliche Gewebe engt dann die Harnröhre ein und drückt auf die Blase.“

Nicht nur der lästige nächtliche Gang auf Klo zählt zu den Folgen der Erkrankung. Auch eine Abschwächung des Harnstrahls, eine unvollständige Blasenentleerung und damit ein erhöhtes Infektionsrisiko können u.a. mit der gutartigen Vergrößerung der Prostata einhergehen. Der medizinische Fachbegriff lautet: „Benigne Prostatahyperplasie“.

Erhöhtes Infektionsrisiko bei unvollständiger Blasenentleerung

Neben dem chirurgischen Eingriff, also einer Operation, bei der die Prostata verkleinert wird, wurden in den vergangenen Jahren schonende, minimal-invasive Verfahren etabliert. Eine Behandlungsoption: Mit dem „Green light laser“ wird das Gewebe vaporisiert, also verdampft. Auch hier ist allerdings noch eine Narkose nötig.

„Der Eingriff ist jedoch deutlich schonender als eine chirurgische Resektion, im Normalfall können die Patienten bereits in weniger als fünf Tagen die Klinik verlassen. Durch die europaweite Studie, bei der die Uniklinik Jena als einzige Klinik in Thüringen beteiligt war, konnte deutlich belegt werden, dass durch den Lasereinsatz ein qualitativ gleichwertiges Ergebnis wie bei einer Operation erzielt werden kann – ohne die eventuellen Belastungen einer herkömmlichen Operation“, so der Jenaer Urologe. Rund eine Stunde dauert die Laserbehandlung am UKJ. Die neueste Lasergeneration verfügt über einen verbreiterten Laserstrahl, das verkürzt die OP-Zeit.

Neben der Operation und Laserbehandlung steht am Universitätsklinikum Jena allerdings auch noch eine dritte Behandlungsoption zur Verfügung, bei der Patienten gemeinsam von Urologen und Radiologen betreut werden. Dabei handelt es sich um die „Prostata-Embolisation“.

Hier war das UKJ eine der ersten Kliniken in Deutschland, in der Patienten auf diesem Weg therapiert wurden. Bei dieser radiologischen Methode wird ein Katheter unter örtlicher Betäubung über die Leiste in die Prostata-Schlagader geschoben. Winzige Kunststoffkügelchen, sogenannte Mikropartikel, unterbrechen die Blut- und Sauerstoffzufuhr im Geschwulst, die Gefäße werden verödet. Innerhalb weniger Wochen schrumpft die Prostata und die Beschwerden lassen nach. Grimm: „Diese risikoarme und minimalinvasive Variante eignet sich besonders für Patienten, die auch an anderen Krankheiten leiden, z.B. Bluter sind oder keine Narkose erhalten können.“

Welche Option für welchen Patienten am besten erscheint, müsse dabei von Fall zu Fall entschieden werden. Grimm: „Wichtig ist in erster Linie die individuelle ärztliche Beratung und Entscheidung der Patienten.“

Stefan Dreising | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-jena.de

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