Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesunde Zellen von Tumorzellen abgrenzen – Neue Mikroskopie-Technik soll im OP helfen

23.04.2014

Bei Gehirnoperationen wegen eines Tumors ist krankes Gewebe oft nicht von gesundem zu unterscheiden.

Doch gerade in Gehirn und Rückenmark hätte die Entfernung gesunden Gewebes schwerwiegende und irreparable Folgen für den Patienten. Lösen könnte dies eine neue Mikroskopie-Technik – die CARS (Coherent Antistokes Raman Scattering)-Mikroskopie, die in Echtzeit Bilder in hoher Auflösung liefert. Die Chancen und zukünftigen Einsatzmöglichkeiten von CARS sind eines der Themen der 65. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC), die vom 11. bis zum 14. Mai 2014 in Dresden stattfindet.

Bisherige mikroskopische Methoden zur Unterscheidung von krankem und gesundem Gewebe basieren darauf, dass Gewebe entnommen, tiefgekühlt, zerschnitten und eingefärbt wird. Dieser zeitliche Aufwand ist während einer Operation jedoch kaum möglich.

„In der Neurochirurgie ist die Abgrenzung eines Hirntumors von den ihn umgebenden gesunden Nervenzellen während einer Operation von entscheidender Bedeutung“, sagt Professor Dr. med. Gabriele Schackert, Direktorin am Universitätsklinikum Dresden und Präsidentin der 65. Jahrestagung der DGNC. Einerseits müsse krankes Gewebe möglichst vollständig entfernt werden.

Andererseits sollten keine gesunden Zellen entnommen oder beschädigt werden, da sonst bleibende Beeinträchtigungen wie Lähmungen oder Sprachstörungen drohen. „Dabei spielt für mich eine ganz wesentliche Rolle, dass unsere Patienten erwarten, nach einer Hirn-Operation keine zusätzlichen neurologischen Ausfälle zu haben“, betont Professor Schackert. Deshalb sei präzisestes Vorgehehen absolut unabdingbar.

Helfen könnte den Operateuren hierbei künftig die CARS-Technologie, die innerhalb eines nationalen Forscherverbundes namens „mediCARS“ erforscht und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Sie basiert auf dem Prinzip, dass das zu untersuchende Gewebe mit Laserlicht bestrahlt wird. Je nachdem, wie das Material beschaffen ist, wird das Licht gestreut und in der Frequenz und Intensität verschoben. Dies spiegelt dessen chemische Zusammensetzung wider.

„Damit wäre eine schnelle, schadenfreie und während der OP im betroffenen Gewebe selbst vorgenommene Gewebeanalyse möglich“, sagt Professor Dr. med. Matthias Kirsch, Leiter der neurochirurgischen Arbeitsgruppe am Universitätsklinikum Dresden. Die Dresdner Forscher konnten bereits nachweisen, dass das Laserlicht zu keiner zusätzlichen Schädigung des Hirngewebes führt.

CARS wird bereits in der Materialforschung, zum Beispiel bei der Qualitätsbestimmung von Diamanten, und in der Medizin zur Untersuchung von Gewebeproben, eingesetzt. Die Geräte sind sehr teuer, das Verfahren extrem aufwändig. Doch in den vergangenen Jahren gab es eine Reihe von Entwicklungen, um die spektroskopisch-optischen Techniken zu vereinfachen.

„Ich bin deshalb zuversichtlich, dass es mehr und mehr medizinische Anwendungen geben und CARS bald in der Neurochirurgie zum Einsatz kommen wird“, sagt Professor Schackert. Dies könnte ein noch gezielteres Vorgehen ermöglichen, wenn Neurochirurgen Tumoren vollständig entfernen, gleichzeitig aber gesunde Hirnareale schonen müssen. „Wir hoffen, dass wir damit die Prognose und die Sicherheit des Patienten noch weiter verbessern können.“

Auf der 65. Jahrestagung der DGNC wird Frau Professor Schackert gemeinsam mit anderen Experten die Chancen und Grenzen von CARS in der klinischen Anwendung diskutieren. CARS ist auch ein Thema der Kongresspressekonferenz.

Weitere Informationen sowie das Programm der 65. DGNC-Jahrestagung sind unter http://www.dgnc.de/2014 abrufbar.

Terminhinweis:
Kongresspressekonferenz
Termin: Montag, 12. Mai 2014, 12.30 bis 13.30 Uhr
Ort: ICD – Internationales Congress Center Dresden, Seminarraum 3/4

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle
65. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC)
Juliane Pfeiffer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-693
Fax: 0711 8931-167
pfeiffer@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://www.dgnc.de/2014

Medizin - Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Smartphones im Kampf gegen die Blindheit
18.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Mehr Patientensicherheit: Neue Testmethoden für die Eignung von Implantaten für MRT-Untersuchungen
11.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise