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Das geht heute: Gebärmutterentfernung durchs „Schlüsselloch“

08.08.2008
In der Chirurgie spielen endoskopische Operationstechniken – so genannte Schlüssellochoperationen – eine immer wichtigere Rolle. Kaum eine Gallenblase wird heute noch über einen Bauchschnitt entfernt.

Auch die Gynäkologen setzen in den letzten Jahren diese Operationsverfahren – selbst bei großen Eingriffen – immer häufiger ein. Ist es derzeit notwendig, eine Gebärmutter wegen eines krankhaften Befundes zu entfernen, bieten einige Kliniken neben dem konventionellen Bauchschnitt oder der Entfernung über die Scheide auch den Eingriff per Bauchspiegelung (Laparoskopie) an.

Dieses relativ neue Verfahren ist heute selbst dann problemlos möglich, wenn die Gebärmutter auf ein Mehrfaches ihrer eigentlichen Größe angewachsen ist. Wir haben mit Dr. Frank Piczlewicz, Oberarzt in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Elisabeth-Krankenhaus Essen, über diese Operationsmethode gesprochen.

Dr. Piczlewicz, wie ist es überhaupt möglich, eine stark vergrößerte Gebärmutter laparoskopisch zu entfernen?

Dr. Piczlewicz: Eine vergrößerte Gebärmutter – die auch schon mal über 500 Gramm wiegen kann – lässt sich natürlich nicht ganz so einfach durchs „Schlüsselloch“ entnehmen, wie eine verhältnismäßig kleine Gallenblase. Das wurde in den letzen Jahren erst durch innovative Medizingerätetechnik möglich. Mit einem neuen Gerät, dem so genannten Morcellator, gelingt es heute aber, das Gewebe so zu zerteilen, dass es sicher und problemlos in wenigen Minuten abgetragen werden kann. Für den Eingriff wird der Bauchraum zunächst über eine spezielle Nadel mit dem Gas Kohlendioxid gefüllt. Durch winzige Einschnitte – jeweils weniger als einen Zentimeter lang – werden Führungsröhrchen in den Bauchnabel und die Leisten eingebracht, über die eine Kamera und chirurgische Mikroinstrumente einführt werden. So kann der erfahrene Chirurg den Gebärmutterkörper sorgfältig vom Gebärmutterhals abtrennen, zerteilen und ihn dann durch eine der Öffnungen entfernen. Der Eingriff dauert etwa 60 bis 90 Minuten und erfolgt in Vollnarkose.

Noch vor einigen Jahren wurde bei einer Hysterektomie – also der Gebärmutterentfernung – grundsätzlich nicht nur der Gebärmutterkörper, sondern auch der Gebärmutterhals entnommen. Warum wird das heute nicht mehr routinemäßig gemacht?

Dr. Piczlewicz: Nachdem man in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei Hysterektomien den Gebärmutterhals überwiegend im Körper beließ, geriet die Methode ab den 1950-er Jahren in Verruf und wurde schließlich nahezu vollkommen aufgegeben. Der Grund: Das häufige Auftreten von Gebärmutterhalskarzinomen nach dem Eingriff. Deshalb wurde bis vor einigen Jahren bei Hysterektomien der Gebärmutterhals als Krebsprävention grundsätzlich mitentfernt. Heute geht man aber davon aus, dass bei den damals aufgetretenen Krebserkrankungen bereits zum OP-Zeitpunkt bösartige Zellveränderungen im Bereich des Gebärmutterhalses vorhanden waren und nicht erkannt wurden. Dank der jetzt erweiterten Kenntnisse und Möglichkeiten bei der Früherkennung des Gebärmutterhalskarzinoms hat die teilweise Hysterektomie mit ihren vielen Vorteilen wieder an Bedeutung gewonnen. Subtotale Laparoskopische Hysterektomie – kurz LASH – nennt man das Verfahren.

Welche Vorteile hat diese Operationsmethode für die Patientinnen?

Dr. Piczlewicz: Bei einem laparoskopischen Eingriff wird natürlich ein größerer Bauchschnitt bei den Patientinnen vermieden und so die Narbenbildung minimiert. Das Belassen des Gebärmutterhalses ist darüber hinaus technisch einfacher und das Trauma für den Körper geringer. Deshalb fühlen sich die Patientinnen in der Regel nach der OP weniger stark beeinträchtigt und sind schneller wieder fit. Das Risiko, dass beim Eingriff andere Organe – wie z.B. die Harnblase – verletzt werden, ist deutlich kleiner und Wundheilungsstörungen treten ebenfalls weniger auf. Die Patientinnen bleiben nach einer LASH nur zwei bis drei Tage bei uns in der Klinik. Im Vergleich dazu: Nach einer Hysterektomie mit Bauchschnitt dauert der Klinikaufenthalt in der Regel etwa eine Woche. Anders als bei der Gebärmutterentfernung über die Scheide kann es bei der LASH auch nicht zu einer vaginalen Traumatisierung, Scheidenverkürzung oder Narben im Scheidenstumpf kommen. Da durch das Belassen des Gebärmutterhalses auch die wesentlichen Bandstrukturen und der Beckenboden intakt bleiben, geht man derzeit außerdem davon aus, dass bei den Frauen nach dem Eingriff das sexuelle Empfinden uneingeschränkt bleibt und dass eine spätere Harninkontinenz oder eine Beckenbodensenkung vermieden werden können. Ob die LASH diese Erwartungen auch langfristig erfüllt, ist derzeit Gegenstand laufender Studien.

Welche Patientinnen kommen für diese Operationsmethode in Frage?

Dr. Piczlewicz: Welches Operationsverfahren für die jeweilige Patientin geeignet ist, muss immer individuell entschieden werden. Es richtet sich nach der Art der Erkrankung, der körperlichen Verfassung der Frau und den zu erwartenden Schwierigkeiten – beispielsweise durch Verwachsungen infolge vorausgegangener Operationen oder Entzündungen. Der Einsatz der LASH ist aber grundsätzlich nur bei gutartigen Erkrankungen der Gebärmutter möglich. Hauptindikationen für die OP-Methode sind Schmerzen und Blutungsstörungen, die auf eine Vergrößerung der Gebärmutter durch das Vorhandensein von Myomknoten – gutartigen Wucherungen – oder das Vorwachsen der Gebärmutterschleimhaut in der Gebärmutterwand zurückzuführen sind. Voraussetzung für den Eingriff sind ein unauffälliger Krebsabstrich und ein gesunder Gebärmutterhals.

Dr. Piczlewicz | EKE
Weitere Informationen:
http://www.elisabeth-essen.de

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