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Gehirnultraschall gibt Aufschluss: Parkinson nicht immer Ursache für Händezittern und Muskelstarre

19.05.2014

Durch eine Ultraschalluntersuchung des Gehirns können Ärzte die Schüttellähmung Morbus Parkinson, an der in Deutschland etwa 130 000 Menschen leiden, heute frühzeitig diagnostizieren.

Eine Studie zeigt nun, dass sich der Hirnultraschall überdies zur Diagnose von ähnlichen Erkrankungen, den sogenannten „atypischen Parkinson-Syndromen“, eignet. Diese gehen ebenfalls mit Symptomen wie Muskelstarre, Händezittern und verlangsamten Bewegungen einher.

Wie Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) in einer Online-Vorabpublikation des Fachmagazins „European Journal of Neurology“ berichten, liefert der Ultraschall ebenso zuverlässige Ergebnisse wie die aufwändigere Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und kommt ohne Strahlenbelastung aus.

„Nicht jeder Patient, der Parkinson-typische Symptome zeigt, leidet tatsächlich unter dem klassischen Morbus Parkinson“, erklärt DEGUM-Experte Professor Dr. med. Matthias Reinhard von der Neurologischen Universitätsklinik Freiburg. Auch andere Erkrankungen, wie etwa eine „Multisystematrophie“ oder die „Progressive supranukleäre Blickparese“ können dazu führen, dass Patienten sich bewegen, als wären sie an der klassischen Schüttellähmung erkrankt.

Experten gehen davon aus, dass etwa 20 Prozent der Patienten mit Parkinson-Krankheitszeichen an solchen „atypischen Parkinson-Syndromen“ leiden. „Bei diesen Patienten wird oft zunächst von einem Morbus Parkinson ausgegangen“, sagt Reinhard. „Um sie richtig zu behandeln und ihre Prognose einschätzen zu können, ist es wichtig, dass wir mit Hilfe von bildgebenden Verfahren die Diagnose frühzeitig korrekt stellen“, so der Experte.

In einer Studie mit zunächst 36 Patienten haben Ärzte am Universitätsklinikum Freiburg nun untersucht, inwieweit sich mit Hilfe des Hirnultraschalls klassischer Parkinson von den atypischen Formen unterscheiden lässt. Alle Patienten wurden auch einer Untersuchung mittels Positronen-Emissions-Tomografie (PET) unterzogen. Dabei stellten die Forscher fest, dass der Hirnultraschall – auch transkranielle Sonografie genannt – sich mit der PET messen kann: So konnten beide Untersuchungen der Mehrzahl der Patienten zur richtigen Diagnose verhelfen.

„Um die Ergebnisse zu überprüfen, sind Studien mit größeren Patientenkollektiven erforderlich“, betont Reinhard. Für den Einsatz des Hirnultraschalls spreche aber schon jetzt, dass die Patienten keiner Strahlenbelastung ausgesetzt werden und die Untersuchung jederzeit wiederholt werden kann. Zudem verursache der Ultraschall nur geringe Kosten.

Um festzustellen, ob ein Patient unter Parkinson leidet, richten Ärzte ihre Ultraschallsonden von der Schläfe aus auf die „Substantia nigra“, die schwarze Substanz. Die Schaltzentrale in der Tiefe des Mittelhirns verdankt ihre dunkle Färbung – und somit ihren Namen – einem hohen Eisengehalt. Wenn die Substantia nigra im Verlauf der Parkinson-Erkrankung allmählich zugrunde geht, nimmt der Eisengehalt noch zu.

„Im Ultraschall ist dies durch ein besonders starkes Echo, einen hellen Schatten auf dem Bildschirm, erkennbar“, erläutert Reinhard (siehe Abbildung). Um die Parkinson-verwandten Krankheiten zu diagnostizieren, nahmen die Freiburger Ärzte zudem auch den „Nucleus lentiformis“, eine weitere Schaltzentrale im Mittelhirn, und den „dritten Ventrikel“, einen mit Hirnwasser gefüllten Hohlraum im Gehirn, ins Visier. Diese Areale können bei den atypischen Parkinson-Syndromen verändert sein.

Allerdings erfordert eine aussagekräftige Hirnsonografie nicht nur das geeignete Ultraschallgerät, sondern auch viel ärztliche Erfahrung. Deshalb führen Neurologen die Untersuchung derzeit vorwiegend in spezialisierten Einrichtungen durch. „Wir bemühen uns aber, die Kenntnisse zu verbreiten und hoffen, dass der Hirnultraschall in absehbarer Zeit zur Basisdiagnostik bei Morbus Parkinson gehören wird“, sagt DEGUM-Kursleiter Reinhard.


 Die DEGUM:
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint mehr als 9000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: http://www.degum.de

Literatur:
Transcranial sonography and [18 F]fluorodeoxyglucose positron emission tomography for the differential diagnosis of parkinsonism: a head-to-head comparison.
Hellwig S, Reinhard M, Amtage F, Guschlbauer B, Buchert R, Tüscher O, Weiller C, Niesen WD, Meyer PT; European Journal of Neurology 2014; Online-Vorabpublikation / Volume 21, Issue 6, pages 860–866, June 2014
http://www.eurocat-network.eu

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Pressestelle
Irina Lorenz-Meyer
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-642/-552
Fax: 0711 8931-984
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://www.eurocat-network.eu
http://www.degum.de

Anna Julia Voormann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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