Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gecko-Kleber und antiinfektiöse Implantate

12.07.2011
MedTech-Mittelstand bei Zukunftsarena Oberflächentechnik im Dialog mit Forschern

Schon bald werden derzeit noch unrealistisch erscheinende Anforderungen an Material und Eigenschaften von Medizinprodukten industrieller Standard sein.


Geckofuß - feinste Haarstrukturen ermöglichen rasches Haften und Ablösen. Quelle: Uwe Bellhäuser

So sind Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Neue Materialien (INM) in Saarbrücken überzeugt, dass in diesem Jahrzehnt kleberfreie medizinische Verbundsysteme in Massenproduktion gehen, die sich vielfach schließen und blitzschnell rückstandsfrei wieder öffnen lassen. Als Voraussetzung haben sie europaweit erstmals jenes physikalische Verbindungsprinzip aus der Natur technisch umgesetzt, mit dem Geckos sich mühelos über Kopf oder an senkrechten Wänden halten.

Mediziner des Universitätsklinikums Jena erwarten zudem mittelfristig die Einführung neuartiger Implantate für den orthopädischen und unfallchirurgischen Klinikalltag, die dank modifizierter Oberflächen gezielt das Einwachsverhalten von Knochen verbessern sowie postoperativen Infektionen vorbeugen. In einem Forschungsverbund mit Materialexperten und Industriepartnern untersuchen sie bereits die Eignung konkreter Beschichtungen.

Dialog von Wissenschaft und Industrie

Beide Lösungsansätze werden neben zahlreichen anderen industrierelevanten Material-Entwicklungstrends auf der am 14. September erstmals stattfindenden Zukunftsarena Oberflächentechnik in Zeulenroda vorgestellt (http://www.thgot.de).

Die Vortrags- und Dialogveranstaltung für produzierende Mittelständler wird vom Regionalen Wachstumskern J-1013 – Surface Technologies Net mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriums durchgeführt. Für die Koordinierung zeichnet das auf branchenübergreifenden Know-how-Transfer bei funktionalisierten Materialoberflächen spezialisierte Jenaer Industrieforschungsinstitut INNOVENT verantwortlich.

„Praktiker wie Forscher sollen Impulsinformationen für marktrelevante Entwicklungstrends austauschen und so den oft zu langen Transferprozess in die Produktion verkürzen können“, beschreibt INNOVENT-Geschäftsführer Dr. Bernd Grünler das Konzept der Veranstaltung.

Klebeverbindungen von Chirurgie bis Reha

„Das Gecko-Prinzip ist überall von Interesse, wo rückstandsfreie Verbindungen jederzeit zu öffnen und wieder zu schließen sein sollen“, erklärt INM-Geschäftsführer Prof. Eduard Arzt zur Verbindungsinnovation seines Instituts. Natürlich verspreche das neu entdeckte Haftprinzip nur eine begrenzte Tragleistung, gegenüber den bekannten post it-Klebezettel sei jedoch eine bis zu 100-fach stärkere Bindewirkung realistisch. Mit Medizinern der Uni Saarbrücken arbeitet das INM derzeit an einem Klebesystem für die Gehörchirurgie, das die Grundstabilität von Implantaten nach Rissen im Trommelfell ohne zusätzliche Verstärkungen ermöglicht.

Die Neuentwicklung ist auch für andere Branchen attraktiv: Denn analog lassen sich etwa Reha-Technik optimieren, Gegenstände in Fahrzeugen fixieren, Wanderstiefel vor dem Rutschen bewahren oder Bilder dübelfrei an der Wand befestigen. Mittelfristig soll eine beliebig häufige Schaltbarkeit selbst über wechselnde Temperaturen, Luftfeuchtigkeit oder magnetische und elektrische Felder gelingen. Mit konkreten Anwendungen rechnet Arzt nach Herstellung erster Haftfolien im INM als Endlosband „schon bald“.

Implantate als drug carrier

Tausenden langwierigen und kompliziert zu behandelnden postoperativen Infektionen jährlich nach Knochenbrüchen oder Implantationen von Hüft- und Knietotalendoprothesen will dagegen ein Forscherteam um Prof. Gunther Hofmann vom Universitätsklinikum Jena entgegenwirken. Wie Mitarbeiter Dr. Michael Diefenbeck erklärt, sollten dazu Implantaten biologische Funktionen verliehen werden: Auf ihrer Oberfläche aufgebrachte Antibiotika oder anderen antiinfektiöse Substanzen können die Infektionsrate deutlich senken. „Zum `drug carrier` umfunktionierte Implantate verbessern zudem das Einwachsverhalten des Knochens, und wirken einer Lockerung von Endoprothesen entgegen“, sagt Diefenbeck. Experimentelle Untersuchungen zur Eignung von Titanoxid- und Multielektrolyt-Beschichtungen verliefen bislang „sehr aussichtsreich“.

Die Zukunftsarena betrachten beide Wissenschaftler als ideale Plattform für den Austausch mit potenziellen industriellen Anwendern ihrer wissenschaftlichen Ergebnisse.

Kontakt: Zukunftsarena Oberflächentechnik, c/o INNOVENT e.V. Technologieentwicklung Jena, Andrea Gerlach, Tel.: 03641 282585,

ag@innovent-jena.de

Gerolf Päckert | CheckpointMedia
Weitere Informationen:
http://www.innovent-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt
16.01.2017 | Universitätsklinikum Tübingen

nachricht Fernüberwachung bei Herzschwäche kann Klinikaufenthalt ersparen
09.01.2017 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

16.01.2017 | Architektur Bauwesen

Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt

16.01.2017 | Medizintechnik