Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Führendes Medizintechnik-Unternehmen übernimmt am Dresdner Uniklinikum entwickelten Beatmungsmodus

30.08.2011
Ein an der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden entwickeltes und patentiertes Konzept zur variablen Beatmung von Patienten hält weltweit Einzug in die Intensivstationen: Nachdem Dräger – international führendes Unternehmen der Medizintechnik – die spezielle Steuerung in seine neueste Gerätegeneration übernommen hat, werden damit auch Patienten des Dresdner Uniklinikums im Routinebetrieb versorgt. In einem ersten Schritt sind dazu zwei dieser Beatmungsgeräte des Typs Dräger Evita Infinity V500* in den klinischen Betrieb genommen worden.

Die Ärzte und Wissenschaftler der Klinik sind überzeugt, dass ihre Patienten von dem neuen variablen Beatmungsmodus gleich mehrfach profitieren. Um dies nachzuweisen, starten in den kommenden Monaten mehrere europaweite Studien, die von Dresden aus koordiniert werden.

Bereits in der Entwicklungsphase des innovativen Modus belegten sie, dass sich durch diese an die natürliche Atmung angepasste maschinelle Beatmung das Risiko von Lungenschäden verringert und sich die Dauer der Beatmung verkürzt. Damit möglichst viele Schwerstkranke in Ostsachsen von der großen Kompetenz der Dresdner Intensivmediziner profitieren können, soll an der Klinik ein „Referenzzentrum für schwierige Beatmungsfälle“ entstehen.

Biologische Systeme – also auch der menschliche Organismus – funktionieren nicht mit der Regelmäßigkeit einer Mechanik. Vielmehr unterliegen sie einer natürlichen Variabilität. Das gilt auch für die spontane Atmung gesunder Menschen: Sie ist geprägt von einer kontinuierlichen Variation der Frequenz und des Volumens einzelner Atemzüge. Müssen Schwerkranke durch ein Beatmungsgerät unterstützt werden, standen dem behandelnden Arzt bisher fast ausschließlich monotone Beatmungsmuster zur Verfügung. Doch das geht unmittelbar zu Lasten der körpereigenen Steuerungsfunktion. Denn in vielen Fällen wird es schwieriger, die Patienten von der assistierten Beatmung zu entwöhnen. „Mit der Dauer der Beatmung steigt für den Patienten das Risiko einer Lungenentzündung“, nennt der Anästhesist und Wissenschaftler Prof. Marcelo Gama de Abreu ein weiteres Problem, das sich mit dem von ihm erfundenen Beatmungsmodus vermeiden lässt. Auch unabhängig von der Dauer künstlicher Beatmung profitieren die Patienten von seiner Erfindung: Bereits während der über mehr als fünf Jahre laufenden Forschung haben der Oberarzt und Leiter des Bereichs klinische und experimentelle Forschung der Klinik, Prof. Gama de Abreu, Klinikdirektorin Prof. Thea Koch und Dr. Peter M. Spieth in Studien nachgewiesen, dass das Risiko von Lungenschäden durch die variable Beatmung sinkt.

„Dass mit Dräger ein führendes Unternehmen der Medizintechnik die von unseren Wissenschaftlern entwickelten Patente in sehr kurzer Zeit in seine Beatmungsgeräte übernehmen kann, macht uns stolz“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Klinikums: „Dies belegt die Kompetenz, aber auch die große Praxisnähe der Dresdner Hochschulmedizin.“ Vom Kauf erster Geräte aus der Serienproduktion profitieren nicht nur die Patienten des Uniklinikums: In weiteren Studien mit Partnerkliniken aus ganz Europa will das Forscherteam um Prof. Gama de Abreu neue Erkenntnisse darüber gewinnen, wie Patienten am schonendsten beatmet und wie sie so schnell wie möglich von der maschinellen Beatmung wieder entwöhnt werden können. Bisher orientieren sich die Ärzte u.a. an dem Druck, den ein Gerät liefern muss, damit sich die Lunge mit Atemluft füllt. Künftig könnte auch die erhaltene oder wieder gewonnene Variabilität für die Einstellung des Beatmungsgeräts relevant werden.

„Die Beatmung der Patienten ist der größte Kostenblock in der Intensivtherapie“, erklärt Prof. Thea Koch. „Der neue von uns entwickelte Modus, der die Dauer einer notwendigen assistierten Beatmung senken kann, leistet so einen Beitrag, die Kostenentwicklung in diesem Bereich zu stabilisieren“, so die Direktorin der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie. Die Qualität in der Versorgung Schwerstkranker zu verbessern und dabei die finanzielle Belastung des Gesundheitswesen insgesamt in Grenzen zu halten, ist Ziel eines Netzwerkprojekts der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie: „Wir bereiten die Gründung eines Referenzzentrums für schwierige Beatmungsfälle am Uniklinikum vor“, erklärt Prof. Thea Koch. So ist für 2012 ein Workshop geplant, in dem Experten des Uniklinikums aber auch international renommierte Fachkollegen ihr Wissen in Vorträgen und praktischen Übungen an Intensivmediziner aus Sachsen weitergeben. Ziel ist es, die Standards der Maximalversorgung in möglichst vielen Krankenhäusern zu etablieren und die Ärzte vor Ort zu beraten. Das Klinikum würde in einem solchen Netzwerk vorrangig solche intensivmedizinisch versorgten Patienten behandeln, die beispielsweise von einem besonders ausgeprägten Lungenversagen betroffen sind.

Wissenschaftliche Publikationen

Spieth P M, et al.; Anesthesiology 2009; 110: 342-350: Effects of Different Levels of Pressure Support Variability in Experimental Lung Injury (doi: 10.1097/ALN.0b013e318194d06e)

F Lellouche et al.; AM J respir Care Med Vol 174, pp 894-900, 2006: A Multicenter Randomized Trial of Computer-driven Protocolized Weaning from Mechanical Ventilation (doi:10.1164/rccm.200511-1780OC)

Kontakte

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie
Prof. Dr. Marcelo Gama de Abreu
Tel. 0351 / 458 44 88
E-Mail: mgabreu@uniklinikum-dresden.de
http://www.tu-dresden.de/medkai
Drägerwerk AG & Co. KGaA
Corporate Communications
Markus Henkel
Tel 0451 882 4598
markus.henkel@draeger.com
http://www.draeger.com
* Das Beatmungsgerät Dräger Evita Infinity V500 ist eine Komponente des integrativen Klinikkonzepts Infinity Acute Care System von Dräger.

Holger Ostermeyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.draeger.com
http://www.tu-dresden.de/medkai

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Filterschutz fürs Gehirn: Weniger Schlaganfälle bei Herzklappenersatz-OP
17.08.2017 | Universitätsklinikum Ulm

nachricht Cochlea-Implantat: Viele Formen funktionieren
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten