Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Faszinierende Sicht ins Gehirn

18.03.2009
4D-CT schafft erstmals kompletten Überblick über die Gehirndurchblutung

Schnelle Diagnosen bei Schlaganfall und Hirntumor. Deutschlandweit erstes System seiner Art in der Neuroradiologie: Universitätsmedizin Göttingen nimmt einen der modernsten Computertomografen von Siemens in Betrieb Schlaganfall? Hirntumor?

In beiden Fällen hilft der Blick in das Gehirn zu beurteilen, in welcher Gefahr der Mensch ist. Doch bisher war die computertomografische Bestimmung der Durchblutung des kompletten Gehirns nicht in einem einzigen Schritt möglich.

Das ist jetzt neu: Als erste Neuroradiologische Klinik in Deutschland setzen jetzt die Neuroradiologen an der Universitätsmedizin Göttingen unter der Leitung von Professor Dr. Michael Knauth eine neue Diagnose-Technologie ein. Es ist der derzeit modernste Multislice-Computertomograf (CT).

In Göttingen wird das System eingesetzt, um Patienten mit Schlaganfällen, Hirntumoren und anderen neurologischen Erkrankungen ab sofort noch schneller und sicherer untersuchen und damit gezielter behandeln zu können. Entwickelt wurde das Diagnosegerät vom Healthcare Sector der Siemens AG.

„Mit dem neuen Gerät können wir das gesamte Gehirn mit allen Blutgefäßen auf einen Blick in 3D-Qualität sehen und zusätzlich sogar den Blutfluss im Zeitverlauf verfolgen und untersuchen. Mit dieser so genannten 4D-Aufnahme erkennen wir sofort, zu welchen Auswirkungen etwaige Engpässe oder Verschlüsse der Blutgefäße im Gehirn geführt haben“, sagt Professor Dr. Michael Knauth, Direktor der Abteilung Neuroradiologie an der Universitätsmedizin Göttingen.

Im Notfalleinsatz und besonders für die Behandlung bei Schlaganfällen sind solche genauen Erkenntnisse enorm wichtig: Denn je früher die Krankheit erkannt ist, desto schneller können die Mediziner adäquat handeln.

„Whole Brain Perfusion“: In diesem Querschnitt durch das Gehirn können die Neuroradiologen anhand unterschiedlicher Farbcodierungen das Ausmaß und den Schweregrad von Durchblutungsstörungen beim akuten Schlaganfall erkennen. Den kompletten Überblick über das gesamte Gehirninnere gelingt dem Computertomografen (CT) mit einer neuartigen technischen Finesse: Bis zu 128 Schichten stellt der CT pro Röhrendrehung dar; zusätzlich kann die gesamte Gehirndurchblutung mittels einer neuen, innovativen Scan-Technologie – der so genannten adaptiven 4D-Spirale – auf einen Rutsch bestimmt werden.

Angenehmer Nebeneffekt für den Patienten: Er bekommt nur einmal Kontrastmittel verabreicht. Mit den bisher zur Verfügung stehenden Geräten konnten die Neuroradiologen nur wenige Zentimeter der Gehirndurchblutung auf einmal messen und mussten deshalb mehrmals ansetzen. „Das Auffinden von Schlaganfällen wird für uns erheblich leichter und schneller“, sagt Dr. Peter Schramm, Oberarzt in der Abteilung Neuroradiologie. Wichtige Fragen für die Behandlung bei einem Schlaganfall lassen sich so ebenfalls besser und schneller klären: Handelt es sich wirklich um einen Schlaganfall – oder liegt eine Hirnblutung vor? Wo ist Hirngewebe geschädigt, welches Gewebe ist betroffen?

Gibt es Hirngewebe, das unrettbar verloren ist? Wo ist Hirngewebe in Gefahr, aber noch zu retten? Vor allem für die Suche nach „tissue at risk“, also Hirngewebe, das ein hohes Risiko aufweist abzusterben, bietet das neuartige CT erstaunliche Möglichkeiten. „Das ist ein Novum: Jetzt haben wir eine reelle Chance, dieses gefährdete Hirngewebe überall im Gehirn aufzufinden“, sagt Schramm. „Schlaganfall 3D“: Erstmals kann jetzt die Durchblutung im gesamten Gehirn dargestellt werden. Auf diesen dreidimensionalen Ansichten des Gehirns sind gefährdete, aber noch lebende Gehirnareale gelb gekennzeichnet, rote Areale sind bereits irreversibel durch den Schlaganfall geschädigt.

Auch kleinere Schlaganfälle hoffen die Göttinger Neuroradiologen künftig verlässlich und sehr früh darstellen zu können, ohne dass ein Patient dazu in den Kernspintomographen muss. „Den Vorteil hat vor allem der Patient“, sagt Schramm. Der Grund: Die Mediziner brauchen genaue Informationen über den Zustand im Gehirn, um zu entscheiden, ob sie die so genannte Lyse zur Auflösung von Thromben einsetzen dürfen. „Innerhalb von nur zehn Minuten können wir jetzt die Bilder vom Gehirn machen, die der Neuroradiologe für eine genaue Risikoabwägung braucht“, sagt Schramm. Schneller und sicherer werden auch die Diagnosen bei so genannten minimal-invasiven Eingriffen: So kann etwa die Probenentnahme von verdächtigem Tumorgewebe erstmalig mit Hilfe von 3D/4D-Darstellungen durchgeführt werden. Das exakte Setzen einer Nadel wird damit zur Routine.

Außerdem können zusätzliche Informationen über den Durchblutungszustand eines Hirntumors die Planung eines Eingriffs im Einzelfall entscheidend beeinflussen. Ein weiterer Vorteil für Patienten: Ein einzigartiges Dosis-Schild blockiert unnötige Röntgenstrahlung, so dass die Patienten bei Untersuchungen nur der klinisch notwendigen Dosis ausgesetzt werden. Der NDR stellt in seiner TV-Sendung „Niedersachsen 18:00 Uhr“ am Mittwoch, 18. März 2009, die hochmoderne Untersuchungstechnologie in der Abteilung Neuroradiologie der Universitätsmedizin Göttingen vor. Der Computertomograf Somatom Defintion AS + ist eines der derzeit modernsten Systeme von Siemens.

Dieser CT ermöglicht einen gestochen scharfen Blick ins Innere des Menschen: Gegenüber konventionellen Systemen kann er bewegte dreidimensionale Aufnahmen kompletter Organe erzeugen (4D-Aufnahmen). Herausragendes Merkmal des CT-Systems ist ein neuer Scan-Modus, die so genannte adaptive 4D-Spirale. 128 Schichten bis zu einer Dicke von 12 Zentimetern lassen sich so in einem Blick darstellen. So können jetzt in kürzester Zeit komplette Organe wie das Gehirn funktionell untersucht werden. Ein weiterer Vorteil für Patienten: Ein einzigartiger adaptiver Dosis-Schild von Siemens blockiert unnötige Röntgenstrahlung, so dass die Patienten bei Untersuchungen nur der klinisch nötigen Dosis ausgesetzt werden.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen,
Georg-August-Universität,
Direktor der Abteilung Neuroradiologe
Prof. Dr. Michael Knauth,
Telefon 0551 / 39-6643
michael.knauth@med.uni-goettingen.de
Universitätsmedizin Göttingen,
Georg-August-Universität,
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stefan Weller,
Telefon 0551 / 39-9959
sweller@med.uni-goettingen.de
Siemens AG,
Region Deutschland-Mitte
Pressestelle
Dana Knake,
Telefon 0511 / 877-1055
dana.knake@siemens.comven

Stefan Weller | Universitätsmedizin Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Vollautomatisierter Virusnachweis in der Blutspende
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Präzisionsbestrahlung bei Prostatakrebs: HYPOSTAT-Studie wird ausgeweitet
11.12.2017 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik