Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstmals in Niedersachsen: Herzzentrum Göttingen setzt Herzpatienten selbstauflösendes Gefäßgerüst ein

16.05.2012
Kardiologen des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen haben erstmals in Niedersachen einen neuartigen Stent implantiert: eine selbstauflösende Gefäßstütze.

Verengungen und Verschlüsse der Herzgefäße stellen eine große Gefahr für die Gesundheit der Betroffenen dar. Durchblutungsstörungen des Herzens ("Angina pectoris") oder Herzinfarkte können die Folgen sein.



Die neuartige Gefäßstütze auf dem Ballonkatheter.
Foto: Abott Laboratories



Über 300.000 Patienten jährlich unterziehen sich daher in Deutschland einer Katheterbehandlung an den Herzkranzgefäßen. Bei dieser minimal-invasiven Behandlung werden die Gefäße geweitet und Gefäßstützen ("Stents") implantiert, um einen erneuten Verschluss zu verhindern. Dennoch besteht durch Gefäßwandwucherung oder Bildung von Gerinnseln an den Metallstreben des Gefäßgerüsts das Risiko einer erneuten Verengung der Herzgefäße.

In den letzten Jahren wurden erhebliche Fortschritte bei der katheter-gestützen Behandlung der koronaren Herzkrankheit gemacht. Durch die Einführung von Gefäßstützen, die zudem Medikamente freisetzen, kann seit fast zehn Jahren das Risiko der Gefäßwandwucherung deutlich reduziert werden.

Erstmals in Niedersachen wurde nun den ersten vier Patienten in der Abteilung Kardiologie und Pneumologie (Direktor: Prof. Dr. Gerd Hasenfuß) der Universitätsmedizin Göttingen ein neuartiges Gefäßgerüst implantiert, das das Risiko der Gerinnselbildung minimiert.

"Die Kardiologie hat seit der ersten Ballonaufdehnung eines Herzkranzgefäßes durch Andreas Grüntzig im Jahre 1977 eine faszinierende Entwicklung durchlaufen", sagt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Vorsitzender des Herzzentrums und Direktor der Abteilung Kardiologie und Pneumologie an der Universitätsmedizin Göttingen. "Während man die ersten Behandlungen als einen rein mechanischen Vorgang zur Beseitigung einer Enge verstehen muss, zielen die neuen Behandlungskonzepte darauf ab, das Gefäß zu heilen und ihm seine ursprüngliche Funktion zurück zu geben. Die neue Gefäßstütze ist ein enorm wichtiger Schritt in diese Richtung", so Prof. Hasenfuß.

Aufgelöst und trotzdem wirksam

Bei dem Eingriff verwendeten die UMG-Kardiologen Prof. Dr. Wolfgang Schillinger und Dr. Mark Hünlich die weltweit erste Gefäßstütze mit dem CE-Prüfsiegel, die ein Medikament freisetzt und bioresorbierbar ist. Das Implantat besteht aus polymerisierter (vernetzter) Milchsäure, dem gleichen Material, aus dem beispielsweise selbstauflösendes Nahtmaterial hergestellt wird. Das neue Implantat baut sich innerhalb von zwei Jahren langsam ab und wird vollständig vom Körper aufgenommen. Anders als bei den bisher verwendeten Stents aus Metall besteht so die Möglichkeit, dass die natürlichen Gefäßfunktionen, wie Anspannen und Pulsieren, wiederhergestellt werden können.

Ein weiterer positiver Effekt des neuen Materials ist, dass Patienten mit Nickelallergie keine allergischen Reaktionen mehr zu fürchten brauchen, da das selbstauflösende Gefäßgerüst komplett ohne Metall hergestellt wird. Aktuelle Forschungsergebnisse belegen die Sicherheit und Funktionalität der Gefäßstütze und zeigen darüberhinaus, dass die manchmal langfristige Gabe von Medikamenten zur Thrombosebehandlung bei den Patienten verkürzt werden kann. In bisherigen Studien mit dem neuen Implantat sind keine Fälle von Gerinnselbildung in der Gefäßstütze aufgetreten. "Die Eingriffe verliefen völlig problemlos. Die meisten Patienten konnten unmittelbar nach dem Eingriff aufstehen", sagt Prof. Schillinger. Dennoch weist er darauf hin: "Auf die bewährten Metallstents können wir trotzdem so schnell noch nicht verzichten. Die neuen Gefäßstützen gibt es momentan nur in einer Größe und eignen sich zurzeit noch nicht zur Behandlung von komplexen Problemen wie beispielsweise stark verkalkten oder verzweigten Gefäßen", so Schillinger.

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abt. Kardiologie und Pneumologie – Herzzentrum Göttingen
Prof. Dr. Wolfgang Schillinger, Telefon 0551 / 39-6372,
schiwolf@med.uni-goettingen.de
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abt. Kardiologie und Pneumologie - Herzzentrum Göttingen
Direktor Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Telefon 0551 / 39-20400
rfaber@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt
16.01.2017 | Universitätsklinikum Tübingen

nachricht Fernüberwachung bei Herzschwäche kann Klinikaufenthalt ersparen
09.01.2017 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

16.01.2017 | Architektur Bauwesen

Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt

16.01.2017 | Medizintechnik