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Erstmals in Deutschland: Defibrillator am UKM ausschließlich direkt unter die Haut implantiert / Kein Zugang zum Herz mehr nötig

02.06.2010
„Meilenstein in der Behandlung von Herzrhythmusstörungen“ / Effektiver Schutz vor dem plötzlichen Herztod und vor Langzeitkomplikationen

Am Universitätsklinikum Münster (UKM) wurde jetzt erstmals in Deutschland ein neues Defibrillator-System („S-ICD“) implantiert, dass den Schutz schwer herzkranker Patienten vor dem plötzlichen Herztod verbessert.

Das neue System kann implantiert werden, ohne dass wie bislang der direkte Zugang zum Herzen über das Venensystem erforderlich ist: Der Defibrillator und ein notwendiges Kabel werden lediglich im linken Brustbereich direkt unter die Haut implantiert („subkutan“). Bislang war es noch nötig, dass die Defibrillationselektrode direkt im Herz verankert wird. Diese mögliche Quelle von Langzeitkomplikationen wird nun umgangen. Der neue Defibrillator hat ein Gewicht von 143 Gramm. Er ist 78,2 Millimeter lang und 15,7 Millimeter hoch.

Am 1. Juni wurden die ersten beiden Eingriffe dieser Art durchgeführt. Den beiden Patientinnen, zwei Frauen im Alter von 33 bzw. 48 Jahren mit einem erhöhten Risiko für den plötzlichen Herztod, geht es gut. Sie können schon bald das UKM verlassen. Durchgeführt wurden die Eingriffe von interdisziplinären Teams der Medizinischen Klinik und Poliklinik C (Kardiologie und Angiologie) und der Klinik und Poliklinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie des UKM. Prof. Dr. Lars Eckardt, Kommissarischer Leiter der Medizinischen Klinik C und Leiter der Rhythmologie am UKM, betont: „Diese neue Methode ist ein Meilenstein der Defibrillatortherapie. Die Behandlung lebensgefährlicher Rhythmusstörungen wird dadurch entscheidend erleichtert, da nun kein direkter Zugang zum Herzen mehr nötig ist.“

Dr. Andreas Löher, Leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, ergänzt: „Der besondere Nutzen des Systems liegt darin, dass die Möglichkeit der Elektrodenkomplikation im Herzen selbst vermieden werden kann, da die Elektrode jetzt direkt unter der Haut liegt. Trotz aller Fortschritte und großen Erfolge der bestehenden Therapieoption waren bislang solche Komplikationen nicht komplett auszuschließen.“

Dies sei besonders für jüngere Patienten besonders wichtig. Das betont Prof. Dr. Eric Schulze-Bahr, Lehrstuhlinhaber und Leiter des Schwerpunktes „Genetik von Herzerkrankungen“ am UKM und der Spezialambulanz für Patienten mit genetisch-bedingten Herzerkrankungen: „Speziell für Patienten, die aufgrund ihrer genetischen Veranlagung schon in jungen Jahren mit dem Risiko des plötzlichen Herztodes konfrontiert sind, wird die Möglichkeit eventueller Komplikationen, z.B. durch Gefäßverletzungen oder Infektionen, gesenkt und die Lebensqualität verbessert.“

Hintergrund

Der plötzliche Herztod verursacht etwa 80.000 Todesfälle im Jahr in Deutschland. Patienten, die einen Herzstillstand überlebt haben oder aufgrund einer schweren Herzerkrankung gefährdet sind plötzlich zu versterben, werden bereits seit vielen Jahren weltweit mit einem implantierten Defibrillator vor dem plötzlichen Herztod geschützt. Ein solcher Defibrillator überwacht den Herzrhythmus rund um die Uhr und behebt Störungen, indem er mit einem exakt dosierten Stromstoß eine Korrektur der lebensbedrohlichen Rhythmusstörung durchführt – im Fachbegriff „Defibrillation“. Bislang war dabei die Platzierung der Defibrillationselektrode im Herz nötig. Bei dem neuen Verfahren wird diese Elektrode lediglich direkt unter der Haut im Brustbereich eingesetzt.

Die Weiterentwicklung der implantierbaren Schrittmacher und Defibrillatoren ist ein ausgewiesener Schwerpunkt der Münsteraner Universitätsklinik: Vor über 20 Jahren wurde am UKM unter Leitung des damaligen Direktors der Kardiologie, Prof. Dr. Günter Breithardt, und der UKM-Herzchirurgie (Direktor: Prof. Dr. Hans H. Scheld) der weltweit erste „transvenöse Defibrillator“ implantiert, d.h. es wurde erstmals ohne chirurgische Eröffnung des Brustkorbs über eine große Vene eine Defibrillationselektrode im Herz platziert und mit einem implantierten Defibrillationsgerät verbunden.

Simone Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.ukmuenster.de

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