Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste 3D-Darstellung von menschlichen Nervenzellen mittels Röntgentomographie

31.03.2009
Basler Forschern ist es erstmals gelungen, mittels Röntgentomographie die zellulären Strukturen des Innenohrs dreidimensional abzubilden.

Ihre Studie illustriert die Titelseite der aktuellen Ausgabe des "Journal of Microscopy".

Das Innenohr mit der Hörschnecke gehört zu den komplexesten anatomischen Strukturen des menschlichen Körpers, in denen Hart- und Weichgewebe zusammenwirken. Da bereits kleine morphologische Veränderungen das Hörvermögen beeinträchtigen können, sind detaillierte Kenntnisse des Innenohrs nötig, um Gehörerkrankungen besser verstehen und behandeln zu können. Auch für den Bau von Hörprothesen und das Einsetzen von Implantaten sind genaue Kenntnisse von Struktur und Form des Innenohrs unerlässlich.

Umso wichtiger ist es, Visualisierungsverfahren zu entwickeln, welche die Weichgewebeteile des Innenohrs wie Membrane, Nervenfasern und Ganglienzellen auf der Mikrometerskala darstellen können. Diese Weichgewebe befinden sich innerhalb des Felsenbeins, einem der härtesten menschlichen Knochen, der sehr viel Röntgenstrahlung absorbiert. Deshalb blieben die verschiedenen Membranen und Nerven im Röntgenlicht bisher unsichtbar.

Höherer Kontrast dank Osmium
Um für die filigranen Mikrostrukturen den nötigen Kontrast zu erreichen, erhöhten die Forscher die Absorption des Weichgewebes durch das Metall Osmium. Die verwendete Osmiumverbindung reagiert mit den ungesättigten Fettsäuren im Weichgewebe und erhöht entscheidend die Absorption der Zellmembranen.

Durch Röntgenlicht mit einer definierten Wellenlänge oder Farbe gelang es der Forschungsgruppe um Prof. Bert Müller vom Biomaterials Science Center der Universität Basel, die zellulären Strukturen des Innenohrs hoch aufgelöst und in ihrer dreidimensionalen Anordnung zu visualisieren.

Bislang beruhten die morphologischen Kenntnisse der filigranen Mikrostrukturen des Innenohrs samt der Hörschnecke auf histologischen Gewebeschnitten - eine Technik, durch die das Weichgewebe indes seine Form ändert. Mit ihrem Vorgehen war es den Forschern nun möglich, die komplex geformten Mikrostrukturen der Hörschnecke ohne zu schneiden tomographisch sichtbar zu machen - und dies in mit einer Auflösung, bei der Hunderte oder gar Tausende von Zellen einzeln ausgezählt werden können.

Originalbeitrag
Anita Lareida, Felix Beckmann, Annelies Schrott-Fischer, Rudolf Glueckert, Wolfgang Freysinger & Bert Müller
High-resolution X-ray tomography of the human inner ear: synchrotron radiation-based study of nerve fiber bundles, membranes, and ganglion cells

Journal of Microscopy, Vol. 234, Pt 1 2009, pp. 95-102 | DOI: 10.1111/j.1365-2818.2009.03143.x

Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Bert Müller, Thomas Straumann-Professor für Materialwissenschaft in der Medizin, Tel. +41 61 265 96 60, E-Mail: bert.mueller@unibas.ch

Reto Caluori | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmc.unibas.ch
http://www3.interscience.wiley.com/journal/122268062/abstract

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt
16.01.2017 | Universitätsklinikum Tübingen

nachricht Fernüberwachung bei Herzschwäche kann Klinikaufenthalt ersparen
09.01.2017 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik