Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eisenpartikel für sichtbare Netzimplantate

01.04.2011
Fachübergreifendes BMBF-Projekt hilft Anzahl der Komplikationen nach Hernienoperationen zu reduzieren

Jährlich werden weltweit rund 1,5 Millionen Kunststoffnetze als Stabilisierung von Gewebe bei Schwachstellen oder Brüchen implantiert. Bei diesen so genannten chirurgischen Hernienreparationen werden Schwachstellen - zum Beispiel in der Leiste, der Bauchwand oder auch des Beckenbodens – durch Kunststoff-Netze verstärkt.

Durch einwachsendes Narbengewebe in die Netzstrukturen können sich diese teils erheblich verformen. Führt diese Schrumpfung zu erneuten Brüchen, zu Schäden benachbarter Organe oder zu Schmerzen ist häufig ein erneuter chirurgischer Eingriff notwendig. In der prä-operativen Diagnostik lassen sich die Netze selbst bisher jedoch nicht oder nur sehr unzureichend abbilden, so dass viele Operationen auf Verdacht durchgeführt werden müssen.

In einem fachübergreifenden Forschungsprojekt der RWTH-Lehrstühle für Chirurgie sowie für Radiologie des Universitätsklinikums Aachen, dem Institut für Angewandte Medizintechnik im Helmholtz-Institut sowie der FEG Textiltechnik mbH wurde nunmehr ein Verfahren entwickelt, dass die bislang nicht erkennbare Trennung von Netz- und Gewebestruktur in der Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar macht und dadurch Möglichkeit bietet, die Netze genauer zu beurteilen und so die Anzahl an Folgeoperationen erheblich zu senken.

„Wir haben kleine Eisenpartikel in das Herniennetz eingebracht“, beschreibt Dr. Nils Krämer von der Klinik für Radiologie die Methode. „Im Konsortium haben wir daran gearbeitet, wie wir bestmöglich die Eisenoxide, die die Sichtbarkeit des Netzes bewirken, einbringen können.“ Das super-paramagnetische Eisenoxid - kurz als SPIO bezeichnet - bewirkt eine Störung des Magnetfelds. Dies führt in der MRT dazu, dass die Protonen lokal neben den Eisen-Netzen andere Eigenschaften haben. Dies erlaubt nicht nur eine Darstellung der Netze selbst, sondern auch eine Unterscheidung zu anderen Strukturen wie dem Darm oder der Leber. Dadurch lässt sich die direkte Umgebung des Netzes einwandfrei als Gewebe, Verkalkung, Vernarbung oder Luft erkennen. „Diese nunmehr mögliche Unterscheidung zwischen gesundem und gestörten Gewebe erlaubt klar zu erkennen, ob eine Folgeoperation erforderlich ist“, resümiert Dr. Krämer. „Wir können zukünftig nicht nur präziser sagen, ob eine OP überhaupt erforderlich erscheint, sondern können im Bedarfsfall schon im Vorfeld des Eingriffs valide Aussagen zum Zustand des Netzes und seiner direkten Umgebung machen.“

Derzeit wird das neue Verfahren im Tierversuch geprüft. Dabei wird unter anderem ermittelt, wie sich die Netze auch in Bereichen darstellen lassen, die durch Bewegungen besondere Schwierigkeiten für die Bildgebung darstellen, wie zum Beispiel im Zwerchfell. Bereits im Sommer will das in Aachen ansässige Unternehmen FEG Textiltechnik die Forschungsergebnisse in ein Produkt umsetzen und mit der notwendigen CE-Zulassung beginnen.

Das Projekt wurde seit seinem Beginn im Sommer 2008 mit rund 1,5 Million Euro vom Bundesforschungsministerium im Rahmen des Innovationswettbewerbs Medizintechnik gefördert.

Toni Wimmer

Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Dr. Nils A. Krämer
Klinik für Radiologie
des Universitätsklinikums Aachen
Telefon 0241/80-35133
Mail: nikraemer@ukaachen.de

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.ukaachen.de

Weitere Berichte zu: Eisenoxid Eisenpartikel FEG Folgeoperation Gewebe Netzimplantate Schwachstelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Extrem schnelle Erfassung und Visualisierung von Tumorgrenzen während der Operation
15.01.2018 | Universität zu Lübeck

nachricht Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen
12.01.2018 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal mit neuem Onlineauftritt - Lösungskompetenz für alle IT-Szenarien

16.01.2018 | Unternehmensmeldung

Die „dunkle“ Seite der Spin-Physik

16.01.2018 | Physik Astronomie

Wetteranomalien verstärken Meereisschwund

16.01.2018 | Geowissenschaften