Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Gamecontroller revolutioniert die Welt der Medizin

20.03.2014

Ein Gamecontroller könnte die Welt verändern, die medizinische Welt. Die Idee von Michael Teistler ist einfach, aber genial – finden zumindest einige große Universitätskliniken in den USA. Sie testen derzeit das vom Flensburger FH-Professor entwickelte Verfahren.

Für Michael Teistler ist es erst der Anfang. Dabei ist der Professor für Medieninformatik an der Fachhochschule Flensburg bereits ein ganzes Stück unterwegs.


Das neue Verfahren mit dem Gamecontroller

FH Flensburg

Ende 2012 wurde dem Nicht-Mediziner auf dem weltweit größten Radiologenkongress in Chicago die Auszeichnung Magna cum Laude verliehen. Es war die Goldmedaille für seine Trainingssoftware, mit deren Hilfe Mediziner die Ultra-schallbildgebung besser verstehen und beherrschen sollen - dank eines einfachen Gamecontrollers als Sonde und einer dreidimensionalen Wiedergabe auf dem Bildschirm.

Einen weiteren Schritt geht Teistler jetzt im Bereich der Diagnostik: Daten, die in bildgebenden Untersuchungen wie Kernspintomographie und Computertomographie gewonnen werden, sollen effizienter dargestellt und genutzt werden können. Ob das aber auch im Praxisalltag funktioniert?

„Der Bedarf in der medizinischen Bildgebung ist groß“, sagt Teistler. Es habe in der Vergangenheit immer wieder Versuche gegeben, die technische Unterstützung in diesem Bereich zu optimieren – nicht immer erfolgreich. Teistlers Software hat es nun in den Alltagstest geschafft. Die University of California, Davis testet das Verfahren bereits seit einiger Zeit in der Neuroradiologie.

Das Northwestern Memorial Hospital in Chicago will es demnächst im kardiologischen Bereich einsetzen. Und auch die University of Pittsburgh in Pennsylvania zeigt großes Interesse an der in Flensburg entwickelten Methode. „Und damit ist noch lange nicht Schluss“, sagt Teistler. Ein Anfang eben. Ein kleines Projekt der praxisorientierten Forschung zeigt weltweite Wirkung. „Ich habe mit dem Forschungsbereich Human-Computer Interaction eine Nische auf dem Gebiet der medizinischen Bildgebung entdeckt“, sagt Teistler. 

Das sieht auch das Bundesforschungsministerium so. Der Flensburger Professor war eingeladen, am Gemeinschaftsstand des Ministeriums auf dem jüngsten Radiologenkongress in Chicago teilzunehmen. Ein privilegierter Platz inmitten renommierter Hochschulinstitute. Raus aus dem wissenschaftlichen Bereich des Kongresses in Chicago, wo Prototypen gezeigt werden. Rein in den industriellen Bereich. Der nächste Schritt zum Produkt.

„Kollegen kamen zu mir und gratulierten“, erzählt Teistler, der stolz ist, als kleine Hochschule Spitzenforschung zu präsentieren. Wenn er in diesem Zusammenhang „klein, aber fein“ sagt, meint er, sich nicht vor renommierten Einrichtungen, den großen, alteingesessenen verstecken zu müssen. Es soll nicht provinziell klingen.

Einen Anfangspunkt bildet das Projekt „Gamecontroller als Ultraschall-Sonde“ auch in Bezug auf die Aktivitäten an der Hochschule. „Es hat gezeigt, dass in dem vermeintlichen Nischenthema ‚Benutzerschnittstellen in der medizinischen Bildgebung‘ großes Potenzial steckt“, sagt Teistler. Mit einem neu zu errichtenden Human-Computer Interaction/Usability-Labor soll das Gebiet der Interaktion zwischen Mensch und Maschine, innerhalb dessen die medizinische Bildgebung ein Anwendungsfeld darstellt, an der FH etabliert werden.

Teistler Ziel: „Was technisch zur Verfügung steht, möchte ich benutzerfreundlicher machen, indem ich neue Interaktionskonzepte entwickle“, sagt der Medieninformatiker. Er wolle keineswegs den Arzt überflüssig machen – diese Vision sei längst Vergangenheit. Dessen Arbeitsgerät soll jedoch effektiver genutzt werden und besseren Zugang zu Informationen ermöglichen. Da etwa eine an sich dreidimensionale Computertomographie hauptsächlich mittels standardisierter zweidimensionaler Darstellungen interpretiert wird, blieben Informationen verborgen. „Mit einer geeigneten 3-D-Benutzerschnittstelle beispielsweise könnte der Mediziner effizienter arbeiten und weitere klinisch relevante Informationen erhalten“, erläutert Teistler. 

Von der stark praxisorientierten Ausrichtung seiner Arbeit profitieren nicht zuletzt auch die Studierenden. Sie wirken ohnehin an den Projekten mit, auch im Vorfeld des Kongresses in Chicago. Teistler: „Praxisorientierte Forschung ist die beste Lehre.“ Und ein Anfang für eine zukunftsträchtige Spezialisierung.

Torsten Haase | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.fh-flensburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken
28.03.2017 | Technische Universität Braunschweig

nachricht Neue Hoffnung für Leberkrebspatienten
24.03.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE