Anzeige
An der Greifswalder Universitätsaugenklinik sind die ersten drei Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren erfolgreich minimal-invasiv operiert worden. „Während in anderen Bereichen der Augenheilkunde die so genannte Schlüsselloch-OP bereits Standard ist, ist dieses Verfahren in der Strabologie (Fachgebiet Schielen) noch relativ neu“, sagte der Direktor der Universitätsaugenklinik, Prof. Stefan Clemens.
„Für unsere kleinen Schielpatienten bedeutet dies vor allem, dass die Eingriffe wesentlich schonender und komfortabler durchgeführt werden können.“ Rund sieben Prozent der Bevölkerung sind von einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Fehlstellung der Augen, die zum Schielen führt, betroffen. Die Folge sind das Sehen von Doppelbildern oder die Schwachsichtigkeit.
An der bewährten Operationsmethode selbst ändert sich nichts, jedoch am Zugang zum Augenmuskel, der bislang durch einen bis zu 20 Millimeter großen türflügelartigen Schnitt gelegt worden ist. „Das besondere bei diesem Ansatz ist, dass durch einen einzigen kleinen Minischnitt von nur noch ca. zehn Millimetern in der Bindehaut der zu operierende Augenmuskel erreicht werden kann“, erläuterte Clemens. „Am Mikroskop und nach dem Prinzip der Schlüsselloch-Chirurgie wird dann der betreffende gerade Augenmuskel nach Bedarf gefaltet oder verlängert. Hiermit kann die Stellung des Auges genauso wie bisher durch eine Verlagerungsoperation korrigiert werden.“
Das Nahtmaterial ist selbstauflösend
Der Eingriff selbst ist anatomisch anspruchsvoller, da die Sichtverhältnisse für den Operateur am Augenmuskel nun eingeschränkter sind. Das erfordert einen erfahrenen Augenarzt. Genäht wird mit ganz feinem Material. Die Fäden sind dünner als ein Haar und die Knoten werden im Auge versenkt. Nach etwa zwei Wochen hat sich die Naht im Gewebe aufgelöst und muss nicht mehr extra entfernt werden.
„Erfunden haben es die Schweizer“, betonte der Greifswalder. Diese Methode wurde in St. Gallen von Dr. Daniel Mojon (Kantonsspital) eingeführt und wird seit etwa drei Jahren von einigen Augenkliniken übernommen. Das minimal-invasive Verfahren hat in Greifswald jedoch schon eine Abwandlung und Minimalisierung erfahren, da an der Universitätsmedizin bereits durch einen einzigen Schnitt statt durch zwei der Zugang zum Augenmuskel ermöglicht wird. „Für die Kinder bringt der minimal-invasive Eingriff nur Vorteile“, hob Clemens hervor, „da sie durch den wesentlich kleineren Nahtverschluss der Bindehaut weg vom Hornhautrand in der Regel keine Schmerzen, Irritierungen oder Juckreiz mehr verspüren. Sie können nach der OP praktisch sofort die Augen öffnen und sehen.“
Spezialausbildung in Greifswald
Der Augenarzt verwies darauf, wie wichtig eine frühzeitige Behandlung von schielenden Kindern ist. „Schielende Kinder müssen mit viel Verständnis frühzeitig gefördert werden, zunächst in konservativer Therapie durch die Schulung des schlechteren Auges. Sollte eine Operation notwendig sein, wird diese meistens im Alter von drei bis sechs Jahren angesetzt. Wird das Schielen nicht behandelt, drohen eine dauerhafte Sehschwäche sowie Einschränkungen im dreidimensionalen Sehen. Außerdem werden schielende Kinder in ihrem sozialen Umfeld stark gehänselt und sind später nicht mehr für alle Berufe geeignet.“
Etwa 250 schielende Kinder aus dem ganzen Land und den Nachbarregionen werden jährlich in Greifswald operiert. Darüber hinaus bildet die Berufliche Schule der Universitätsmedizin mit der einzigen Orthoptistischen Lehranstalt in Mecklenburg-Vorpommern Fachkräfte (Orthoptisten) aus, die sich speziell mit der Förderung und Behandlung von Kindern mit Augenfehlstellungen befassen. Aufgrund der Nachfrage wird parallel ein weiterer Ausbildungskurs eingerichtet.
Drei Hauptformen des Schielens
Es treten unterschiedliche Formen des Schielens auf, am häufigsten ist das latente Schielen bei höherer Belastung wie Stress, Müdigkeit oder Alkoholmissbrauch. Das Begleitschielen macht sich meistens in den ersten drei Lebensjahren bemerkbar, während das Lähmungsschielen durch gelähmte Augenmuskeln infolge von Entzündungen, Durchblutungsstörungen oder Verletzungen hervorgerufen wird. Die Ursachen für Begleitschielen und latentes Schielen liegen in einem gestörten Gleichgewicht der Augenmuskeln.
Universitätsmedizin Greifswald
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Direktor: Prof. Dr. med. Stefan Clemens
Ferdinand-Sauerbruch-Straße, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-59 00
E sekaugen@uni-greifswald.de
Constanze Steinke | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.medizin.uni-greifswald.de
Weitere Berichte zu: Augenmuskel > Begleitschielen > Bindehaut > Schielen
Neue Computertomographie für Röntgeninspektionssystem der Einstiegsklasse zur Qualitätskontrolle in der Elektronikfertigung
23.05.2012 | GE Sensing & Inspection Technologies GmbH
New microscope uses rainbow of light to image the flow of individual blood cells
22.05.2012 | Optical Society of America
Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.
Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.
„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...
Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.
Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.
Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...
Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.
Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.
Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...
Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen
Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...
Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.
Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.
Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...
Anzeige
Anzeige

Energieversorger vor dem Umbruch
24.05.2012 | Studien Analysen
Stem-cell-growing surface enables bone repair
24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit
24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Wissenschaft und Öffentlichkeit
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten