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Lichtstrahlen machen erstmals Seh- und Gefühlszentren während Hirn-OP sichtbar

25.02.2014
131. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) 25. bis 28. März 2014 ∙ Messe Berlin – Südgelände

Eine neue Untersuchungstechnik, die mit Lichtstrahlen Hirnaktivität misst und in Bilder umwandelt, könnte Tumoroperationen am Gehirn künftig noch sicherer machen. Das sogenannte „Intraoperative Optical Imaging“ (IOI) zeigt erstmals während der Operation, wo wichtige Funktionen wie Gefühl, Bewegung, Sehen oder Sprache sitzen, die geschont werden sollten. Erste Erfahrungen mit dem IOI bei Tumoreingriffen werden auf dem 131. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) vorgestellt, der vom 25. bis 28. März 2014 in Berlin stattfindet.

Ziel einer Krebsoperation am Gehirn ist es, den Tumor vollständig zu beseitigen – idealer Weise wird auch noch ein kleiner Teil des benachbarten gesunden Gewebes mit entfernt, um Zellnester zu erfassen, die sich dort eingenistet haben. Andererseits wollen die Ärzte gesundes Gewebe schonen, wenn es für wichtige Funktionen wie Gefühl, Sprache, Bewegung oder Sehen zuständig ist. 

 
Hirntumorgewebe kann inzwischen gut sichtbar gemacht werden, etwa mit Farbstoffen, Magnetresonanztomografie, Computertomografie oder Ultraschall. „Bis heute können wir aber gesundem Gewebe leider nicht ansehen, für welche Funktionen es zuständig ist“, erklärt Professor Dr. med. Gabriele Schackert, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Dresden. „Dies wäre wichtig, um noch gezielter operieren zu können.“ Hier soll die Lichttechnologie IOI helfen.

 
Das Gehirn leuchtet zwar nicht, wenn wir es benutzen. Jede Hirnaktivität geht jedoch mit einer Steigerung der Durchblutung einher. Dies verändert wiederum die Lichtabsorption, wenn die Hirnoberfläche mit einer Lampe bestrahlt wird – vermehrte Hirnaktivität steigert die Absorption. Dieses Phänomen nutzt IOI. 

 
Um mit dieser Technik wichtige Hirnareale sichtbar zu machen, stimulierte das Wissenschaftler-Team um Gabriele Schackert und Stephan Sobottka zunächst einen Nerv an der Körperoberfläche der narkotisierten Patienten. „In unserer Studie gaben wir leichte Stromimpulse an den Medianus-Nerven ab, der an der Innenseite des Unterarms verläuft und das Gefühl in der Hand vermittelt“, so Schackert. Reflexartig leitete der Nervus medianus die Impulse an seine übergeordnete Zentrale im Hirn weiter, die für das Gefühl zuständig ist. Sie war nun ebenfalls aktiviert und damit stärker durchblutet. 

 
Eine Kamera, die im Operationsmikroskop integriert ist, filmt die lichtbestrahlte Hirnoberfläche während dieses Vorgangs. Vor der Kamera sitzt ein Filter, der bevorzugt Wellenlängen passieren lässt, in denen das Blut eine starke Absorption zeigt. Ein Computer setzt die Informationen in Bilder um. Innerhalb von zehn bis fünfzehn Minuten entsteht so eine zweidimensionale Karte, in der die aktivierte Hirnregion zu erkennen ist. 

 
„Die Bilder sind genau und zuverlässig“, erklärt Professor Schackert, nachdem IOI an 41 Patienten erprobt wurde. „Damit können wir erstmals wichtige Hirnfunktionen annähernd in Echtzeit erkennen.“ Zuvor war es den Dresdner Forschern gelungen, durch eine Reizung des Sehnerven – sie leuchteten dem Patienten ins Auge – das Sehzentrum zu lokalisieren. 

 
Die Neurochirurgin weiß, dass Patienten mit Hirntumoren große Angst haben, Einbußen bei Sprache, Bewegung oder Sehen zu erleiden. „Um die Lebensqualität der Patienten zu bewahren, ist es deshalb sehr wichtig, so schonend wie möglich zu operieren“, sagt sie. Sollte das IOI sich im klinischen Alltag bewähren, wäre dies ein wichtiger Fortschritt für die Sicherheit der Patienten. 

 
„Der Funktionserhalt ist eines der wesentlichen Anliegen der Chirurgie“, erläutert Professor Dr. med. Joachim Jähne, Präsident der DGCH. Verbesserte Bildverfahren in der Neurochirurgie könnten auch für andere chirurgische Fächer eine Schrittmacherfunktion haben.

 
Neue Entwicklungen beim Intraoperativen Imaging, darunter auch die IOI-Methode, sind Thema einer Sitzung auf dem DGCH-Kongress am 26. März 2014 von 11.00 bis 12.30 Uhr.

 
Literatur:

Sobottka SB, Meyer T, Kirsch M, Koch E, Steinmeier R, Morgenstern U, Schackert G: Intraoperative optical imaging of intrinsic signals: a reliable method for visualizing stimulated functional brain areas during surgery. J Neurosurg. 119(4), 853–863 (2013). 

 
Sobottka SB, Meyer T, Kirsch M, Reiss G, Koch E, Morgenstern U, Schackert G: Assessment of visual function during brain surgery near the visual cortex by intraoperative optical imaging. Biomed. Tech., 58(3), 249–256 (2013).

 
Weitere Infos zum Kongressprogramm unter http://www.chirurgie2014.de.

Hinweis:
Die IOI-Methode wird auf der Kongress-Pressekonferenz am Mittwoch, den 26. März 2014, in der Zeit von 12.30 bis 13.30 Uhr vorgestellt (siehe auch Termine). 

 
Termine der Pressekonferenzen:

Vorab-Pressekonferenz
Termin: Mittwoch, 19. März 2014, von 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Langenbeck-Virchow-Haus
Anschrift: Luisenstraße58/59, 10117 Berlin, Bibliothek DGCH

Kongress-Pressekonferenzen
Die Pressekonferenzen der DGCH finden während des Kongresses in der Messe Berlin – Südgelände, Eingang Süd, Jafféstraße, 14055 Berlin statt.

Dienstag, 25. März 2014, von 12.30 bis 13.30 Uhr
Mittwoch, 26. März 2014, von 12.30 bis 13.30 Uhr
Donnerstag, 27. März 2014, von 12.30 bis 13.30 Uhr
Freitag, 28. März 2014, von 12.30 bis 13.30 Uhr

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)
Anne-Katrin Döbler und Kerstin Ullrich
Pf 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-641
Fax: 0711 8931-167
ullrich@medizinkommunikation.org
http://www.chirurgie2014.de
http://www.dgch.de

Weitere Informationen:

http://www.chirurgie2014.de

Anna Julia | idw

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