Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Sepsis-Schnelltest ein Stück näher

18.02.2015

Wissenschaftlern, Ärzten und Entwicklern des Forschungsprojektes „FastDiagnosis“ ist es gelungen, eine Technologie zu erforschen und gerätetechnisch umzusetzen die eine schnelle und kostengünstige Diagnose einer Sepsis ermöglicht. Dieses Verfahren kann zukünftig vielen Patienten das Leben retten. Gefördert wurde das Forschungsvorhaben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 4,2 Millionen Euro.

Sepsis oder umgangssprachlich „Blutvergiftung“ ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Jährlich sterben etwa 60.000 Patienten an ihr, das sind statistisch gesehen 162 Menschen am Tag. Verbunden sind immense Kosten für das Gesundheitssystem von jährlich bis zu acht Milliarden Euro, allein in Deutschland.


Das ESE Quant LR3 Testsystem zur Bestimmung der Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Sepsis.

© QIAGEN, all rights reserved

Ausgelöst wird die schwere komplexe Entzündungsreaktion durch Bakterien, Viren oder andere Erreger, die in den Körper eindringen. Kann das Immunsystem die Ausbreitung nicht eindämmen, weil die Erreger zu zahlreich sind oder die Immunabwehr zu schwach ist, gelangen Keime und Giftstoffe in die Blutbahn.

Das körpereigene Abwehrsystem kann dann nicht nur die Eindringlinge sondern auch die eigenen Organe schädigen. Häufig ist es für eine geeignete Behandlung dann bereits zu spät. Bisher kostet es viel Zeit, die Erreger eindeutig zu bestimmen. Nur wenn die Ärzte schnell die richtige Therapie einleiten, können sie das Leben der Patienten retten.

Diesem Ziel sind Wissenschaftler, Ärzte und Entwickler gemeinsam ein ganzes Stück näher gekommen. Ein neues, kombiniertes Diagnoseverfahren auf Basis optischer Technologien verspricht eine schnelle Identifizierung der Erreger sowie eine bessere Aussage über den Schweregrad der Erkrankung.

Die Partner R-Biopharm AG und QIAGEN Lake Constance GmbH brachten ihre Kenntnisse und Know-how auf dem Gebiet der Labormedizin und Assay-Entwicklung ein, um ein Testsystem für Sepsis-assoziierte klinische Parameter zu entwickeln. Das neue Gerät kann bis zu drei Teststreifen parallel optisch auswerten. Auf diesen können köpereigene Moleküle detektiert werden, die bei einer Sepsis gebildet oder abgebaut werden und so auf den Krankheitsverlauf hinweisen.

Als Ergebnis des Tests wird innerhalb von Minuten ein Wert ausgegeben der die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Sepsis angibt und von dem sich zukünftig Behandlungsstrategien und Prognosen ableiten lassen.

Zusammen mit klinischen Partnern aus Jena und Dresden wurden Patienten-proben und Studiendaten auf neue Kombinationen von Biomarkern hin untersucht. Die Ergebnisse hatten unmittelbaren Einfluss auf die Entwicklung der Tests und des Gerätes. „Ohne das Projekt wären wir als Unternehmen dieses Vorhaben vielleicht nie angegangen. Die neuen Kontakte zu Kliniken und Endanwendern und die damit verbundene hohe Probenzahl zur Validierung der neuen Methoden haben das Risiko der Entwicklung für uns sehr stark gemindert“, so Dr. Peter Schubert Vorstand Forschung & Entwicklung der R-Biopharm AG.

Die Kontakte zu den Forschungspartnern sollen auch nach Projektende bestehen bleiben, weitere Folgeprojekte sind in der Planung. „Um die neue Diagnostik routinemäßig direkt vor Ort am Krankenbett oder in der Notaufnahme zum Einsatz kommen zu lassen, ist es jetzt ganz wichtig die Geräte im Klinik- oder Praxisalltag zu testen“ so Professor Michael Bauer, Sepsis-Experte vom Universitätsklinikum Jena.

Die Friedrich-Schiller Universität Jena und die rap.ID Particle Systems GmbH forschten im Rahmen des Projektes „FastDiagnosis“ auch an der Raman-spektroskopischen Identifizierung von Erregern durch ihren molekularen Fingerabdruck.

Der „Bio Particle Explorer“ erkennt einzelne Keime und kommt ohne die langwierige Kultivierung von Proben aus. Benötigte man bisher mindestens einen Tag zur Bestimmung von Bakterien in Körperflüssigkeiten, so konnte der Zeitaufwand auf wenige Stunden reduziert werden. Ein Vorsprung der lebensrettend sein kann im Wettlauf mit der Zeit bei der Behandlung einer Sepsis.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert seit 2002 den Forschungszweig der Biophotonik und hat seither rund 170 Millionen Euro investiert. Mehr als 150 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft setzen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in praxistaugliche Lösungen um. Schon heute gehören die optischen Technologien zu den wichtigsten Impulsgebern für die Medizintechnik.

Projekt „FastDiagnosis“ – Beteiligte Unternehmen und Forschungsinstitute
- r-biopharm AG
- QIAGEN Lake Constance GmbH
- rap.ID particle systems GmbH
- Universitätsklinikum Jena, Institut für medizinische Mikrobiologie
- Universitätsklinikum Dresden, Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin
- Universität Jena, Institut für Physikalische Chemie
- Universitätsklinikum Jena, Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik

Kontakt:
Öffentlichkeitsarbeit des Forschungsschwerpunktes Biophotonik
Dr. Andreas Wolff
Leibniz-Institut für Photonische Technologien, Jena
Tel. 03641 206 035
Fax. 03641 206 044
andreas.wolff@ipht-jena.de

Weitere Informationen:

http://www.biophotonik.org

Dr. Andreas Wolff | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neue Hoffnung für Leberkrebspatienten
24.03.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten
23.03.2017 | Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise