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Chemo-Staubsauger bekämpft Leberkrebs

07.03.2012
Erstmalig in Deutschland wurde am Frankfurter Uniklinikum ein Verfahren eingesetzt, dass dank lokaler Chemotherapie die Nebenwirkungsbelastung weitgehend reduziert.

Am Klinikum der J.W. Goethe-Universität sind Ende Februar zwei Patientinnen mit der Chemosaturation-Therapie behandelt worden. Die in den USA gemeinsam mit der Firma Delcath entwickelte Anwendung wurde zum ersten Mal in Deutschland und erst am zweiten Standort in Europa durchgeführt. Es handelt sich bei dem Verfahren um eine lokal begrenzte Chemotherapie.


Der Chemosaturation-Kreislauf

Das chemisch behandelte Blut der Leber wird über ein Kathetersystem abgesaugt, in einem Filter außerhalb des Körpers gereinigt und dann der Leber wieder zugeführt. Durch diese Vorgehensweise kann die Chemotherapie sehr hoch dosiert eingesetzt werden. Weil die Chemikalien jedoch nicht in andere Organe gelangen, treten maximal minimierte Nebenwirkungen auf. Die medizinische Betreuung der beiden Patientinnen mit Krebs in fortgeschrittenem Stadium ist erfolgreich verlaufen. Sie konnten nach kurzer Zeit das Krankenhaus verlassen und stehen unter engmaschiger Beobachtung.

Das Leberzentrum und das Universitäre Centrum für Tumorerkrankungen (UCT) am Uniklinikum Frankfurt sind in der Krebstherapie mit der Nutzung der Chemosaturation einen wichtigen Schritt vorwärts gegangen. Seit vielen Jahren forschen die Institute an Verfahren, die eine lokal begrenzte chemotherapeutische Tumorbehandlung ermöglichen.
Durch die Chemosaturation ergeben sich hier nun neue Perspektiven. Prof. Thomas J. Vogl, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, erklärt: „Diese Technologie hat signifikantes Potenzial, Krebs in der Leber zu kontrollieren. Wir freuen uns, das erste Krebszentrum nördlich der Alpen zu sein, das diese wichtige Behandlungsoption für Patienten bietet. Zudem sind wir bestrebt, die Rolle des Verfahrens bei multiplen Tumorarten einschließlich Brustkrebs weiter zu untersuchen.” In Kooperation mit der Firma Delcath will das Frankfurter Uniklinikum sein Leberzentrum und das UCT zu dem Referenzzentrum für die Chemosaturation in Deutschland und Nordeuropa machen.

Das Besondere an der Chemosaturation ist ein Filter, mit dem das Medikament wieder aus dem Körper entfernt wird. Zu diesem Zweck wird über ein Kathetersystem ein geschlossener Blutkreislauf mit der Leber hergestellt (siehe Graphik oben rechts). Ein in die untere Hohlvene eingeführter Katheter hat im Abstand von einigen Zentimetern zwei Verdickungen (Ballons). Wenn diese Ballons von außen gefüllt werden, verstopfen sie die Vene nach oben und unten, sodass die Leber vom restlichen Blutkreislauf des Körpers isoliert ist. Zwischen den beiden Ballons befindet sich ein perforierter Schlauch, über den ein Austausch zwischen dem Blut im Kathetersystem und dem in der Leber stattfindet. Über einen zusätzlichen Katheter in die Leberarterie wird das Chemotherapeutikum in das Organ geleitet. Durch eine Pumpe wird dann das chemotherapeutisch behandelte Blut über die kleinen Löcher im Schlauch gesaugt und außerhalb des Körpers in einem Filtergerät gereinigt. Das saubere Blut wird von oben wieder der oberen Hohlvene zugeführt. Auf diesem Weg wird das Blut des Organs solange gefiltert, bis alle Chemikalien wieder aus dem Körper entfernt wurden. Die gesamte Prozedur dauert etwa drei Stunden.

Für die Umsetzung dieses anspruchsvollen Verfahrens ist ein vielköpfiges Team aus Ärzten und medizinisch-technischem Fachpersonal aus den USA zur Unterstützung nach Frankfurt gekommen. Sie haben gemeinsam mit dem Frankfurter Team umfangreiche Trainingseinheiten durchgeführt und die Behandlung der ersten beiden Patientinnen begleitet. Neben dieser externen Hilfe war die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Klinikums unerlässlich. „An der Umsetzung waren vor allem die Kollegen aus Anästhesie, Kardiologie, Gastroenterologie und Radiologie beteiligt, aber auch noch einige weitere Fachgebiete. Ohne die hervorragende Zusammenarbeit aller Beteiligten, der Pflegekräfte, des medizinisch-technischen Personals sowie der Ärztinnen und Ärzte, hätten wird das Verfahren nicht so erfolgreich anwenden können“, sagt Prof. Vogl. Federführend an der Umsetzung beteiligt waren Dr. Gösta Lotz, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie unter der Leitung von Prof. Kai Zacharowski, PD Stefan Zangos, Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, und Herrn Keller aus der Herz, Gefäss- und Thoraxchirurgie.

Die Chemosaturation-Therapie richtet sich vorerst an Patienten, bei denen alle anderen Behandlungsoptionen ausgeschöpft wurden. In Zukunft könnte das Verfahren aber auf zusätzliche Anwendungsfelder ausgeweitet werden.

Die beiden im Februar in Frankfurt behandelten Patientinnen sind bereit, Journalisten über ihre persönlichen Erfahrungen mit der Behandlung zu berichten. Bei Interesse an einem Gespräch wenden Sie sich an die Pressestelle des Klinikums.

Prof. Dr. Thomas J. Vogl
Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt
Fon (0 69) 63 01 – 72 77
Fax (0 69) 63 01 – 72 58
E-Mail t.vogl@em.uni-frankfurt.de

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.delcath.com
http://www.kgu.de

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