Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Bremer MeVis Research GmbH wird Fraunhofer-Institut

19.11.2008
Die Fraunhofer-Gesellschaft erweitert die Gesundheitsforschung: Die MeVis Research GmbH mit dem Arbeitsschwerpunkt Medizintechnik wird am 1. Januar 2009 in die Fraunhofer-Gesellschaft eingegliedert.

Bei der Diagnose Leberkrebs hilft oft nur eine Operation: Die Ärzte müssen einen Teil des lebenswichtigen Organs entfernen. Dass Leberoperationen heute oft erfolgreich verlaufen, ist den Künsten der Chirurgen zu verdanken – und immer öfter auch einer Spezialsoftware namens »MeVis LiverAnalyzer«, die die Mediziner bei der Operationsplanung unterstützt. Entwickelt wurde die Software von der MeVis Research GmbH in Bremen. Dies ist eines von vielen aktuellen Forschungsprojekten des zukünftigen Fraunhofer-Instituts für Bildgestützte Medizin MEVIS.

Professor Ulrich Buller, Forschungsvorstand der Fraunhofer-Gesellschaft, freut sich: »MEVIS wird unsere Kompetenzen in den LifeSciences und den Informations- und Kommunikationstechnologien bereichern. Wir tragen mit unseren Entwicklungen dazu bei, die Herausforderungen von morgen zu bewältigen. Fraunhofer-Forscherarbeiten an neuen Diagnoseverfahren, innovativen Operationstechniken, Prothetik und Neuroprothetik, beschleunigter Arzneimittelforschung und vielem mehr«. Das Land Bremen unterstützt die Integration aus Mitteln des Bremischen EFRE-Programms mit elf Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre.

MeVis Research wurde 1995 als gemeinnütziges An-Institut der Universität Bremen gegründet – damals als »Centrum für Medizinische Diagnosesysteme und Visualisierung«. Die rund 50 Informatiker, Physiker, Mathematiker, Ingenieure und Ärzte bei MeVis arbeiten an softwaregestützten Verfahren für die bildbasierte Diagnose und Therapie. Zum Beispiel schreiben sie Computerprogramme, die medizinischen Bilddaten auswerten. Der Arzt erhält auf diese Weise Informationen, die ihm beim bloßen Anschauen verborgen bleiben. Die Experten haben vor allem große Volkskrankheiten wie Krebs im Blick, aber auch Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, des Gehirns und der Lunge. Sie arbeiten stets eng mit Kliniken in einem internationalen Netzwerk von mehr als 100 Partnern zusammen. Das Institut ist auf gutem Weg, sich als eine weltweit führende Forschungseinrichtung für bildgestützte Medizin zu etablieren. MeVis Research hat zwei kommerzielle Ausgründungen hervorgebracht, deren Produkte auf ihrem Gebiet Weltmarktführerschaft erlangt haben: So verkauft die 1997 gegründete »MeVis Medical Solutions AG« Programme zur Unterstützung bildbasierter Diagnose und Therapie, etwa für die kontrastmittelgestützte Diagnose von Krebserkrankungen. Das Unternehmen zählt nach dem Ranking des Handelsblatts »Kommende Weltmeister« vom Oktober 2008 zu den deutschen Kleinunternehmen mit dem stärksten Wachstum. Seit 2001 bietet »MeVis BreastCare«, ein Joint Venture mit Siemens, Software für die Diagnose von Brustkrebs an, unter anderem ein Befundungssystem für die digitale Mammographie.

»Der Erfolg von Tumoroperationen kann von extrem kleinen Veränderungen abhängen«, sagt MeVis-Direktor Prof. Dr. Heinz-Otto Peitgen. »So kann es sein, dass ein Schnitt an einer bestimmten Stelle noch ungefährlich ist, aber bei nur geringfügig geänderter Schnittführung zum Organversagen führt.« Das macht die Einschätzung für die Ärzte schwierig. Hier setzt der MeVis LiverAnalyzer an: Ausgehend von den Tomographieaufnahmen berechnet die seit 1995 in enger Kooperation mit Medizinern entwickelte Software, wie die komplex ineinandergreifenden Gefäßsysteme das Organ versorgen. Das Resultat ist ein 3-D-Bild, mit dessen Hilfe sich abschätzen lässt, welche Risiken mit den Schnitten verbunden sind, die ein Chirurg bei der Operation setzen will.

Seit 2002 schicken Krankenhäuser, Forschungseinrichtungen und radiologische Zentren aus aller Welt via Internet ihre Bilddaten nach Bremen. Ein Expertenteam wandelt die Daten in ein patientenindividuelles, dreidimensionales Modell beispielsweise der Leber um. Dann berechnet die Software die risikoärmste Schnittführung. Die Chirurgen im Krankenhaus erhalten die Daten zur OP-Planung und als Hilfe während des Eingriffs. »Mittlerweile ist das System weltweit anerkannt und wird in den besten leberchirurgischen Zentren eingesetzt«, ergänzt Peitgen.

Franz Miller | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Wachkoma: System soll Patienten helfen, sich zu verständigen
24.05.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Premiere einer verblüffenden Technik
23.05.2017 | Deutsches Herzzentrum Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften