Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BMBF-Forschungsprojekt DBS SMART gestartet

07.05.2012
Entwicklung eines intelligenten Hirnschrittmachers gegen Parkinson

Die Therapie mit einem Hirnschrittmacher ist für viele Parkinson-Patienten eine große Hilfe. Doch die Behandlung hat oft Nebenwirkungen. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt DBS SMART soll ein neuartiger, implantierbarer Schrittmacher für die klinische Forschung entwickelt werden, der die Symptome mit Methoden der modernen Mathematik deutlich schonender und dauerhafter unterdrückt. Zum Projektstart am Freitag, den 4. Mai 2012, übergab Thomas Rachel MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, die Zuwendungsbescheide im Gesamtwert von 1,32 Mio. Euro an die ANM Adaptive Neuromodulation GmbH, das Forschungszentrum Jülich und das Universitätsklinikum Köln.

Die Parkinsonkrankheit wird durch eine Fehlsteuerung von Nervenzellen in bestimmten Bereichen des Gehirns, die für die Steuerung von Bewegungen eine zentrale Rolle spielen, ausgelöst: Statt, wie bei einem gesunden Menschen, gezielt nacheinander zu feuern, senden die Nervenzellen gleichzeitig Signale aus. Diese krankhaft synchrone Aktivität zieht die für die Parkinson´sche Krankheit typischen Symptome wie Zittern, Bewegungsstarre und Bewegungsarmut nach sich. Die Behandlung mit einem Hirnschrittmacher ist heute die Standardtherapie für schwere, medikamentös nicht ausreichend behandelbare Bewegungsstörungen dieser Art. Dabei werden Elektroden in die betroffenen Hirngebiete implantiert, die durch eine permanente elektrische Reizung die krankhaft synchronen Nervensignale unterdrücken. Doch das Verfahren hat Grenzen. Nicht alle Patienten sprechen darauf an. Zusätzlich ruft es in vielen Fällen Nebenwirkungen wie Sprach- oder Gleichgewichtsstörungen hervor oder verliert im Laufe der Behandlung seine Wirkung.

Im Projekt DBS SMART (engl. Deep Brain Stimulation, "Tiefe Hirnstimulation") wird ein neuartiger Hirnschrittmacher entwickelt, der betroffene Nervenverbände ganz gezielt desynchronisiert. "In einer Akut-Studie hat die Technologie schon exzellente Ergebnisse erzielt. Auch dauerhafte Erfolge scheinen möglich, Nebenwirkungen wurden bisher nicht beobachtet. Diese bedarfsgesteuerten Stimulationskonzepte möchten wir nun in einem Implantat realisieren", erläutert Projektkoordinator Dr. Christian Hauptmann von der ANM Adaptive Neuromodulation GmbH. In DBS SMART soll die Behandlungseffektivität optimiert und die Technik soweit miniaturisiert werden, dass sie komplett im Patienten implantiert werden.

Die neuartige CR®-Neurotechnologie beruht maßgeblich auf dem Stimulationsalgorithmus "Coordinated Reset" (CR®), der in über 10-jähriger, systematischer wissenschaftlicher Arbeit von dem Mediziner, Physiker und Mathematiker Prof. Peter Tass vom Forschungszentrum Jülich entwickelt wurde.
Für jeden Patienten wird dabei ein maßgeschneidertes Stimulationsmuster ermittelt, mit dem die krankhaft überaktiven Nervenzellen gezielt desynchronisiert und das Aktivitätsmuster teilweise dauerhaft korrigiert werden kann. Um die neue implantierbare Technik zu erproben und anzupassen, setzt die ANM Adaptive Neuromodulation GmbH in DBS SMART die Zusammenarbeit mit dem Neurochirurgen und Pionier der Hirnschrittmacher-Therapie Prof.

Volker Sturm vom Universitätsklinikum Köln fort.

"Ich freue mich, dass die Förderung durch die Bundesregierung nicht nur als wichtige Innovationskraft den Unternehmen zugutekommt, sondern insbesondere auch ganz direkt vielen Betroffenen eine individuellere Therapie und Kontrolle ermöglicht", betont Thomas Rachel MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Das BMBF fördert DBS SMART im Rahmen von KMU-innovativ, einer Initiative für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), mit 1.32 Mio. Euro. Die Projektlaufzeit ist bis April 2015 angesetzt.

Pressefoto unter
www.fz-juelich.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/UK/DE/2012/12-05-07DBS_SMART
.html
Weitere Informationen zum Projekt DBS SMART:
ANM Adaptive Neuromodulation GmbH:
http://www.anm-medical.com/
Forschung zum Hirnschrittmacher am Forschungszentrum Jülich:
www.fz-juelich.de/portal/DE/Forschung/Gesundheit/Hirnschrittmacher/node.html
Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie des Universitätsklinikums Köln:

http://neurochirurgie.uk-koeln.de/stereotaxie/stereotaxie

Ansprechpartner:
Dr. Christian Hauptmann, ANM Adaptive Neuromodulation GmbH Tel. 0221 454-6320 c.hauptmann@anm-medical.com

Prof. Dr. Dr. Peter A. Tass, Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-7), Forschungszentrum Jülich Tel. 02461 61-8785 p.tass@fz-juelich.de

Univ.-Prof. Dr. Volker Sturm, Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie des niversitätsklinikums Köln Tel. 0221 478-4580

stereotaxie@uk-koeln.de

Pressekontakt:
ANM Adaptive Neuromodulation GmbH
Tel. 0221 454 6333
info@anm-medical.com
Tobias Schlößer, Forschungszentrum Jülich
Tel. 02461 61-4771 t.schloesser@fz-juelich.de

Tobias Schlößer | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neuer Ansatz zur Behandlung von Mitralklappen-Erkrankungen: Erste Patientendaten
22.08.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Filterschutz fürs Gehirn: Weniger Schlaganfälle bei Herzklappenersatz-OP
17.08.2017 | Universitätsklinikum Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen