Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bildgebende Verfahren können Nashornfüße retten

26.06.2014

Forscher haben eine innovative Methode entwickelt, die Fußkrankheiten bei großen pflanzenfressenden Säugetieren diagnostiziert. Eine Kombination aus hochauflösender Computertomographie und digitaler Röntgentechnik ermöglicht gezielte medizinische Behandlungen.

Unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin entwickelte ein internationales Wissenschaftsteam unter Einsatz bildgebender Verfahren eine neue Methode, um Krankheiten in den Füßen von südlichen Breitmaulnashörnern (Ceratotherium simum) und indischen Panzernashörnern (Rhinoceros unicornis) festzustellen. Dank ihrer Ergebnisse können Nashörner in menschlicher Obhut in Zukunft frühzeitig gezieltere Behandlungen bei Fußerkrankungen erhalten.


Synchronisation von Computertomographie und digitalem Röntgen. Generierung von hochauflösenden diagnostischen Bildern eines Nashornfußes

Grafik: Gabriela Galateanu

Ein neuer Ansatz kombiniert und synchronisiert zwei bildgebende medizinische Diagnoseverfahren: Computertomographie und digitales Röntgen. Das Ergebnis sind neue diagnostische „Werkzeuge“ für Wildtiermediziner: radiologische Protokolle, ein optimales Vorgehen zur Positionierung von Füßen, verlässliche anatomische Orientierungspunkte, artspezifische Röntgenaufnahmen und Interpretationshilfen für normale und krankhafte Fuß-Anatomie.

„Mit unserer Forschung können wir Fachtierärzten grundlegendes Wissen über bildgebende medizinische Verfahren vermitteln und sie mit wichtigen diagnostischen Werkzeugen ausstatten. Darüber hinaus hilft die neue Arbeitsmethode dabei, weltweit gewonnene Röntgenaufnahmen von Nashornfüßen korrekt zu interpretieren“, sagt Dr. Gabriela Galateanu vom IZW, Erstautorin der wissenschaftlichen Studie, veröffentlicht in der Online-Fachzeitschrift PLOS ONE.

Besitzt man keine diagnostischen Methoden, um frühzeitig krankhafte Fußprobleme zu erkennen, können auch keine Maßnahmen ergriffen werden, um gezielte Behandlungen einzuleiten. Chronische Fußerkrankungen bei Nashörnern in menschlicher Obhut beeinträchtigen deren Zuchtfähigkeit. Zoologische Gärten spielen eine wichtige Rolle bei der Erhaltungszucht von Nashörnern.

„Deshalb ist es unsere Hoffnung, dass nach unserer Veröffentlichung dieser Studie radiologische Untersuchungen an Füßen von Nashörnern zu einem Standard-Verfahren in der Krankheitsdiagnostik werden und idealerweise als eine Methode zur regelmäßigen Gesundheitskontrolle angewendet wird“, empfiehlt Galateanu. 

Weitere Ergebnisse der Studie sind die erstmalige Dokumentation von artspezifischen Röntgenaufnahmen mit einer einzigartigen detaillierten Knochendarstellung und die Möglichkeit der Erfassung und akkuraten Bewertung eines jeden einzelnen Fußknochens im gesamten Nashornfuß.

Nach rund 40 Millionen Jahren erfolgreicher Evolution und der Entstehung zahlreicher Arten umfasst die Familie der Nashörner (Rhinocerotidae) heutzutage nur noch fünf verschiedene Arten. Lebensraumverlust und ihr begehrtes Horn führen zu einer starken Reduktion ihrer Bestände: Von den noch lebenden fünf Nashornarten sind bereits vier am Rande der Ausrottung. Wilderer verfolgen und töten die Nashörner sogar in ihren Schutzgebieten. Es ist absehbar, dass es wohl für manche Arten nur noch ein Leben in Gefangenschaft geben wird.

Ungeachtet der langen Historie von Nashörnern in Gefangenschaft, die mindestens bis in die römische Zeit zurückreicht, ist sogar das Schicksal einiger Arten in zoologischen Gärten ungewiss. Die in menschlicher Obhut lebenden Nashörner leiden unter chronischen Fußerkrankungen. In einer vorangegangenen Studie konnten die Wissenschaftler zeigen, dass diese Fußerkrankungen sich nicht nur, wie bisher angenommen, auf die Weichteile der Nashornfüße beschränken, sondern auch die Knochen sehr stark betroffen sind. 

Der Einsatz von Röntgentechnik ist zurzeit das einzige brauchbare Verfahren, um Nashornfüße zu untersuchen. Bisher gab es jedoch keine verlässliche diagnostische Methode. Durch verbesserte Diagnose-Methoden kann in Zukunft eine optimale medizinische Versorgung stattfinden.

Daher wird die neue Methode, der Kombination von bildgebenden Verfahren mit den daraus generierten diagnostischen Werkzeugen, als wichtiges Verfahren im Gesundheitsmanagement von in Menschenhand gehaltenen Nashörnern empfohlen. So können die Ergebnisse dieser Studie einen Beitrag zum nachhaltigen Gesundheitszustand von Nashörnern leisten.

Weitere Informationen:

http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0100415 - Originalveröffentlichung

Gesine Wiemer | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Wachkoma: System soll Patienten helfen, sich zu verständigen
24.05.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Premiere einer verblüffenden Technik
23.05.2017 | Deutsches Herzzentrum Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften