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Prostatakrebs frühzeitig erkennen

05.11.2007
Die Therapie von Prostatakrebs ist ein Wettrennen gegen die Zeit: Spürt der Patient erste Symptome, hat sich der Krebs meist schon zu stark ausgebreitet. Ein neuartiges Diagnoseverfahren kombiniert optische Bildgebung mit Ultraschall und verbessert so die Früherkennung.

Treten bei Prostatakrebs erste Symptome auf, hat sich der Tumor meist schon stark ausgebreitet: Es besteht kaum noch Aussicht auf Heilung. Eine frühe Diagnose kann Leben retten. Computertomographen, Röntgenstrahlen und Magnetresonanzgeräte sollen die Tumore rechtzeitig entdecken, jedoch sind die Kosten für Routineuntersuchungen oft zu hoch und die Empfindlichkeit zu gering. Ultraschall ist zwar eine preisgünstige Alternative, aber nicht sehr zuverlässig.


Ein neues System spürt Prostatatumore frühzeitig auf: Das Gewebe wird mit Laserlicht bestrahlt (oben), die Detektion erfolgt akustisch wie beim Ultraschall (unten). © Fraunhofer IBMT

Künftig soll ein neuartiges, kostengünstiges und sensitives Gerät die Zahl der Frühdiagnosen von Prostatakrebs erhöhen und mehr Patienten eine Chance auf Heilung geben. Entwickelt wurde das Diagnosegerät am Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT in St. Ingbert, gemeinsam mit Partnern aus fünf europäischen Ländern. Die Europäische Kommission finanziert das Projekt mit 2,2 Mio Euro. »Wir verknüpfen zwei verschiedene Bildgebungsmethoden miteinander – die optische Methode und den Ultraschall«, sagt Dr. Robert Lemor, Abteilungsleiter am IBMT. »Dazu strahlen wir Laserlicht in das Gewebe. Es erwärmt sich und dehnt sich aus, wobei Druck in Form einer Schallwelle entsteht. Diese Schallwelle breitet sich ähnlich wie Ultraschall im Gewebe aus und wird auch genauso detektiert.« So verbinden die Forscher den guten Kontrast vom Licht mit der guten Ortsauflösung vom Schall – und nutzen die Vorteile beider Systeme.

Um die Krebszellen bereits im Anfangsstadium zu detektieren, brauchen die Forscher jedoch einen noch stärkeren Kontrast zwischen Krebszellen und gesunden Zellen. »Das erreichen wir durch Goldpartikel, die nur wenige Nanometer groß sind. Gold absorbiert das infrarote Licht des Lasers sehr viel besser als die Zellen und erscheint daher im Bild heller«, sagt Lemor. An diese Goldpartikel heften die Forscher Antikörper: Sie binden an Proteine, die in Krebszellen mehrere tausend mal häufiger vorkommen als in gesundem Gewebe. »So reichert sich das Gold gezielt an den Krebszellen an, während in gesunden Zellen kaum Gold zu finden ist«, so Lemor. Das Gold lässt sich nicht nur für diagnostische Zwecke nutzen, sondern auch für die Therapie: Erhöhen die Forscher die Leistung des Lasers und steigern sie die Zeit, die der Laser einwirkt, erwärmt sich das Gold – die entstehende Wärme zerstört die Krebszellen. Das gesunde Gewebe bleibt verschont, denn hier haben sich kaum Goldpartikel angelagert. Den Prototypen des Diagnose- und Therapiegeräts zeigen die Forscher auf der Messe medica vom 14. bis 17. November in Düsseldorf (Halle 10, Stand F05). In etwa zwei bis drei Jahren, hofft Lemor, könnte die klinische Studie starten.

Dr. Robert Lemor | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ibmt.fraunhofer.de

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