Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MHH entwickelt "Pain Gun" gegen Rückenschmerzen

20.09.2007
Infiltrationspistole soll größere Präzision in der navigierten Schmerztherapie ermöglichen

In Deutschland sind Rückenschmerzen eine Volkskrankheit - 64 Millionen Deutsche leiden zeitweise daran, etwa fünf Millionen Menschen haben chronische Rückenschmerzen. Eine Therapieoption zu den herkömmlichen Spritzen von Orthopäden sind minimal-invasive, CT-gestützte Eingriffe, bei denen Schmerzmittel oder Kortison direkt im Bereich des Wirbelgelenks platziert werden.

Der Nachteil: Die Methoden sind entweder sehr strahlenintensiv, nicht präzise genug oder kosten- und zeitaufwändig. Dr. Musa Citak, Leiter des Labors für computerassistierte Chirurgie und Robotik an der Klinik für Unfallchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), hat gemeinsam mit Professor Dr. Tobias Hüfner, leitender Oberarzt in der Unfallchirurgie, eine Infiltrationspistole entwickelt. Damit kann eine Nadel unter Navigationskontrolle auf dem Computerbildschirm präzise eingeführt werden.

Die "Pain Gun" befindet sich zur Zeit in der Erprobungsphase. "Für die Therapie chronisch rückenkranker Patienten kann die Pain Gun einen großen Fortschritt bedeuten", betont Dr. Citak. "Weil die Nadel mir sehr hoher Präzision zum Ziel geführt werden kann, ist es möglich, die Schmerzlinderung zu optimieren". Die Methode wird voraussichtlich 2009 zum ersten Mal am Patienten angewendet werden können.

... mehr zu:
»MHH

Dr. Citak und Professor Hüfner entwickelten zunächst die Infiltrationspistole, in die eine herkömmliche Spritze eingefügt wurde. Mit dem Abzug der Pistole kann die gewünschte Menge des Medikaments direkt am Wirbelgelenk injiziert werden. Wie bei herkömmlichen Navigationssystemen wird die Position der Nadel über eine Kamera im Körper ermittelt. So kann die aktuelle Position in Echtzeit am Computerbildschirm beobachtet werden.

Allerdings erreichten die Mediziner damit noch nicht die gewünschte Präzision, obwohl die Pistole die Spritze ruhiger und genauer setzen konnte als eine nur mit der Hand geführte Nadel. Aber die Nadel verbog sich: ein Problem, dass die Mediziner mit der Entwicklung einer konischen, also immer schmaler werdenden Nadel, deutlich reduzieren konnten. Schließlich war es mit Hilfe einer neu entwickelten Parallelführung möglich, die Infiltrationspistole am Behandlungstisch zu befestigen: Die Pistole kann nach der Ausrichtung der Kanüle nur parallel vorgeschoben werden und bleibt so exakt in der vorgegebenen Richtung. Mit Hilfe dieser Entwicklungen ist es möglich, Kanülen mit einem Durchmesser von nur 0,8 Millimeter präzise am Gelenk zu platzieren. Außerdem ist die Methode weitaus kostengünstiger als die CT-gesteuerte Schmerztherapie.

Die Pain Gun wurde in den MHH-eigenen Forschungswerkstätten unter der Leitung von Dipl.-Ing- Jörg Viering, Leiter der Abteilung Gerätebau, entwickelt, die TUI-Stiftung unterstützte das Projekt finanziell. Die Entwicklungen wurden durch die MHH zum Patent angemeldet.

Weitere Informationen gibt Ihnen gern Dr. Musa Citak, Unfallchirurgische Klinik, unter Telefon (0511) 532-2050.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Berichte zu: MHH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Wirkt die Biomechanische Stimulation?
21.02.2018 | Hochschule Offenburg, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Medien

nachricht Gefäßprothesen aus dem Bioreaktor
19.02.2018 | Leibniz Universität Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics