Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europaweit erster Herzschrittmacher mit automatischer Diagnostik und neuer Steuertechnik an der Kerckhoff-Klinik implantiert

23.05.2007
Neue Gerätegeneration ermöglicht bessere Anpassung der Schrittmacherfunktion an Herztätigkeit und bringt deutliche Zeitersparnis in der Nachsorge

„Mit dem neuen Schrittmacher erhalten wir in nur 90 Sekunden die notwendigen Daten, um die Schrittmacherfunktion in der Nachsorge optimal an die Bedürfnisse des Patienten anzupassen. Bislang ist dazu eine aufwendige Untersuchung per Ultraschall notwendig, die durchschnittlich zwischen 30 und 120 Minuten in Anspruch nimmt und eine Interpretation der Ergebnisse durch entsprechendes Fachpersonal erfordert“, kommentiert Dr Johannes Sperzel, Kardiologe an der Kerckhoff-Klinik, den Einsatz des ersten Geräts dieser Generation in Europa.

Möglich wird diese Zeitersparnis durch eine neue Technologie, mit der die Diagnostik der relevanten Parameter vom Schrittmacher automatisch durchgeführt wird, noch bevor der Patient in die Klinik kommt. Werden die Daten in der Klinik abgefragt, schlägt das Gerät dem Arzt binnen 90 Sekunden die optimale Einstellung für die Zeitsteuerung der Schrittmacherfunktion vor.

Wichtig für eine korrekte Schrittmacherfunktion ist u. a. die Einstellung des so genannten AV-Intervalls: Für eine geregelte Herztätigkeit wird eine elektrische Erregung im Herzmuskel vom Herzvorhof bis zur Herzkammer übergeleitet (=AV-Überleitungszeit) und führt hier zu einer Kontraktion des Herzmuskels als Grundlage für die Pumpfunktion des Herzens. Bei gesunden Menschen benötigt diese AV-Überleitung in der Regel 0,12 bis 0,2 Sekunden. Bei Verzögerungen der Überleitung einer elektrischen Erregung zur Herzkammer kann es zu einem verlangsamten Herzschlag, der so genannten Bradykardie, kommen, so dass die Implantation eines Herzschrittschrittmachers notwendig werden kann.

Damit ein Schrittmacher eine Bradykardie wirksam verhindern kann, benötigt er eine Vorgabe, in welcher Zeit nach einer Aktion der Herzvorhöfe ein elektrischer Impuls zur Unterstützung der Herztätigkeit abgeben werden soll.

Diese Zeitspanne, die im Schrittmacher programmiert werden muss, wird als AV-
Intervall bezeichnet. Das AV-Intervall wird im Schrittmacher nach einer Vorhofaktion aktiviert. In dieser Zeit wartet die Elektrode auf eine Eigenaktion der Herzkammer. Kommt diese nach Ablauf des AV-Intervalls nicht zustande, löst der Schrittmacher einen elektrischen Stimulus aus, der zur Kontraktion der Herzkammer führt. Da sich die Überleitungszeit vom Vorhof zur Herzkammer individuell unterscheiden kann und auch von Faktoren wie z.B. der Herzfrequenz abhängig ist, muss das AV-Intervall im Schrittmacher bei jedem Patienten individuell angepasst werden.

„Mit der neuen Technologie werden wir künftig auf die aufwendige und langwierige Optimierung der Schrittmacherfunktion per Ultraschalluntersuchung weitgehend verzichten können“, so Dr. Sperzel. Zudem verfügt die neue Schrittmachergeneration über batterieschonende Funktionen, die die Lebensdauer der Geräte verlängern: „Eine neue Steuertechnik überprüft nach jedem Herzschlag, wir die Herzkammer auf einen Impuls des Schrittmachers reagiert und passt diesen in seiner Stärke automatisch an. Durch diese optimierte Anpassung kann die Batterie geschont und eine Lebensdauer des Schrittmachers von bis zu 14 Jahren erreicht werden“, erläutert Dr. Sperzel.

Im Durchschnitt liegt die Lebensdauer von Herzschrittmachern heute bei ca. 10 Jahren. „Mit der neuen Technik lässt sich die Nachsorge in der Klinik nach Implantation eines Schrittmachers wesentlich vereinfachen. Das senkt die Belastungen für den Patienten und spart in der Klinik wertvolle Zeit“, so Dr. Sperzel abschließend.

In der Kerckhoff-Klinik werden als einem der führenden Herz- und Rheumazentren Deutschland jährlich ca. 600 Herzschrittmacher, 350 Defibrillatoren und 200 Systeme zur Verbesserung der Herzleistung (Kardiale Resynchronisationstherapie) implantiert.

Pressekontakt:

Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ansprechpartnerin: Eva Sauer
Tel.: 06032 / 996.2554
Fax: 06032 / 996.2436
Email: e.sauer@kerckhoff-klinik.de

Dr. Berend von Thülen | C3 Public Relations
Weitere Informationen:
http://www.kerckhoff-klinik.de

Weitere Berichte zu: AV-Intervall Herzkammer Schrittmacher Schrittmacherfunktion

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt
16.01.2017 | Universitätsklinikum Tübingen

nachricht Fernüberwachung bei Herzschwäche kann Klinikaufenthalt ersparen
09.01.2017 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise