Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unterstützen statt Transplantieren

15.05.2007
Am Universitätsklinikum Heidelberg wurde erstes "Mini-Kunstherz" im Rhein-Neckar-Raum implantiert / Patient ist wohlauf

Im März 2007 ist an der Herzchirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg erstmals im Rhein-Neckar-Raum einem 67-jährigen Patienten erfolgreich ein so genanntes "Mini-Kunstherz" implantiert worden. Die kleine Pumpe soll die Herztätigkeit des Patienten aus dem badischen Heddesheim dauerhaft unterstützen und erlaubt ihm auch ohne Spenderherz ein selbstständiges Leben.

Die linke Herzkammer des Mannes war nach einem Herzinfarkt schwer geschädigt und daher das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. "Eine Herztransplantation kam für den Patienten aus mehreren medizinischen Gründen nicht in Betracht", erklärte Professor Dr. Matthias Karck, Ärztlicher Direktor der Herzchirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg bei einer Pressekonferenz am 11. Mai 2007 in Heidelberg.

Unterstützungspumpe lenkt Blut um geschädigte Herzkammer herum

Einen Ausweg bot das "Mini-Kunstherz", das in Deutschland bereits seit anderthalb Jahren erfolgreich eingesetzt wird: Bei diesem Kunstherzsystem saugt eine Mini-Pumpe das Blut aus der Herzspitze ab und befördert es direkt in die Hauptschlagader - das Blut wird um die zerstörte linke Herzkammer herum geleitet, die rechte Herzhälfte arbeitet weiterhin selbstständig. Dabei kann die Pumpe einen Durchsatz von fünf bis sechs Litern Blut pro Minute erreichen, was der Leistung eines gesunden Herzens entspricht.

"Weltweit wurden bisher zwischen 100 und 200 solcher Kunstherzen verpflanzt, die Eingriffe verlaufen in der Regel ohne Komplikationen", so Professor Karck. Nun können auch Patienten am Universitätsklinikum Heidelberg von dieser Technik profitieren: "Künstliche Herzen sind inzwischen eine wichtige Ergänzung der klassischen Organtransplantation und für viele Patienten die einzige Chance", betont der Mediziner, der bereits an der Medizinischen Hochschule Hannover gute Erfahrungen mit Kunstherzen gesammelt hat.

"Das Mini-Kunstherz ist älteren Modellen in vielen Punkten überlegen", so Dr. Artur Lichtenberg, Leitender Oberarzt an der Herzchirurgischen Klinik, der den Eingriff durchführte. "Die Pumpe am Herzen wiegt nur 400 Gramm und ist so klein, dass sie vollständig implantiert werden kann." Auch sei die Gefahr, dass sich in der Pumpe Blutgerinnsel bilden, geringer, erklärt der Herzchirurg. Der Rotor ist magnetisch gelagert und nicht mit der Hülle verbunden, daher ist die Technik nahezu verschleißfrei und langlebig.

Dauerhafte Pumphilfe kann Alternative zum Spenderherz sein

Tragbare Batterien außerhalb des Körpers versorgen das "Mini-Kunstherz" über ein dünnes Kabel bis zu fünf Stunden mit Energie. Die Batterien wiegen etwa 400 Gramm und können vom Patienten in kleinen Taschen am Körper mitgeführt werden. Eine Ladestation mit Ersatzbatterien hat der Patient immer bei sich zu Hause. Ein so genannter "Controller" wird am Gürtel befestigt und steuert die Pumpgeschwindigkeit des Kunstherzens.

Der Patient kann auf diese Weise ein relativ selbstständiges Leben zu Hause führen - Treppensteigen, leichte Gartenarbeit, Einkaufen und andere alltägliche Dinge sind wieder möglich. "Stellen sich keine Entzündungen ein, kann das Mini-Kunstherz nach schweren Herzinfarkten oder bei Herzschwäche als dauerhafte Pumphilfe eingesetzt werden. Es rettet Leben, wo Medikamente und Schrittmacher nicht mehr helfen und eine Transplantation nicht möglich ist", ergänzt Dr. Lichtenberg. "Es kann aber auch die Wartezeit auf ein Spenderherz sicher überbrücken."

Ansprechpartner:
Professor Dr. Matthias Karck
Ärztlicher Direktor der Herzchirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg
Telefon: 06221 / 56 6272 (Sekretariat)
E-Mail: matthias.karck@med.uni-heidelberg.de
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de
Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Herzkammer Kunstherz Mini-Kunstherz Pumpe Spenderherz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Filterschutz fürs Gehirn: Weniger Schlaganfälle bei Herzklappenersatz-OP
17.08.2017 | Universitätsklinikum Ulm

nachricht Cochlea-Implantat: Viele Formen funktionieren
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten