Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Millimetergenaue Radiotherapie

16.03.2007
Strahlenklinik bekämpft Lungentumore mit modernsten Geräten

Die Strahlenklinik am Universitätsklinikum Erlangen (Direktor: Professor Dr. Rolf Sauer) behandelt jetzt auch Patienten mit Lungenmetastasen mit Hilfe eines modernen Bestrahlungssystems. Die innovative Technologie "Adaptive Gating" - die in Europa bislang nur an zwei weiteren Standorten angeboten wurde - ergänzt das bestehende Novalis-System (BrainLAB) und ermöglicht es den Ärzten, auch bewegliche Ziele wie Lunge oder Leber hochpräzise zu bestrahlen.

Atmungsbedingte Bewegungen und Lageveränderungen der inneren Organe sind bisher eine der größten Herausforderungen für die Radiotherapie. Mit dem neuen System kann das Erlanger Ärzteteam unter Leitung von Dr. Antje Fahrig, Bereichsärztin an der Strahlenklinik für das Novalis-System, Lungentumore millimetergenau und mit einer hohen Dosis bestrahlen. Angrenzendes, gesundes Gewebe wird dabei weitgehend geschont. Patienten profitieren von geringeren Nebenwirkungen und verbesserten klinischen Ergebnissen.

Der Erfolg einer Strahlentherapie hängt von der Höhe der auf den Tumor abgegebenen Strahlendosis ab. Dabei gilt: Je genauer der Tumor erfasst wird, desto präziser und höher dosiert kann die Bestrahlung erfolgen. Bei Lungentumoren ist die zielgenaue und hochdosierte Behandlung jedoch äußerst schwierig, da diese Tumoren sich aufgrund der Atembewegungen des Patienten verschieben und während der Bestrahlung ihre Position verändern. Mit der neuen Adaptive Gating-Technologie können diese atmungsbedingten Veränderungen während der Behandlung berücksichtigt werden. Die atemsynchrone Strahlentherapie, auch Adaptive Gating genannt, ermöglicht die genaue Abstimmung des Behandlungsstrahls auf die Atemfrequenz und -tiefe des Patienten. Dadurch können die Erlanger Strahlentherapeuten die Behandlung so steuern, dass der Strahl nur dann eingeschaltet ist, wenn sich der Tumor in der genauen Behandlungsposition befindet. Wandert der Tumor aufgrund der Atembewegung aus dieser Position heraus, wird die Strahlung automatisch abgeschaltet. Auf diese Weise wird angrenzendes, gesundes Gewebe geschont und eine höhere Strahlendosis kann eingesetzt werden. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor zerstört wird. Klinische Studien belegen eine Zielgenauigkeit des Systems von bis zu einem Millimeter.

Dr. Antje Fahrig, Bereichsärztin für das Novalis-System an der Strahlenklinik Erlangen, erklärt: "Aufgrund der Bewegungen von Lunge und Leber ist bei der Behandlung dieser Organe ein deutlich größerer Sicherheitssaum um die entsprechenden Tumoren erforderlich. Dies schränkt die Dosiseskalation und Radiochirurgie enorm ein, und es war bisher eine große medizinische Herausforderung, eine adäquate und qualitätsgesicherte Immobilisation zu gewährleisten. Durch die Einbringung eines Goldmarkers in die Tumoren sind wir nun in der Lage, die Bewegungen des Tumors simultan zur Bestrahlung zu verfolgen und die Bestrahlung entsprechend anzupassen. Die Behandlungszeiten haben sich im Vergleich verkürzt. Durch die höhere Präzision werden wir die Sicherheitssäume verkleinern können. Somit erwarten wir bei höherer Dosis noch bessere Ergebnisse bei gleichzeitig geringeren Nebenwirkungen."

Die Strahlenklinik am Universitätsklinikum Erlangen arbeitet bereits seit 2003 mit dem Novalis-Bestrahlungssystem und hat seitdem mehr als 960 Krebspatienten mit Tumoren im Gehirn oder am Körperstamm hochpräzise bestrahlt. Mit der innovativen Adaptive Gating-Technologie dehnt nun das Uni-Klinikum die millimetergenaue und hoch dosierte Behandlung auf Lungentumoren aus.

So funktioniert die Technologie

Die Adaptive Gating-Technologie von BrainLAB gleicht die innere Tumorbewegung mit dem Atemzyklus des Patienten ab. Die Software des Systems automatisiert alle Behandlungsschritte, die für das Adaptive Gating erforderlich sind. Dazu zählen hochauflösende Bildgebung der Patientenanatomie, Verifizierung der Bilddaten, Patienten-Positionierung und kontinuierliches Detektieren und Berücksichtigen der Bewegungen.

Infrarot- und Röntgentechnologie helfen bei der genauen Erfassung der Atembewegung und Lokalisierung des Tumors. Dabei werden automatisch mehrere Röntgenaufnahmen während des Atemzyklus des Patienten gemacht. Da Weichteilgewebe und somit auch Tumorgewebe in Röntgenbildern nicht direkt erkennbar sind, wird ein Goldmarker in den Tumor eingesetzt. Dieser Marker ist im Röntgenbild sichtbar und ermöglicht so die genaue Erkennung der drei-dimensionalen Bewegungen des Tumors. Daraus errechnet das System das exakte Verhältnis der Tumor- zur Atembewegung des Patienten. So lässt sich das Ein- und Ausschalten des Behandlungsstrahls genau auf die Atemfrequenz des Patienten abstimmen. Das Adaptive-Gating-System wird seit 2005 weltweit an sechs großen Kliniken eingesetzt, darunter nun das Universitätsklinikum Erlangen sowie zwei weitere Kliniken in Europa und drei in den USA.

Weitere Informationen für die Medien:

Johannes Eissing
Pressestelle Uni-Klinikum Erlangen
Tel.: 09131/85-36102
presse@kv.med.uni-erlangen.de

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/

Weitere Berichte zu: Adaptation Atembewegung Bestrahlung Lungentumor Strahlenklinik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Filterschutz fürs Gehirn: Weniger Schlaganfälle bei Herzklappenersatz-OP
17.08.2017 | Universitätsklinikum Ulm

nachricht Cochlea-Implantat: Viele Formen funktionieren
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie