Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlaganfallvorbeugung: Neuartige Stents aus Kiel

18.12.2006
Die Verengung der Halsschlagader ist die häufigste Ursache des Schlaganfalls. Als Alternative zur offenen Operation wird seit einigen Jahren vorbeugend auch eine minimal-invasive Therapie mit einer Stentbehandlung durchgeführt.

Da es mit den derzeitigen Implantaten zu Komplikationen kommen kann, haben die Fachhochschule Kiel und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein ein dreijähriges Projekt gestartet mit dem Ziel, Stents mit verbesserten Strukturen und Oberflächen zu entwickeln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Vorhaben mit 520.000 €.

Zu den Beteiligten dieses Verbundprojekts gehören das Institut für Werkstoff- und Oberflächentechnologie im Fachbereich Maschinenwesen der Fachhochschule Kiel, die Kliniken für Neurochirurgie und für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Göttingen sowie Unternehmen aus der Medizintechnik. Die Projektleitung hat Prof. Dr. Mohammed Es-Souni von der Fachhochschule Kiel. Gemeinsam soll ein Stent entwickelt werden, der in der Vorbeugung von Schlaganfällen mögliche Komplikationen verringert, zu denen vor allem die Vernarbung (Restenose) gehört.

Stents sind kleine, zu Röhrchen geformte oder geschnittene Drahtgeflechte, die Adern von innen offen halten. Die meistverwendeten Stents werden aus einer superelastischen, bioverträglichen Titan-Nickel-Legierung hergestellt, die sich gummiartig verhält. Die superelastischen Stents sind selbstexpandierend, d.h. sie entfalten ihre programmierte Form ohne äußere Druckeinwirkung im Moment der Platzierung.

Solche Stents werden bei verschiedenen Gefäßerkrankungen eingesetzt. Sie sind jedoch in die Halsschlagader wegen der engeren Gefäße schwieriger einzusetzen als zum Beispiel am Herzen. Zudem muss der Stent oft im Bereich einer Aderverzweigung platziert werden, ohne dass der Blutfluss behindert wird. Dadurch ergibt sich eine weitere Anforderung an die Stentstruktur, zusätzlich zum Offenhalten der Ader und zu der Forderung nach einfachem Einsetzen. Dahingehend verbesserte Stentdesigns waren schon im Vorfeld am UKSH entwickelt worden. Sie sollen nun getestet und optimiert werden.

Der Schwerpunkt der Projektarbeit wird in der Entwicklung und Prüfung neuer Stentstrukturen und Beschichtungen liegen. Diese sollen helfen, die Gewebeverwucherung im Stent, die In-Stent-Restenose, zu vermeiden. Gleichzeitig soll aber eine gute Röntgen-Sichtbarkeit gewährleistet werden. Für eine lange Schlaganfallvorbeugung muss ein Kompromiss gefunden werden zwischen guter Bioverträglichkeit und langer Wirkung. Bei zu guter Bioverträglichkeit kann der Stent zuwachsen, und die Schlaganfallgefahr würde wieder steigen. Bei zu stark gehemmtem Wachstum kann es zu einer Abstoßung des Stents kommen.

Das Projekt soll die optimale Stentstruktur und Beschichtung für den besten Kompromiss zwischen Bioverträglichkeit und geringer Vernarbung finden. Die Stents sollen mit Hilfe der Laserstrahlmikrobearbeitung in der HAWK Göttingen hergestellt werden. Die Fachhochschule Kiel übernimmt die Aufgaben der Oberflächenbehandlung und Beschichtung mit den dort entwickelten Nano-Kompositmaterialien. Die Bioverträglichkeitsuntersuchungen sollen im UKSH von Prof. Dr. Fischer-Brandies und Prof. Olav Jansen durchgeführt werden. Die abschließende Prüfung der Funktionalität fertiger Stents erfolgt in der Sektion Neuroradiologie des UKSH, Leitung Prof. Dr. Olav Jansen, die in der Stentbehandlung zu den führenden Kliniken in Deutschland gehört.

Fachhochschule Kiel - University of Applied Sciences,
Rektorat, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Leitung: Klaus Nilius
Sokratesplatz 1, 24149 Kiel
Tel. 0431 210-1020, Fax 0431 210-61020
E-Mail: klaus.nilius@fh-kiel.de

Klaus Nilius | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-kiel.de

Weitere Berichte zu: Schlaganfallvorbeugung Stent Stentstruktur UKSH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Präzisionsbestrahlung bei Prostatakrebs: HYPOSTAT-Studie wird ausgeweitet
11.12.2017 | Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

nachricht Neues Verfahren für die Erkennung von Brustkrebs etabliert
06.12.2017 | Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einmal durchleuchtet – dreifacher Informationsgewinn

11.12.2017 | Physik Astronomie

Kaskadennutzung auch bei Holz positiv

11.12.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Meilenstein in der Kreissägetechnologie

11.12.2017 | Energie und Elektrotechnik