Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Horchen statt Röntgen: Luftvibrationen ersetzen Strahlung

09.11.2006
Frankfurter Uniklinik testet neuartiges Bildgebungsverfahren aus Israel. Untersuchungstechnik für Lunge und Atemwege kommt ohne Röntgen aus und eröffnet neue diagnostische Perspektiven

Eine neue Untersuchungstechnik für Lunge und Atemwege erprobt in diesen Tagen die Abteilung für Pneumologie und Allergologie des Klinikums der J. W. Goethe-Universität in Frankfurt. Bei dieser Technik handelt es sich um eine Bildgebungsmethode, die ohne Röntgenstrahlen auskommt.

Das als "Vibration Response Imaging" (VRI) bezeichnete neuartige Verfahren wurde in Israel von einem Kinderarzt in Zusammenarbeit mit einem Mathematiker entwickelt. Es nutzt die Vibrationen der Luft bei der Bewegung durch die Atemwege, um die Lunge und ihre Funktion bildhaft darzustellen.

Die nur dem Stethoskop des Arztes zugänglichen leisen Strömungsgeräusche in den Bronchien werden durch eine ganze Batterie von Mikrophonen, die dem Patienten auf den Rücken gelegt werden, innerhalb von zirka zwei Minuten erfasst und von einem Computerprogramm so umgerechnet, dass aus der Dynamik der Atmung heraus ein sich veränderndes Bild entsteht.

"So können wir nicht nur die Verteilung der Luft auf die rechte oder linke Lunge oder in die oberen oder unteren Lungenabschnitte darstellen, wir können auch die Ein- und Ausatmung bildlich verdeutlichen", erklärt Professor Dr. T.O.F. Wagner, Leiter der Abteilung für Pneumologie und Allergologie, der die neue Technik an das Frankfurter Universitätsklinikum holte.

Grafische Darstellung der Lungenfunktion eröffnet neue diagnostische Perspektiven

Weltweit laufen an herausragenden Zentren Untersuchungen zum neuen VRI-Verfahren. Die ersten Ergebnisse der Studien zeigen, dass mit der Methode eine Lungenentzündung sicher erfasst und diagnostiziert werden kann. Nun sollen weitere Möglichkeiten ausgelotet werden. In Frankfurt wird der Nutzen der neuen Technik bei Lungenkrebspatienten geprüft, da sich an der Uniklinik ein überregionales Zentrum für die Versorgung dieser häufigsten Krebstodesursache entwickelt hat. Bei den teilnehmenden Patienten werden im Verlauf der Therapie immer wieder Röntgenaufnahmen gemacht.

"Wir wollen mit der neuen Methode einen Teil der Röntgenuntersuchungen einsparen, um den Patienten vor Strahlung zu schützen, aber auch um Geld einzusparen", erklärt Professor Wagner. Es gehe aber nicht primär um den Ersatz der bewährten Röntgentechnik, betont der Lungenspezialist. So sei im Moment noch gar nicht das gesamte Anwendungsspektrum der neuen Methode abzusehen. "Das VRI-Verfahren liefert uns viel mehr als eine Momentaufnahme, da wir auch die Lungenfunktion grafisch darstellen.

Dies ist völlig neu und ungewohnt und eröffnet uns neue diagnostische Perspektiven, da zu einer Verknüpfung von Bildgebungs- und Funktionsdaten bisher eine komplexe und subjektive Zusammenschau durch den Arzt erforderlich ist", meint Professor Wagner.

Bündel an Vorteilen: Erhöhte Diagnoseschärfe, leichte Handhabung und niedrigere Kosten

Dieses Gerät könnte wie ein Ultraschallgerät in jedem Untersuchungszimmer stehen. Die Untersuchung ist nicht belastend, das Ergebnis kann sofort analysiert werden. Zudem entstehen keine Folgekosten. Da nur die Vibrationen, die ohnehin entstehen, aufgezeichnet werden, ist auch kein Risiko mit der Untersuchung verbunden. Dr. Torsten Born von der Abteilung Pneumologie und Allergologie am Frankfurter Uniklinikum nimmt die Messungen der jetzt in Frankfurt beginnenden Untersuchungen vor. Er sieht den wesentlichen Vorteil der Methode in der Sicherheit und Objektivität des Untersuchungsergebnisses. Zwar könne, so Born, das Abhorchen des Patienten mit dem Stethoskop bei einem erfahrenen Arzt eine wirklich gute Methode sein. Aber ob die Schallphänomene auch richtig interpretiert werden, sei nicht gut vorherzusagen. "Mit dem neuen VRI-Verfahren wird die subjektive Interpretation durch ein Bild erleichtert: Der Vergleich zweier Bilder zum Nachweis einer Befundänderung ist viel einfacher möglich als der Vergleich zweier Geräuscheindrücke. So legen wir in unserer Untersuchung besonderen Wert auf ihre Wiederholung, etwa nach einer Therapie", meint Born.

Als eine neue, vom Pneumologen leicht zu erlernende und durchzuführende Methode hat VRI möglicherweise das Potenzial, die immensen Anforderungen an die Pneumologie der nächsten Jahre zu bewältigen, hofft Professor Wagner: "Asthma, COPD oder Raucherbronchitis und Lungenkarzinom nehmen erschreckend zu, so dass mit den herkömmlichen Methoden zur Diagnostik und Therapieüberwachung die Lungenfachärzte überfordert und das Gesundheitssystem finanziell übermäßig belastet werden. Daher müssen wir jede Möglichkeit einer Vereinfachung und Verbesserung bei gleichzeitiger Einsparung ernsthaft prüfen."

Bildmaterial zu diesem Thema können Sie anfordern bei Frau Helga Huber, Sekretariat der Abteilung Pneumologie/Allergologie, Tel.: (0 69) 63 01-63 36 oder E-Mail: helga.huber@em.uni-frankfurt.de.

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. T.O.F Wagner
Abteilung Pneumologie/Allergologie
Klinikum der J. W. Goethe-Universität
Frankfurt/ Main
Fon (0)69 6301- 6336
Fax (0)69 6301 - 6335
E-Mail t.wagner@em.uni-frankfurt.de
Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität
Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 77 64
Fax (0 69) 63 01 - 8 32 22
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Berichte zu: Allergologie Atemweg Pneumologie VRI-Verfahren

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neues DaVinci-OP-System: Universitätsmedizin Mainz erweitert Spektrum an robotergestützten OP´s
03.02.2017 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Deutschlandweit erste Installation: Kompakter Roboter assistiert bei MRT-geführter Prostatabiopsie
02.02.2017 | Universitätsklinikum Leipzig AöR

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

Luftfahrt der Zukunft

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus

23.02.2017 | Medizin Gesundheit

Viren unterstützen Fotosynthese bei Bakterien – Vorteil in der Evolution?

23.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Katalyse in der Maus

23.02.2017 | Biowissenschaften Chemie