Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Robotertechnologie: Herzkatheter-Therapie minimiert Rhythmusstörungen

17.10.2006
Kardiologenkongress diskutiert innovative Behandlungsmethoden

Das menschliche Herz schlägt am Tag durchschnittlich etwa 100.000 Mal. Dennoch ist der Schlag des Herzens keineswegs immer gleichmäßig. Geschwindigkeitsbezogene und oft unregelmäßige Herzschläge, so genannte Herzrhythmusstörungen, drücken sich in kurzen Unterbrechungen oder auch zusätzlichen Herzschlägen aus, sind im Regelfall jedoch als harmlos einzustufen.

Treten diese Rhythmusstörungen gehäuft aus, so wird den Patienten eine ärztliche Untersuchung nahe gelegt. Vor diesem Hintergrund klinischer Therapie- und Untersuchungsmethoden findet vom 20. bis 21. Oktober 2006 ein internationaler Expertenkongress zum Thema der aktuellen Entwicklungen von Herzkatheter-Techniken statt. Unter der gemeinsamen Leitung von Martin Borggrefe, dem Direktor der I. Medizinischen Klinik des Mannheimer Universitätsklinikums, Günther Breithardt vom Universitätsklinikum Münster und Karl-Heinz Kuck vom Allgemeinen Krankenhaus St. Georg in Hamburg werden neuartige kardiologische Untersuchungs- und Therapieansätze vorgestellt und diskutiert.

Im Mittelpunkt der Fachveranstaltung steht vor allem die Katheter-Verödungstherapie, auch Katheterablation genannt. Erste Behandlungserfolge mit diesem Ansatz konnten in den letzten Jahren bereits in Europa und den USA nachgewiesen werden, so dass in Deutschland momentan etwa 20.000 Ablationsbehandlungen pro Jahr stattfinden. Im Therapieeinsatz gegen Herzrhythmusstörungen konnten entscheidende Innovationen entwickelt werden. Im Detail handelt es sich hierbei um eine Behandlungsmethode mit Namen "Niobe II-System", bei der mit Robotertechnologie die Katheterablation körperextern ferngesteuert werden kann und ab November 2006 auch im Universitätsklinikum Mannheim http://www.klinikum-mannheim.de zur Verfügung stehen wird. Bislang wurde diese Technologie nur im Deutschen Herzzentrum in München http://www.dhm.mhn.de und in Hamburg http://www.uke.uni-hamburg.de/zentren/herz angeboten. Zukunftsweisend wird hierbei ein magnetischer Katheter über zwei große Magnete navigiert, die die Katheterspitze durch unterschiedliche Ausrichtungen im Raum an jede Position stufenweise hinführen können. Mit einem feinen Draht ist es diesem in verschiedenste Richtungen lenkbaren Spezialkatheter möglich, vor allem schwer zugängliche Herzareale, wie beispielsweise Herzvorhöfe und Herzkammern, zu erreichten.

Im Gespräch mit pressetext macht Christian Wolpert, Koordinator der I. Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Mannheim, zur Funktionsweise der Robotertechnologie deutlich, dass "der Katheter als feiner Draht magnetisch ist und sich zwischen zwei großen Magneten in Balance halten oder gezielt ansaugen lässt". Damit sei das System besser als normale Steuerungsmechanismen, da Radien von 90 Grad oder höher erreicht werden können. Risiken oder Nebenwirkungen bei Nutzung dieser Technologie sieht der Experte hingegen keine, so dass sich alle gängigen Rhythmusstörungen problemlos behandeln ließen. Die hohen, für ein Klinikum zu bewältigenden Anschaffungskosten von drei bis fünf Millionen Euro sieht der Mediziner für gerechtfertigt: "Diese Technologie wird sich durchsetzen, da der Patient umfassend behandelt werden kann und auch die Untersucher in Zukunft noch weniger den Röntgenstrahlungen ausgesetzt sein werden."

Der generelle Vorteil von Katheterablationen besteht darin, die Art und das Wirkungsprinzip vorliegender Herzrhythmusstörungen klinisch festzustellen und zu behandeln. Bei einfachen Untersuchungen, die in der Regel ein bis zwei Stunden in Anspruch nehmen, werden unter örtlicher Betäubung mindestens zwei oder mehr winzige Elektrodenkatheter über die Leistenvenen oder -arterien in das Herz eingeführt. Über Röntgenstrahlen erfolgt dann eine Bildschirm-Visualisierung für den behandelnden Arzt. Wird eine Herzrhythmusstörung eindeutig diagnostiziert, so erfolgt eine direkte Verödung des erkrankten Bereichs mit Hochfrequenzstrom oder Kälte. Positiv für den Patienten ist, dass mit deutlich weniger Risiken klinisch vorgegangen werden kann, wobei eine Operation am offenen Brustkorb in den meisten Fällen vermieden wird.

Florian Fügemann | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.klinikum-mannheim.de/385.0.html
http://www.klinikum.uni-muenster.de
http://www.asklepios.com/sanktgeorg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Auf die richtige Verbindung kommt es an: Tiefe Hirnstimulation bei Parkinsonpatienten individuell anpassen
22.06.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Forschungsprojekt BabyLux: Neues Messinstrument schützt Frühgeborene vor Gehirnschädigungen
12.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie