Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MRT-Diagnostik: Detaillierter Blick in den Körper - ohne Strahlenbelastung

12.10.2006
Die Magnetresonanztomographie (MRT) verbindet höchste bildtechnische Qualität mit hoher Einsatzvielfalt. Längst verlassen sich Radiologen, Kardiologen, Neurochirurgen, Traumatologen und Gynäkologen auf die gefahrlose MRT-Diagnostik

"Insbesondere die gefahrlose Anwendung und Einsatzvielfalt macht die Magnetresonanztomografie zu einer Schlüsseltechnik in der radiologischen Diagnostik", erklärte Prof. Dr. Thomas Vogl, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Frankfurter Universitätsklinikums und wissenschaftlicher Leiter des 7. Frankfurter Interdisziplinären Symposiums für Innovative Diagnostik und Therapie (FISI) vom 13. bis 14. Oktober in Frankfurt.

Aber nicht nur der Aspekt der strahlenfreien und deshalb sicheren Bildgebung ist nach Professor Vogls Ansicht besonders für Radiologen entscheidend. Die technische Entwicklung der MRT-Geräte der letzten zwei bis drei Jahre macht nun hoch aufgelöste Aufnahmen des gesamten menschlichen Körpers in kürzester Zeit möglich und damit auch den Sprung der Magnetresonanztomografie in neue Anwendungsgebiete. Besonders die Tumordiagnostik profitiert von der Ganzkörper-MRT, um Tumorstadien zu bestimmen. Modernste klinische MRT-Systeme mit (der bislang höchsten) 3-Tesla-Feldstärke sind mittlerweile in der Kardio- und Neurodiagnostik und in der Gelenkdiagnostik zu finden, wo sie radiologische und nuklearmedizinische Verfahren wie Computertomographie (CT), Ultraschall und PET ergänzen oder ersetzen. Auch die Frauenheilkunde nutzt die sicheren MRT-Systeme, etwa für die Brustdiagnostik von Brustkrebs.

MR-Mammographie: Verkürzung der Untersuchungskette

Als zusätzliches Bildgebungsverfahren für die Brustuntersuchung hat sich die MR-Mammographie neben der Sonographie und dem Ultraschall etabliert. Mit Hilfe der MR-Mammographie lassen sich Auffälligkeiten unterschiedlicher Gewebebeschaffenheit differenzieren. Sie gilt zudem als höchst sensibles Verfahren zur Brustkrebserkennung und als diagnosesicher bei der Verifizierung von Erstbefunden und speziellen Fragestellungen nach zunächst unauffälliger Mammographie: etwa zur Klärung des postoperativen Zustands der Brustdrüsen oder von Lymphknotenmetastasen in den Achselhöhlen. Wegen ihrer hohen Detailschärfe eignet sich die MR-Mammographie für die Abbildung dichten Brustgewebes und von Tumoren. Vorteile gegenüber anderen Untersuchungsmethoden weist die kontrastverstärkte MRT bei der Unterscheidung zwischen Läsionen oder Tumorgewebe und Narbengewebe auf, speziell bei der Identifikation von multifokalen und multizentrischen Läsionen. Nachteile zeigen sich dagegen bei der Unterscheidung von kanzerösem und nicht-kanzerösem Gewebe. Aufgrund der guten Gewebedifferenzierung durch die Kernspintomographie wächst die Bedeutung der MR-Mammographie für das Staging von Brustkrebs und Lymphknoten. "Mehrere Untersuchungsgänge bei der Diagnostik einer Tumorpatientin können dank der Magnetresonanztomografie eingespart werden", stellt Professor Vogl fest.

Herz und Thorax: MRT-Diagnostik als Alternative zum Herzkatheter

Die Herzdiagnostik ist ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet der Magnetresonanztomografie. Cardio-MRT-Untersuchungen ermöglichen die Darstellung von Wandverdickungen, verengter Herzkranzgefäße, der Kontraktionsfähigkeit des Herzens sowie der Funktionstüchtigkeit von Herzklappen. Echtzeitaufnahmen vom Herzen sind mittels MRT möglich. Auch in der Kardiologie kann die MRT eine Option zur strahlenbasierten CT sein, etwa bei der Untersuchung des Herzgewebes. Der Schwerpunkt der kardiologischen Anwendung der Kernspintomografie liegt in der nicht-invasiven Ischämiediagnostik: mit ihrem Einsatz lassen sich Durchblutungsdefizite als Ausdruck einer Koronarerkrankung erkennen und klassifizieren. Diagnostisch effektiv ist der kontrastmittelverstärkte Einsatz der Cardio-MRT, der eine zuverlässige Differenzierung zwischen reversibel und irreversibel gestörter myokardialer Kontraktilität ermöglicht. "Für die Darstellung von Herzmuskel und Herzkranzgefäßen ist die MRT-Diagnostik zu einer Ergänzung oder sogar zu einer möglichen Alternative zum Herzkatheter geworden", erklärt Professor Vogl.

MRT-Diagnostik des Neurokraniums: Feindiagnostik weichteildichter Strukturen

Auch in der Neurologie und Neurochirurgie hat sich die MRT aufgrund der hohen Detaildichte der Bildgebung etabliert, zunächst als hilfreiche Ergänzung zur Röntgen-basierten CT. Mittlerweile verwendet die Neuroradiologie die MRT für die Diagnostik von Hirnnerven. Schnittbilder des Gehirns machen die Analyse von Hirnfunktionen möglich. Neurochirurgen nutzen die MRT-Technik für die Operationsplanung von Hirntumoren. Besonders gut in der Darstellung weichteildichter Gewebe, ist mittels MRT die Position eines Gehirntumors auch in den problematischen tief liegenden Regionen exakt bestimmbar, ein chirurgischer Eingriff lässt sich daher punktgenau planen und unnötige Gewebeverluste sind noch besser vermeidbar.

MRT des muskuloskeletalen Systems: Vorteile für ältere Gelenkpatienten

Nach einer Prognose der WHO steigt in Deutschland der Bevölkerungsanteil der Menschen im Alter von über 60 Jahren von 24 Prozent (2002) auf 33,2 Prozent im Jahr 2025 an.* Mediziner erwarten infolgedessen einen dramatischen Anstieg der Knochen- und Gelenkerkrankungen, allen voran der Osteoporose, was mit steigenden Kosten für das Gesundheitswesen verbunden ist. Für Gelenkpatienten bietet die Kernspintomographie Vorteile, sowohl durch die Diagnoseschärfe, als auch aufgrund der schonenden Anwendung. Konventionelle Röntgen und nuklearmedizinische bildgebende Verfahren - noch bis vor wenigen Jahren Standard bei orthopädischen Untersuchungen - sowie unangenehme Punktionen, kann die MRT teilweise ersetzen. MRT-Bildgebung erfasst Knorpelschichten, Bänder und andere Gelenkstrukturen des muskuloskeletalen Systems (Hand-, Fuß- und Kniegelenke) mit hoher Detailtreue. Modernste MRT-Verfahren erlauben eine millimetergenaue Bestimmung von Dicke und Zustand von Gelenkknorpelschichten. "Hier optimiert die MRT schonend die Diagnostik von Gelenksarthrosen; dadurch lassen sich weitere Therapiemaßnahmen gezielter ansetzen, was sich kostendämpfend auswirkt", meint Professor Dr. Ingo Marzi, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Frankfurter Universitätsklinikum.

* "Gesundes Altern" - Aufsuchende Aktivierung älterer Menschen, Weltgesundheitsorganisation WHO, 2005

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. Thomas Vogl
Institut für Diagnostische und
Interventionelle Radiologie
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 72 77
Fax (0 69) 63 01 - 72 59
E-Mail t.vogl@em.uni-frankfurt.de
Internet http://www.kgu.de/zrad/Diagnostik/index.htm
Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 77 64
Fax (0 69) 63 01 - 8 32 22
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Berichte zu: MR-Mammographie MRT Magnetresonanztomografie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Einfacher Schieltest mit neu entwickelter Strabismus-Video-Brille
19.07.2017 | UniversitätsSpital Zürich

nachricht Kunstherz auf dem Prüfstand
13.07.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Blattkäfer: Schon winzige Pestizid-Dosis beeinträchtigt Fortpflanzung

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Akute myeloische Leukämie (AML): Neues Medikament steht kurz vor der Zulassung in Europa

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biomarker zeigen Aggressivität des Tumors an

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie