Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bad Oeynhausener Kinderkardiologen führen weltweit erste magnetisch navigierte Kinderherzkatheterintervention durch

07.07.2008
Kinderkardiologen am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen konnten am Dienstag, 1. Juli 2008, weltweit erstmals bei einem Kind mittels magnetischer Navigation des Herzkatheters kleinste Lungenhilfsgefäße erreichen und erfolgreich behandeln.

Dr. Nikolaus Haas, Oberarzt der Klinik für Angeborene Herzfehler des Herz- und Diabeteszentrums NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum in Bad Oeynhausen, nahm den weltweit ersten Herzkathetereingriff mittels magnetischer Navigation bei einem 10-jährigen Jungen mit Pulmonalatresie und Ventrikelseptumdefekt vor, bei dem die Lungendurchblutung durch kleine Hilfsgefäße, sogenannte Kollateralen oder "MAPCAs" (major aorto-pulmonary collateral arteries) ersetzt waren.

Während des sechsstündigen Eingriffs konnte der Kinderkardiologe die sehr schwer zugänglichen Kollateralen dank der neuen Technik erreichen, erfolgreich weiten und mit speziellen Gefäßstützen versorgen.

Dem Kind fehlen die Lungenschlagader und die linke und rechte Lungenarterie. Ein Überleben über das Neugeborenenalter hinaus ist nur möglich, weil sein Körper zusätzliche Umgehungskreisläufe zur Versorgung der Lunge mit Blut gebildet hat. Zahlreiche dieser Hilfsgefäße entspringen bei dem Jungen aus der großen Körperschlagader und übernehmen eine allerdings nur unzureichende Perfusion (Durchblutung) der rechten und linken Lungenhälfte. Charakteristisch für diese Kollateralen ist ein extrem geschlängelter Gefäßverlauf, der häufig zusätzliche und bedeutsame Engstellen (Stenosen) aufweist.

Durch die Minderdurchblutung der Lunge und die limitierte Sauerstoffaufnahme war das Kind kaum belastbar. Selbst ein kurzer Weg bereitete dem Jungen Schwierigkeiten.

Die Ausprägung seines angeborenen Herzfehlers ist so komplex, dass selbst eine operative Behebung des Fehlers, die von einem international erfahrenen Chirurgenteam beabsichtigt war, nicht durchgeführt werden konnte. Dr. Haas nahm daher bereits mehrere herkömmliche Herzkathetereingriffe vor, die eine erste Besserung erbrachten. Um aber bisher nicht erreichbare Gefäße behandeln zu können, setzte der Kinderkardiologe am Dienstag auf modernste Kathetertechnik.
Durch ein magnetisches Navigationssystem wird der Katheter ferngesteuert.
Manche Bereiche des Herzens und der Lunge sind aufgrund der vorgegebenen Materialeigenschaften der Katheter nur unter großen Schwierigkeiten zu erreichen. Ein magnetisches Navigationssystem erlaubt in Kombination mit der Röntgenanlage eine magnetische Fernsteuerung des Katheters. Dabei werden kleine Magnete, die in den Führungsdraht des Katheters integriert sind, durch ein äußeres gerichtetes Magnetfeld (das rechts und links neben den Patienten angebracht ist) ausgelenkt.

So konnte der Kinderkardiologe ein sehr geschlängelt verlaufendes und verengtes Lungengefäß aufsuchen, es aufdehnen und mit einer speziellen Gefäßstütze (Stent) versehen. Dem Patienten ging es bereits wenige Stunden nach dem Eingriff besser. Sein Sauerstoffgehalt im Blut stieg an, seine Organe werden nun deutlich besser durchblutet. Schon nach 48 Stunden konnte der 10-jährige die Kinderkardiologische Klinik des Herz- und Diabeteszentrums NRW zu Fuß verlassen. Dr. Nikolaus Haas freut sich über die gelungene Behandlung und macht Patienten mit dieser schwierigen Diagnose Hoffnung: "Mit Hilfe dieser neuen Technik können wir zukünftig auch den Patienten helfen, die bisher in ihrem Leben sehr stark beeinträchtigt waren, konventionell als inoperabel galten und nur wenige andere Behandlungsoptionen hatten."

Bei der Pulmonalatresie mit VSD und MAPACAs handelt es sich um einen äußerst schwerwiegenden und seltenen angeborenen Herzfehler der ungefähr 5% aller angeborenen Herzfehler ausmacht. Je nach Schweregrad bzw. Ausprägung kann dieser Fehler operativ behoben oder in besonders komplizierten Fällen interventionell nur palliativ in ausgewiesenen kinderkardiologischen Zentren behandelt werden.

Herz- und Diabeteszentrum NRW
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Anja Brandt M.A./Anna Reiß M.A.
Georgstraße 11, 32545 Bad Oeynhausen
Tel.: 05731-97 1955, Fax: 05731-97 2028
info@hdz-nrw.de

Anja Brandt | idw
Weitere Informationen:
http://www.hdz-nrw.de
http://www.sterotaxis.com

Weitere Berichte zu: Herzfehler Katheter Kinderkardiologe Lunge

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neues DaVinci-OP-System: Universitätsmedizin Mainz erweitert Spektrum an robotergestützten OP´s
03.02.2017 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Deutschlandweit erste Installation: Kompakter Roboter assistiert bei MRT-geführter Prostatabiopsie
02.02.2017 | Universitätsklinikum Leipzig AöR

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie