Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ADHS-Kinder schauen in die "Röhre"

17.06.2008
JARA-Kooperationsprojekt: Moderne Bildgebungsverfahren zeigen veränderte Gehirnaktivität

Rund fünf Prozent aller Schulkinder leiden unter dem so genannten Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom, kurz ADHS.

Sie können sich nicht lange konzentrieren, sind motorisch überaktiv und in ihren Handlungen impulsiv. Wissenschaftler der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sowie des Lehr- und Forschungsgebietes Klinische Neuropsychologie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Aachen konnten nachweisen, dass sich die psychische Störung, die zu 70 bis 80 Prozent genetische Ursachen hat, in bestimmten Gehirnarealen zeigt.

In verschiedenen Studien erwies sich das Frontalhirn, das unter anderem die Aufmerksamkeit sowie Planungs- und Problemlösungsprozesse steuert, bei ADHS-Kindern als weniger aktiv als bei gesunden Kindern gleichen Alters. Gleichzeitig ließen sich bei den jungen Patienten verminderte Gehirnaktivitäten im Striatum nachweisen, welches für motorische Abläufe zuständig ist.

... mehr zu:
»ADHS-Kinder »RWTH

"Dank moderner Bildgebungsverfahren ist es heutzutage möglich, dem Gehirn quasi beim Denken zuzusehen", berichtet Univ.-Prof. Dr.rer.nat. Dipl.-Psych. Kerstin Konrad vom Lehr- und Forschungsgebiet Klinische Neuropsychologie des Kindes- und Jugendalters. Hierfür lösen die Patienten im Kernspintomographen bestimmte Aufgaben. Währenddessen werden Bilder des Gehirns aufgenommen, die zeigen, welche Hirnregionen gerade aktiv sind. Durch eine eingehende Bildanalyse verspricht sich die Forschung weitergehende Erkenntnisse über die Entstehung der Symptome und über mögliche Behandlungsmethoden.

Die Aachener Wissenschaftler arbeiten Hand in Hand mit ihren Kollegen im Forschungszentrum Jülich: Die Patienten werden am Universitätsklinikum in Aachen medizinisch und psychologisch betreut, während die modernen Messverfahren aufgrund der hervorragenden technischen Ausstattung überwiegend in Jülich stattfinden. Grundlage für die Zusammenarbeit ist unter anderem die Jülich-Aachen Research Alliance, kurz JARA. Sie wurde im August 2007 institutionalisiert und intensiviert die Zusammenarbeit zwischen der RWTH Aachen und dem Forschungszentrum Jülich. JARA ist ein wesentlicher Bestandteil des Zukunftskonzeptes der RWTH im Rahmen der Exzellenzinitiative und verfügt derzeit über die drei Sektionen JARA-Fit (Fundamentals of Future Information Technology), JARA-SIM (Simulation Sciences) und JARA-BRAIN (Translational Brain Medicine). "In JARA BRAIN werden neurowissenschaftliche Forschungsaktivitäten der RWTH Aachen und des Forschungszentrum Jülich gebündelt. Etwa 20 Kliniken, Institute und Lehrstühle der RWTH Aachen und alle neurowissenschaftlichen Institute im Forschungszentrum Jülich sind in diesem ambitionierten Forschungsverbund aktiv", erläutert Konrad.

ADHS wird - je nach Schweregrad - durch eine individuelle Kombination von psychotherapeutischen Maßnahmen und Medikamenten therapiert. Auch wenn sich bei einem Teil der ADHS-Patienten über die Jahre die Symptomatik reifungsbedingt zurückbildet, hat doch noch jeder Dritte im Erwachsenenalter mit Konzentrationsschwäche, Impulsivität und anderen Auffälligkeiten zu kämpfen. Die Wissenschaftler der RWTH und des Forschungszentrums Jülich arbeiten daher mit Hochdruck an optimierten Therapieansätzen. Derzeit wird im Rahmen der gemeinsamen DFG-Forschergruppe "Aufmerksamkeit und ihre Störungen" eine Studie zum Vergleich verschiedener Therapieverfahren durchgeführt. "Es gibt Medikamente, die entweder vorzugsweise im Frontalhirn oder im Striatum wirken", berichtet Konrad. Um die unterschiedlichen Wirkungsmechanismen und ihre Auswirkungen auf das Gehirn abzubilden, werden die acht- bis zwölfjährigen Patienten künftig mehrfach im Kernspintomographen untersucht. Mit Hilfe einer Kontrollgruppe soll zudem analysiert werden, ob sich die Gehirne der ADHS-Kinder über einen längeren Zeitraum denen der gesunden Kinder annähern.

von Ilse Trautwein

Weitere Informationen bei: Univ.-Prof. Dr.rer.nat. Dipl.-Psych. Kerstin Konrad, Lehr- und Forschungsgebiet Klinische Neuropsychologie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Aachen, Telefon AC: 0241/8088768, Jülich: 02461/612084, E-Mail: kkonrad@ukaachen.de

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de
http://www.ukaachen.de

Weitere Berichte zu: ADHS-Kinder RWTH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Premiere einer verblüffenden Technik
23.05.2017 | Deutsches Herzzentrum Berlin

nachricht Radioembolisation: Beim Leberkrebs mehr als nur eine Alternative!
22.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie