Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CT-Diagnostik für Brustkrebsvorsorge

22.04.2008
Die Universität Erlangen-Nürnberg wird zum Zentrum einer neuen Forschungskooperation.

Drei führende europäische Institute aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung an den Universitäten Erlangen-Nürnberg, Leuven und Rotterdam und ein industrieller Partner, die VAMP GmbH aus Erlangen, arbeiten gemeinsam an der Entwicklung eines Spezialgerätes für die Untersuchung der weiblichen Brust per Computertomographie.

Die Europäische Union fördert die Forschungen innerhalb ihres 7. Rahmenprogramms mit insgesamt 2,05 Millionen Euro. Antragsteller und Sprecher ist Prof. Dr. Willi Kalender, Direktor des Erlanger Instituts für Medizinische Physik (IMP).

Die Beteiligten erforschen das Potential eines Spezialgerätes für die Computertomographie (CT) zur verbesserten und früheren Diagnose von Brustkrebs. Die Leistungsmerkmale des Geräts werden charakterisiert und daraufhin geprüft, wie sie im Vergleich mit anderen Methoden bestehen. Denn neben die Spezifikation des Gerätes sollen auch Aussagen über die Zuverlässigkeit der verschiedenen konkurrierenden Verfahren in der Krebsdiagnostik treten.

Überlagerte und überlagerungsfreie Bilder

Von der Diagnose Brustkrebs ist jede achte Frau zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens betroffen. Es kann als gesichert angesehen werden, dass Früherkennung von allerhöchster Bedeutung ist und Leben retten kann. Leider ist jedoch bekannt, dass die Treffsicherheit der Diagnoseverfahren noch begrenzt ist und die Erkrankung oft zu spät erkannt wird.

Als Screening-Verfahren wird heute die Mammographie empfohlen und allgemein akzeptiert. Sie ist aber nur ein so genanntes Projektionsverfahren. Im Bild werden Strukturen und Details entlang des Strahls überlagert dargestellt und sind damit nur schwer zu unterscheiden. Sowohl Sensitivität wie Spezifität des Verfahrens sind deshalb tendenziell zu gering; dass heißt, häufig werden kritische Befunde übersehen, manchmal aber auch Erkrankungen vermutet, wenn keine vorliegen. Auf einen solchen "Fehlalarm" folgt oft eine vermeidbare Biopsie, in jedem Fall aber eine unnötige Verunsicherung der Patientin. Deshalb wird eine erhöhte diagnostische Sicherheit allgemein angestrebt.

Der Einsatz der Computertomographie, die überlagerungsfreie Bilder einzelner Schichten der Brust liefern kann, bietet hier genau wie die Magnetresonanztomographie (MR) ein hohes Potential. Die MR wird bereits klinisch eingesetzt, ist aber sehr teuer und aufwändig und damit nicht breit verfügbar. Die CT wurde bisher nicht in Betracht gezogen, weil die Röntgendosis als unakzeptabel hoch galt.

Dem widerspricht Prof. Willi Kalender vom Institut für Medizinische Physik: "CT der weiblichen Brust kann mit einem speziell für diesen Zweck entwickelten Gerät mit der in etwa gleichen Dosis durchgeführt werden wie die konventionelle Mammographie." Untersuchungen, die dies belegen, wurden am IMP bereits abgeschlossen und bildeten die Grundlage für den erfolgreichen Antrag.

Die Arbeit ist damit aber noch nicht getan. In den nächsten zwei Jahren soll ein Versuchsaufbau entstehen, mit dem die Annahmen überprüft werden können und die Leistungsfähigkeit der CT für Brustuntersuchungen technisch nachzuweisen ist. Erst danach sind in Kooperation mit der Erlanger Radiologie Messungen an Patientinnen zu erwarten. "Natürlich ist es unser Ziel", so Prof. Kalender, "dass diese Untersuchungen zuerst in Erlangen durchgeführt werden und dass wir basierend auf den Ergebnissen die Methode weiter entwickeln können." Die EU hat die Förderung einer zweiten Phase in Aussicht gestellt.

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 26.200 Studierenden, 550 Professoren und 2000 wissenschaftlichen Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in enger Verknüpfung mit Jura, Theologie, Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de
http://www.imp.uni-erlangen.de

Weitere Berichte zu: Brustkrebs Computertomographie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Smartphones im Kampf gegen die Blindheit
18.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Mehr Patientensicherheit: Neue Testmethoden für die Eignung von Implantaten für MRT-Untersuchungen
11.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise