Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Schlaganfall auf der Spur - PTB entwickelt Messtechnik zur Untersuchung neurovaskulärer Kopplung

17.04.2008
Alle zwei Minuten erleidet ein Mensch in Deutschland einen Schlaganfall. Rund ein Drittel der Betroffenen überlebt den plötzlichen Blutmangel im Gehirn nicht, viele andere behalten schwere Behinderungen zurück.

Denn das Gehirn ist ein Hochleistungsorgan mit immensem Energiebedarf - ist die Versorgung mit Sauerstoff unterbrochen, können Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen die Folge sein.

Um die damit zusammenhängenden Prozesse im Gehirn besser zu verstehen, entwickeln Forscher der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) neuartige Messmethoden: Sie erforschen den zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Sauerstoffbedarf der Nervenzelle und der Sauerstoffbereitstellung durch das Blut. Dies ist ihnen erstmals direkt am Patienten mit einer Zeitauflösung von 100 ms gelungen.

Um das genaue Ergebnis zu erzielen, arbeiten die PTB-Forscher mit zwei Messgeräten simultan: Die Gehirnströme erfasst ein DC-Magnetenzephalograf (MEG), während ein Nahinfrarot-Spektroskop die Konzentrationsänderung des Blutsauerstoffes im Gehirn misst. Das Ergebnis zeigt, dass ein bis drei Sekunden nach einer spezifischen Gehirnzellenaktivität die Blutzufuhr steigt. Diese zeitliche Abfolge beider Phänomene können die Forscher nun auf 100 ms genau bestimmen. In einem nächsten Schritt wird die zeitliche Abfolge bei Gesunden mit der von Schlaganfallpatienten verglichen.

Das derzeit übliche Mittel, um die Aktivität von Nervenzellverbänden sichtbar zu machen, ist die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT), besser als Kernspintomographie bekannt. Aber das Verfahren ermittelt das Ergebnis nur indirekt: Es misst den Sauerstoffgehalt des Blutes im Gehirn und lässt so Rückschlüsse auf die Zellaktivität zu - wo mehr Sauerstoff ist, ist auch eine erhöhte Gehirnzellenaktivität zu erwarten.

Auf der anderen Seite erlauben die Elektro- bzw. Magnetenzephalografie, eher als EEG und MEG bekannt, einen direkten Einblick in neuronale Prozesse, können diese aber nicht genau räumlich lokalisieren. Die oben beschriebenen Experimente an der PTB können dazu beitragen, zwischen diesen herkömmlichen Messmethoden eine Brücke zu schlagen und neue Erkenntnisse für die Medizin zu liefern.

Ansprechpartner in der PTB:
Dr.Tillmann Sander-Thömmes, Fachbereich 8.2. Biosignale, Tel. (030) 3481 - 7436, E-mail: Tilmann.Sander-Thoemmes@ptb.de

Dr. Heidrun Wabnitz, Fachbereich 8.3 Biomedizinische Optik, Tel. (030) 3481 - 7293, E-mail: heidrun.wabnitz@ptb.de

Die Forschungsnachricht auf den Internetseiten der PTB-Abteilung
http://ib.ptb.de/de/org/8/Nachrichten8/2008/grundlagen/kopplung.html
Diese Meldung im Internet
http://www.ptb.de/de/aktuelles/archiv/presseinfos/pi2008/pitext/pi080417.html
Weitere aktuelle PTB-Nachrichten
o Auftritt einer Diva - das Avogadro-Projekt geht auf seine letzte Etappe (3. April)
o PTB-Jahresbericht 2007 erschienen (3. April)
o Radioaktive Folgeprodukte von Thoron dank PTB exakt messbar (27. März)
o Härtetest auf kleinstem Raum - Nanoindentation (26. März)
Die Nachrichten finden Sie direkt auf der PTB-Homepage: http://www.ptb.de/

Imke Frischmuth | idw
Weitere Informationen:
http://www.ptb.de/

Weitere Berichte zu: Gehirnzellenaktivität Schlaganfall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht UKR setzt auf roboterassistierte Wirbelsäulenchirurgie
02.12.2016 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neu entwickeltes Plasmaskalpell ermöglicht schonende Operationen
22.11.2016 | FH Aachen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie