Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Selektive Interne Radiotherapie am Universitätsklinikum Mannheim

07.04.2008
Am 4. April 2008 wurde im Universitätsklinikum Mannheim die Selektive Interne Radiotherapie (SIRT) vorgestellt. Aus diesem Anlass gab es ein Pressegespräch, zu dem der nachfolgende Text als Tischvorlage verteilt wurde.

Seit Anfang des Jahres bietet das Institut für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin des Mannheimer Universitätsklinikums ein neues Therapieverfahren zur Bekämpfung von Krebserkrankungen der Leber an: die Selektive Interne Radiotherapie (SIRT).

Diese neuartige Therapie wird in Deutschland bisher nur an wenigen Kliniken durchgeführt und kann sowohl Patienten zugute kommen, die an einem Primärtumor der Leber erkrankt sind, als auch solchen, bei denen im Verlauf einer anderen Krebserkrankung Lebermetastasen aufgetreten sind. Es handelt sich dabei um ein minimal-invasives Verfahren, bei dem kleine radioaktive Kügelchen - so genannte Mikrosphären - über die Leberarterie in den Tumor eingebracht werden. Dies geschieht, ähnlich wie bei einer Herzkatheteruntersuchung, in lokaler Betäubung über die Leiste des Patienten.

Die Mikrosphären führen mittels hochenergetischer Strahlung zu einer Verkleinerung oder sogar zu einer kompletten Zerstörung des Tumors "von innen heraus". Da das angrenzende gesunde Lebergewebe nur wenig in Mitleidenschaft gezogen wird und sich in der Regel sehr schnell erholt, ist die SIR-Therapie im allgemeinen für die Patienten gut verträglich.

... mehr zu:
»Radiotherapie »SIRT

Die Selektive Interne Radiotherapie kommt immer dann zum Einsatz, wenn es nicht gelingt, Tumoren der Leber mit Hilfe herkömmlicher Therapien zu zerstören. Da jedoch nicht jeder Patient mit Leberkrebs für diese Behandlungsmethode geeignet ist, muss im Vorfeld eine genaue Auswahl getroffen werden, um den höchstmöglichen Nutzen für den jeweiligen Patienten zu erreichen. Die Entscheidung zur Durchführung einer SIRT erfolgt am Universitätsklinikum Mannheim interdisziplinär mit ausgewiesenen Experten aus der Onkologie, Strahlentherapie und Chirurgie.

Durchführung der SIR-Therapie

Bevor die Selektive Interne Radiotherapie durchgeführt wird, müssen die behandelnden Ärzte sicher gehen, dass der Lebertumor weder operativ entfernt noch durch eine Chemotherapie zerstört werden kann. Zudem müssen eine Reihe anderer Kriterien erfüllt sein - so zum Beispiel eine intakte Leberfunktion und die Durchlässigkeit der Leberarterie. Auch sollte die Leber zuvor noch nicht strahlentherapeutisch behandelt worden sein.

Die Vorbereitung auf die SIRT erfolgt in mehreren Etappen, zu denen auch moderne Schnittbildverfahren wie die Kernspintomographie oder die Positronen-Emissions-Tomographie gehören. Der eigentliche Eingriff wird am Institut für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin gemeinsam von erfahrenen Radiologen, Nuklearmedizinern und Strahlenschutzexperten durchgeführt und dauert nicht länger als eine halbe Stunde. Der Patient erhält eine lokale Betäubung in der Leiste. Durch einen kleinen Schnitt wird ein dünner Plastikschlauch (Katheter) in die Schlagader des Beckens eingeführt und in die Leberarterie geschoben. Vor dem Einschwemmen der radioaktiven Mikrosphären in das befallene Tumorgewebe werden alle Arterien verschlossen, die zu anderen Organen führen - auf diese Weise ist sicher gestellt, dass tatsächlich bösartiges Gewebe in der Leber vernichtet wird und das gesunde Gewebe in den umliegenden Organen verschont bleibt.

Nach der Behandlung halten die SIRT-Patienten vier bis sechs Stunden Bettruhe ein. Außerdem ist es medizinisch sinnvoll, dass sie eine Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben - am Universitätsklinikum Mannheim werden sie zu diesem Zweck in der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie untergebracht. Schwerwiegende Komplikationen sind bei SIR-Behandlungen bisher extrem selten beobachtet worden. Kurz nach dem Eingriff kann es zu Schmerzen im Oberbauch kommen, und gelegentlich treten Übelkeit, Erbrechen und Fieber auf. Diese Symptome können allerdings medikamentös problemlos behandelt werden.

Krebserkrankungen der Leber

Am häufigsten wird SIRT bei Patienten mit so genannten sekundären bösartigen Lebertumoren eingesetzt. Dies sind in der Regel Metastasen eines Primärtumors, etwa bei Darm-, Brust- oder Hautkrebs. Eine SIR-Therapie empfiehlt sich zum einen, wenn sich herkömmliche Behandlungen von Metastasen als nicht wirksam erweisen. Außerdem kann sie zum Einsatz kommen, wenn die Nebenwirkungen dieser Therapien für die betreffenden Patienten so stark sind, dass sie in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen.

Da Leberkrebs in der Regel zunächst keine Beschwerden verursacht, werden etwa 70 Prozent der Fälle erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Die Aussicht auf Heilung ist in diesen Fällen ungünstig - umso mehr gewinnen Therapien wie SIRT an Bedeutung, die den Krebs zumindest zurückdrängen und damit die Lebenserwartung der Patienten erhöhen sowie gleichzeitig deren Lebensqualität verbessern können. Weltweit wurden bisher rund 7.000 Patienten mit SIRT behandelt. Dabei gelang es, die Überlebenszeit um mehrere Monate zu verlängern.

Klaus Wingen, | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum-mannheim.de

Weitere Berichte zu: Radiotherapie SIRT

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken
28.03.2017 | Technische Universität Braunschweig

nachricht Neue Hoffnung für Leberkrebspatienten
24.03.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Antibiotikaresistenz zeigt sich durch Leuchten

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie