Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bundesweit einmalig: MHH-Chirurgen implantieren Miniaturpumpe gegen chronische Herzerkrankungen

06.03.2008
Neues Gerät zur Unterstützung der Herzfunktion verbessert Lebensqualität / Patient ist wohlauf

Bundesweit zum ersten Mal haben Chirurgen der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) einem 60-jährigen Patienten eine neuentwickelte Miniaturpumpe implantiert.

Die "Synergy Pocket Circulatory Assist Device" ist eine herzunterstützende Zusatzpumpe, die bei chronischen Erkrankungen des Herzmuskels, zum Beispiel nach einem schweren Herzinfarkt, eingesetzt wird. Sie steigert die eingeschränkte Herzleistung um zwei bis drei Liter pro Minute und kann so die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend verbessern.

"Dem Patienten geht es sehr gut, er ist vollständig mobilisiert und kann sich im Alltagsleben wieder normal belasten", betont Dr. André Simon, Bereichsleiter thorakale Organtransplantationen der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie (HTTG). Er hat dem Patienten die Miniaturpumpe im Januar 2008 implantiert, die Operation erfolgte zum ersten Mal in Deutschland im Rahmen einer klinischen Studie.

"Wir sind durch unser Herztransplantationsprogramm mit vielen Patienten konfrontiert, die ein Herzversagen erleiden. Aber nicht für alle kommt eine Transplantation in Frage, entweder weil es an Organen mangelt, weil der Patient die Wartezeit nicht überstehen würde oder andere Erkrankungen eine Transplantation verhindern", erklärt Prof. Dr. Martin Strüber, Leitender Oberarzt der HTTG-Chirurgie. "Aus der demografischen Entwicklung wissen wir, dass die Zahl dieser Patienten erheblich zunehmen wird - und wir möchten die Entwicklung der besten Verfahren für die Betroffenen vorantreiben".

Der Patient hatte in einem Zeitraum von zwei Jahren bereits zwei schwere Herzinfarkte erlitten. Durch die Vernarbung des Herzmuskelgewebes war seine körperliche Belastbarkeit im Alltag stark eingeschränkt, er klagte bereits bei geringsten körperlichen Anstrengungen über Beschwerden und Luftnot und konnte kaum noch die Wohnung verlassen. Die Miniaturpumpe wurde in einem minimal-invasiven Operationsverfahren unterhalb des rechten Schlüsselbeins unter die Haut implantiert. Das Gerät ist fünf Zentimeter lang, hat einen Durchmesser von 14 Millimetern und wiegt nur 25 Gramm. Über eine etwa 20 Zentimeter lange, acht Millimeter dünne Kanüle wird das Blut aus dem linken Vorhof des Herzens in die Schlagader gepumpt. Die Steuerungselektronik sowie die Batterien sind über ein Kabel außerhalb des Körpers angebracht und müssen vom Patienten stets mitgeführt werden.

Chronische Herzerkrankungen sind eine Volkskrankheit und betreffen heute weltweit etwa 10.000.000 Menschen, wovon bei etwa zwei Millionen Menschen die medikamentöse Therapie nicht mehr ausreichend ist. Diesen Patienten könnte durch diese unterstützende Miniaturpumpe mit einer technisch wenig aufwendigen Operation geholfen und ein hohes Maß an Lebensqualität zurückgegeben werden.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Telefon (0511) 532-6804.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Berichte zu: Herzerkrankung Miniaturpumpe Transplantation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Wachkoma: System soll Patienten helfen, sich zu verständigen
24.05.2017 | Universität Bielefeld

nachricht Premiere einer verblüffenden Technik
23.05.2017 | Deutsches Herzzentrum Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften