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Kunstzahn als Medikamentenspender

23.01.2008
Verfahren für Langzeitpatienten und Drogensüchtige von Vorteil

Ein zwölfköpfiges Forscherteam der Chemie-Fakultät an der Universität von Palermo hat einen im Mund der Patienten angebrachten Medikamentendosierer vorgestellt. "Es handelt sich um eine kleine Prothese, die anstelle des Weisheitszahns oder als wieder entfernbares Zahnimplantat montiert wird und das Medikament in feinster Dosierung freisetzt", erklärt der süditalienische Wissenschaftler Libero Italo Giannola. Er war zusammen mit dem deutschen Kollegen Axel Schumacher als bester Forscher innerhalb des von der Europäischen Union mit drei Mio. Euro finanzierten Forschungsprojektes ausgezeichnet worden. "Der große Vorteil dabei ist nicht nur, dass der Patient sich nicht ständig an die Einnahme erinnern muss, sondern dabei auch problemlos sprechen und essen kann," bestätigt Giannola.

Der Kunstzahn ist außer dem Arzneimittelspeicher mit einem winzigen Mikrochip ausgestattet, der Zeitpunkt und Menge der Verabreichung mit hoher Genauigkeit steuert. Für das Nachfüllen kann der Patient selbst über eine Fernsteuerung sorgen, die ihm dazu auch den richtigen Zeitpunkt signalisiert. Das inzwischen patentierte Verfahren ist besonders für Patienten geeignet, die unter Langzeitkrankheiten wie Bluthochdruck, Alzheimer oder Mundkrebs sowie Drogenabhängigkeit leiden. Es kann auch die Verabreichung durch Spritzen ersetzen, und somit die Gefahr von Nebenwirkungen wie Schmerz- und Infektionsentwicklung eindämmen.

Getestet wurde die nicht-invasive Methode an acht Drogensüchtigen in Israel, die im Vergleich zur herkömmlichen Tabletteneinnahme mit einer 111 Mal niedrigeren Dosierung des Entzugsmittel Naltexon behandelt wurden. "Jetzt wäre es an der Zeit, die neue Technik mit anderen Medikamenten und an anderen Krankheitsbildern auszuprobieren," meint Giannola abschließend. "Dazu brauchen wir noch einen finanzstarken Partner." An der drei Jahre dauernden Entwicklung des "IntelliDrug" waren auch israelische, polnische, deutsche, spanische und Schweizer Wissenschaftler beteiligt.

Harald Jung | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.unipa.it
http://www.intellidrug.org

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