Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bergmannsheil implantiert kleinsten Herzschrittmacher der Welt

27.06.2016

Erste erfolgreiche Anwendung in Bochum

Zum ersten Mal in einer Bochumer Klinik haben Kardiologen des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil einem Patienten einen neuartigen Miniatur-Herzschrittmacher implantiert.


Der Miniatur-Schrittmacher passt auf eine Fingerkuppe.

Bildnachweis: Volker Daum/Bergmannsheil

Die sogenannte Kardiokapsel ist kaum größer als eine 1-Euro-Münze und damit nur knapp ein Zehntel so groß wie ein gewöhnlicher Schrittmacher. Sie lässt sich äußerst schonend mittels eines Katheters implantieren, der über die Blutgefäße in der Leiste des Patienten eingebracht wird.

Das System verspricht eine hohe Funktionalität und Langlebigkeit. Die Kardiologische Universitätsklinik des Bergmannsheil (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mügge) führte die erfolgreiche Implantation am 22. Juni 2016 bei einem 68-jährigen Patienten durch.

Kosmetisch unsichtbar

„Das neue System bietet den Patienten viele Vorteile“, erläutert Dr. Axel Kloppe, Leitender Oberarzt der Medizinischen Universitätsklinik II für Kardiologie und Angiologie am Bergmannsheil. „Bei der Prozedur gibt es keine sichtbare Narbe im Brustbereich, die Kardiokapsel ist kosmetisch unsichtbar und bringt einen hohen Tragekomfort für den Patienten mit sich.“

Während ein herkömmlicher Schrittmacher in einer ‚Hauttasche‘ unter dem Schlüsselbein platziert wird, wird die Kardiokapsel mit einem Katheter unmittelbar ins Herz eingebracht. Sie wird dann in der Herzwand mit winzigen Titanärmchen verankert und gibt über einen Pol an der Spitze des Gerätes die elektrischen Impulse ab, die die Herzaktivität stimulieren. Eine Elektrode bzw. Sonde, die beim herkömmlichen Schrittmacher nötig ist, um den Schrittmacher mit dem Herzen zu verbinden, ist bei der Kardiokapsel somit nicht erforderlich.

„Man kann davon ausgehen, dass durch die sehr kompakte, drahtlose Konstruktion auch mögliche Infektionsrisiken, die sich bei Patienten mit Schrittmachern einstellen können, verringert werden“, so Dr. Kloppe. Das Einsetzen des neuen Schrittmachertyps dauert durchschnittlich etwa 30 bis 45 Minuten. Die geschätzte Lebenszeit der Batterie liegt bei etwa zehn Jahren.

Das System reagiert auch auf den Aktivitätsgrad des Patienten, indem es die Tätigkeit des Schrittmachers automatisch anpasst. Weiterer Vorteil: Die Kardiokapsel ist gegenüber herkömmlichen Systemen auch für Kernspintomographie-Untersuchungen (MRT) geeignet. Patienten mit implantierter Kardiokapsel können also bei Bedarf ebenfalls von dieser wichtigen diagnostischen Methode profitieren.

Innovative Therapieoption

Die Schrittmacher-Therapie ist die häufigste Form der Behandlung bei einem verlangsamten Herzschlag (Bradykardie). Über eine Million Herzschrittmacher werden weltweit pro Jahr implantiert. „Speziell für Patienten, bei denen eine Stimulation nur einer Herzkammer zu empfehlen ist, ist die Kardiokapsel eine interessante und innovative Therapieoption“, so Dr. Kloppe. Laut Angaben des Herstellers gilt die Kardiokapsel derzeit als der kleinste Herzschrittmacher der Welt. Er wird seit 2015 in Deutschland eingesetzt und mittlerweile in mehreren Herzzentren in Deutschland angeboten.

Über das Bergmannsheil

Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil repräsentiert den Strukturwandel im Ruhrgebiet wie kein anderes Krankenhaus: 1890 als erste Unfallklinik der Welt zur Versorgung von verunglückten Bergleuten gegründet, zählt es heute zu den modernsten und leistungsfähigsten Akutkliniken der Maximalversorgung und gehört zum Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum (UK RUB). In 23 Kliniken und Fachabteilungen mit insgesamt 652 Betten werden jährlich rund 21.000 Patienten stationär und 67.000 Patienten ambulant behandelt.

Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil gehört zur Unternehmensgruppe der BG Kliniken. In ihr sind neun berufsgenossenschaftliche Akutkliniken, zwei Kliniken für Berufskrankheiten und zwei Unfallbehandlungsstellen verbunden. Mit 12.000 Mitarbeitern und jährlich über 500.000 Patienten ist die Gruppe einer der größten Klinikverbünde Deutschlands. Weitere Informationen: www.bergmannsheil.de, www.bg-kliniken.de

Weitere Informationen:

Dr. Axel Kloppe
Leitender Oberarzt
Medizinische Universitätsklinik II – Kardiologie und Angiologie
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil gGmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234 / 302-6050
E-Mail: axel.kloppe@bergmannsheil.de

Pressekontakt:

Robin Jopp
Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil gGmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234 / 302-6125
E-Mail: robin.jopp@bergmannsheil.de

Weitere Informationen:

http://www.bergmannsheil.de - Website des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil
http://www.bg-kliniken.de - Website der BG Kliniken

Robin Jopp | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Klare Empfehlungen für künstliches Kniegelenk
18.05.2018 | Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

nachricht Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren
17.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics