Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Beitrag zur Laborhygiene

10.03.2011
Antimikrobielle Beschichtung bei Ausbildungsmikroskopen

Bakterien sind Teil unserer Welt. Zahllose von ihnen kommen im menschlichen Körper vor und sind völlig unbedenklich. Bei Menschen mit schwachem Immunsystem oder an der falschen Stelle können sie jedoch schwerwiegende Erkrankungen hervorrufen. Auch auf der Oberfläche von Mikroskopen im Ausbildungsbereich, die durch viele Hände gehen, können sich Krankheitserreger verbreiten.

Daher haben Leica Microsystems und die SANITIZED AG in Burgdorf, Schweiz, AgTreatTM entwickelt – ein antimikrobielles Beschichtungsverfahren mit dem Wirkstoff Silber für die Ausbildungsmikroskope Leica DM500 und Leica DM750.

Keime, die als Nahrung eine Kohlenstoffquelle benötigen, können sich auf den Kunststoffoberflächen von Mikroskopen gut vermehren. Zusätzlich verschmutzt der Mensch die Oberflächen mit einem hauchdünnen Film aus Hautschuppen, Speichel oder Schweiß. Auch Staubpartikel, die im Raum herumfliegen und sich niederlassen, können die Verbreitung von Bakterien fördern. Daher ist eine regelmäßige Desinfizierung von Mikroskopen unerlässlich. „Ein nicht eingehaltener Reinigungszyklus birgt erhebliche Risiken“, berichtet Christoph Fankhauser, verantwortlich für die Initialisierung und Koordinierung von antimikrobiellen Prüfungen der Kundenmuster bei der SANITIZED AG. „In dem Fall – oder auch zwischen zwei Reinigungszyklen – hilft eine antimikrobielle Beschichtung mit AgTreatTM, das Keimwachstum zu kontrollieren.“

Silberionen gegen mikrobielle Belastung
Silber ist als Wirkstoff bereits sehr lange bekannt. Schon die alten Römer benutzen als Vorreiter in Sachen Hygiene Silberbesteck, um Keimen vorzubeugen. Silbertabletten werden heute beispielsweise zur Desinfektion von Grundwasserbrunnen in Afrika eingesetzt. Das Edelmetall ist höchst aktiv und das besonders in Bezug auf Keime, Einzeller und Mikroben. Diese hochreaktive Eigenschaft bewirkt aber auch unerwünschte Effekte wie Verfärbungen. „Der Knackpunkt ist, die Reaktion zu kontrollieren“, erklärt Fankhauser. „Dazu haben wir Silberpartikel in einen Glaskeramikträger eingebracht. Dieser setzt die Silberpartikel genau dann frei, wenn sie gebraucht werden – also bei Körperwärme und hoher Feuchtigkeit, den optimalen Wachstumsbedingungen für Mikroben.“ Das positiv geladene Silber reagiert dann mit dem negativ geladenen Bakterium. Die Reaktion destabilisiert die Zellmembran des Einzellers. So ist dem Einzeller die Zellteilung nicht mehr möglich und das Wachstum der Bakterien wird verhindert.

Die AgTreatTM-Beschichtung schützt vor einer Vielzahl von Bakterien. SANITIZED prüft in ihrem Labor die besonders relevanten Keime. Dazu gehören Krankenhauskeime wie der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), der gegen bestimmte Antibiotika resistent ist. Er stellt besonders für Antibiotika-Patienten eine große Gefahr dar, deren eigenes Immunsystem außer Gefecht gesetzt ist. Bei rund 37 °C kann sich der MRSA bestens vermehren und schließlich den kompletten Organismus lahm legen. Bedeutsam sind auch lebensmittelrelevante Keimen wie das Escherichia coli Bakterium, das vor allem im Darmtrakt zu finden ist, an anderer Stelle aber zu gefährlichen Infektionen führen kann. Salmonellen sind ebenfalls häufig in Nahrungsmitteln enthalten und können schwere Durchfallerkrankungen verursachen.

Intensives Prüfverfahren – erhebliche Keimreduktion
Die SANITIZED-Mitarbeiter impfen die zu prüfende Oberfläche mit einer mit Bakterien versehenen Flüssigkeit. Diese Flüssigkeit wird mit einer Folie abgedeckt, damit ein ebenmäßiger Film entsteht. Das ganze wird dann einen Tag lang bebrütet. Dabei werden optimale Wachstumsbedingungen für Bakterien geschaffen: 37 °C Lagertemperatur und mindestens 90 % Luftfeuchtigkeit. Nach 24 Stunden beginnt das Auszählverfahren. Die Mitarbeiter zählen, wie viele von den ursprünglich ca. 100000 Keimen diese Prüfung überstanden haben. „Auf einem unausgerüsteten Muster befinden sich nach 24-stündiger Bebrütung etwa 1 Mio. Keime“, berichtet Fankhauser. „Bei einem präparierten Muster finden wir idealerweise nur noch einen Bruchteil der Keime, die aufgebracht wurden. Bei den mit AgTreatTM beschichteten Mikroskopen Leica DM500 und Leica DM750 konnten wir eine Keimreduktion zwischen 90 und 99,9 % feststellen.“
AgTreatTM – überzeugend in der Praxis
Eileen Sylves von der Universität Buffalo, New York, betreut die Studierenden-Labors für allgemeine und Entwicklungsbiologie. Die Kursteilnehmer untersuchen verschiedene Zelltypen unter dem Mikroskop. Sie erläutert, warum sich der Fachbereich bewusst für das Leica DM750 entschieden hat: „Neben herausragender Optik und Beleuchtung überzeugte uns, dass die Ausbildungsmikroskope von Leica Microsystems leicht zu verstauen und von einem Labor zum anderen zu bewegen sind. Am wichtigsten war uns allerdings die Beschichtung mit AgTreatTM. Wir haben bis zu zwölf verschiedene Benutzer pro Mikroskop. Besonders in der Erkältungszeit bietet die Behandlung mit Silberionen unseren Studenten Sicherheit vor der Ansteckung mit Krankheitserregern.“

Gerade Studenten haben meist Kontakt zu vielen Menschen – nicht nur in der Universität, auch in der Freizeit. So können eventuell vorhandene Keime sehr schnell weitergegeben werden. „Gefährlich wird es, wenn diese bei Menschen ankommen, deren Immunsystem auf irgendeine Weise vorübergehend oder permanent geschwächt ist“, erläutert Fankhauser. „Größere Menschenmengen, in denen verschiedene körperliche Verfassungen und auch Hygienebedürfnisse aufeinander treffen, bergen in dieser Hinsicht immer ein Gefahrenpotenzial.“

Janika Wiesner | LABO
Weitere Informationen:
http://www.labo.de/mikroskopie/Mikroskopie---Ein-Beitrag--zur-Laborhygiene-.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Virtual Reality in der Medizin: Neue Chancen für Diagnostik und Operationsplanung
07.12.2016 | Universität Basel

nachricht Patienten-Monitoring in der eigenen Wohnung − Sensorenanzug für Schlaganfallpatienten
06.12.2016 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops